Strategien


Studie A.T. Kearney

So sieht die Arbeitswelt in Deutschland 2064 aus

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Großunternehmen wachsen zu Megakonzernen, kleinere Firmen schließen sich zu losen Verbänden zusammen. Und Roboter ersetzen den Koch.
Ein tiefer Blick in die Glaskugel skizziert ein Bild von Deutschland im Jahr 2064.
Ein tiefer Blick in die Glaskugel skizziert ein Bild von Deutschland im Jahr 2064.
Foto: Tanja Jäckel - Fotolia.com

Die Glaskugel, die A.T. Kearney ausgepackt hat, muss sehr groß sein, denn der Berater sagt nicht einfach Trends für 2016 vorher. Stattdessen geht es um "Deutschland 2064 - die Welt unserer Kinder". In diesem Papier entwickelt A.T. Kearney Thesen zu Wirtschaft und Gesellschaft.

Drei Typen von Unternehmen 2064

In puncto Unternehmen zitiert der Report Saori Dubourg, Leiterin des Bereichs Nutrition & Health bei BASF. Sie sieht 2064 drei Typen von Unternehmen: Megakonzerne, die aus den heutigen Großunternehmen hervorgegangen sind, und lockere Verbände, zu denen sich bis zu tausend Einzelfirmen zusammenschließen, darunter viele Start-Ups. Zum Dritten wird es kleine, hochspezialisierte High-Tech-Unternehmen geben, die dem heutigen Mittelstand entsprechen.

Egal, in welcher Form ein Unternehmen künftig existiert, sein Erfolg wird sich nicht mehr allein in finanziellen Kennzahlen messen lassen. A.T. Kearney greift auf eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Gfk zurück ("Global Perspective Barometer 2015: Voices of the leaders of tomorrow"), die Karrierefaktoren von Studierenden an Top-Unis untersuchte. Fast jeder zweite Befragte nannte den sozialen Nutzen, den seine Arbeit haben soll. Lediglich 14 Prozent nannten hohes Gehalt.

Entökonomisierung - Effizienz ist nicht mehr alles

"Wir beobachten eine Entökonomisierung des Handelns. Effizienz ist nicht mehr alles", kommentiert Emanuel V. Towfigh, Mitglied des Aufsichtsrates des Medizintechnik- und Gesundheitskonzerns Freudenberg. "Es geht um Werte wie Transparenz, Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Nachhaltigkeit und soziales Engagement." Der Jurist erwartet einen holistischen Ansatz bei der Beurteilung von Unternehmen. Die Maxime künftiger Führungskräfte müsse heißen: Do good!

Das berührt auch die Beurteilung von Arbeitskräften. "Ausbildung, Erfahrung und Soft SkillsSkills werden wichtiger sein als die Berufsbezeichnung", sagt Alexander Spermann, Direktor Arbeitsmarktpolitik Deutschland am Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA). Das bestätigt eine Studie, die das Netzwerk Xing 2015 durchgeführt hat (Kompass neue Arbeitswelt - die große Xing-Arbeitnehmerstudie). Demnach stellt mehr als jeder Zweite (51 Prozent) schon jetzt fest, dass "Umwege im Lebenslauf" kein Hindernis für eine Einstellung mehr sind. Alles zu Skills auf CIO.de

45 Prozent der Stellen können durch automatisiert werden

Stichwort Einstellungen: In bestimmten Berufen werden menschliche Mitarbeiter 2064 kaum noch benötigt, so A.T. Kearney weiter. Insgesamt 45 Prozent der Beschäftigten könnten in den kommenden 20 Jahren ihren Job verlieren, weil Abläufe und Tätigkeiten automatisiert werden.

Welche Berufe durch Roboter verschwinden - welche bleiben

Unter Berufung auf verschiedene Quellen (Frey/Osborne "The future of employment: How susceptible are jobs to computerisation", 2013 und Bundesagentur für Arbeit "Arbeitsmarkt in Zahlen - Beschäftigungsstatistik", 2015) erstellt A.T. Kearney eine Liste der Berufe, in denen Roboter Menschen ersetzen. Roboter werden demnach folgende Jobs erledigen: Sekretariatsaufgaben, Verkauf, Gastronomie sowie kaufmännische und technische Betriebswirtschaft. Außerdem tragen Roboter 2064 die Post aus, kochen den Menschen Essen, erledigen Bankgeschäfte und Buchhaltung, bearbeiten Metall und halten Lager in Ordnung.

Überall können sie den Menschen nicht ersetzen und so legen die Berater auch eine Liste der Jobs vor, die nicht von Automatisierung bedroht sind. Hier nennen sie vor allem soziale Berufe wie Kindererziehung, Kranken- und Altenpflege sowie in der Sozialarbeit. Auch Unternehmensleitung, Vertrieb und Forschung brauchen nach wie vor den Menschen, ebenso Kfz-, Maschinenbau- und Betriebstechnik.

"Arbeitnehmer müssen Miteigentümer der Roboter werden"

Richard B. Freeman, Professor für Ökonomie an der Harvard University, sagt: "Sobald Roboter oder Computer etwas billiger erledigen können, nehmen sie Menschen den Job ab - außer diese sind bereit, weniger Lohn hinzunehmen." Freeman spricht gar von "neuer Leibeigenschaft". Sein Lösungsvorschlag: Arbeitnehmer müssen zu Miteigentümern der Roboter werden. Freemans These: "Wer die Roboter besitzt, regiert die Welt!"