Selbstmanagement

So zähmen Sie Ihren Chef

17. Juli 2014
Von Daniel Rettig
Sie wollen ein neues Projekt beginnen, mehr verdienen, lieber von zu Hause arbeiten - doch Ihr Chef sagt Nein? Kein Grund, gleich aufzugeben. Mit diesen Tipps lernen Sie, seinen Widerstand zu brechen - und Ihre Ziele elegant durchzusetzen.

Stanford-Professor Robert Sutton taufte sein weltweit gefragtes Buch über Despoten in Nadelstreifen "Arschloch-Faktor". Zu den Erfolgstiteln des deutschen Karriere-Autors Martin Wehrle gehört "Das Chefhasserbuch". Und unter dem Pseudonym Katharina Münk berichtete eine Vorstandssekretärin über ihren Vorgesetzten. Der Titel: "Und morgen bringe ich ihn um". Nimmt man Verkaufszahlen von Sachbüchern als Indiz, war das Verhältnis von Chefs und Mitarbeitern nie so schlecht.

Das belegte vor wenigen Monaten auch eine Umfrage der Personalberatung Intersearch Executive Consultants. Jeder dritte Befragte war mit seinem Boss unzufrieden. Die einen vermissten die Fähigkeit, zu motivieren, anderen mangelte es an Glaubwürdigkeit oder Persönlichkeit. "Die Ergebnisse überraschen nicht", sagt Intersearch-Manager Thomas Bockholdt. Mangelnde Führungskompetenz sei einer der häufigsten Gründe für vorzeitige Entlassungen im Management. "Außerdem scheitert die Zusammenarbeit oft daran, dass ein Top-Manager nicht zur Unternehmenskultur passt."

Es ist verständlich, sich in Kantinen und Kaffeeküchen über den eigenen Vorgesetzten zu mokieren. Der Chef dient als Projektionsfläche für Frust und Missgunst. Angeblich lästert jeder Deutsche im Schnitt vier Stunden pro Woche über seinen Chef.

Druck und Ärger abzulassen kann kurzfristig helfen. Besser wäre es, sich in die Rolle des Vorgesetzten hineinzudenken. "Wer ganz nach oben will, muss mit seinem Vorgesetzten umgehen können", sagt auch die Psychologin Felicitas von Elverfeldt, die seit fast 20 Jahren Führungskräfte in Großkonzernen coacht. "Je höher die Hierarchie-Ebene, desto wichtiger wird diese Fähigkeit."

Am besten so, dass der eigene Chef es nicht merkt. "Managing your boss", heißt das bei den Angelsachsen, "Cheffing" oder "Führen nach oben" nennen es die deutschen Personalexperten – gemeint ist stets dasselbe: Es geht darum, zu agieren, statt zu reagieren. Sich nicht nur vom eigenen Vorgesetzten lenken zu lassen, sondern ihn selbst zu lenken.

Kleine Machtkämpfe

Eine heikle Situation. Hierarchien in Unternehmen sind durchaus sinnvoll. Sie helfen, Entscheidungen zu treffen und StrategienStrategien umzusetzen. Doch der Mensch strebt vor allem nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Eingebundenheit, wie es die US-Psychologen Edward Deci und Richard Ryan in ihrer Selbstbestimmungstheorie der Motivation formulierten. Diese Ziele widersprechen den Möglichkeiten der Vorgesetzten. Die können Aufträge erteilen und Positionen nach Gutdünken besetzen. Alles zu Strategien auf CIO.de

Die Situation wird erschwert, wenn die Mitarbeiter ihren Chef als unfähig empfinden. Ein Gefühl, das viele Deutsche nachvollziehen können. Einer von drei Arbeitnehmern hält seinen Vorgesetzten zumindest in einigen Punkten für inkompetent, ergab im Jahr 2011 eine Umfrage der Online-Stellenbörse Monster. Wer so denkt und fühlt, lässt seine vermeintliche oder tatsächliche Überlegenheit irgendwann raushängen. Er sucht kleine Machtkämpfe oder rebelliert gar offen.

Zugegeben: Manchmal sind die Chefs selbst schuld. So wie die Lufthansa-Führungskraft in Frankreich, gegen die kürzlich die Gewerkschaften vor Gericht eine Klage einreichten. Der Manager hatte auf einer fünfseitigen Liste etwa 50 Mitarbeiter notiert und mit negativen Anmerkungen versehen. Darunter: "Nicht so schlau", "schusselig" oder "unbrauchbar".

Ein Extremfall, sicher. Aber miese Chefs treiben Angestellte überall ins geistige Exil. Und sie erhöhen die Fluktuationsrate. 47 Prozent der deutschen Angestellten haben schon einmal wegen eines Vorgesetzten gekündigt, fand die Unternehmensberatung Information Factory kürzlich heraus. Fast 70 Prozent der 1000 befragten Beschäftigten fühlten sich von ihrem Chef unter Druck gesetzt oder kontrolliert. Das muss nicht sein.

Statt weiter unter dem Vorgesetzten zu leiden, kann man ihn sich gewissermaßen gefügig machen. Aber nicht mit dem Säbel, sondern mit dem Florett. Um das gleich deutlich zu sagen: Es geht nicht um Konfrontation oder Manipulation. Niemand soll Hierarchien aushebeln, Kompetenzen überschreiten, tricksen und täuschen.

Stattdessen sollte sich jeder Angestellte auf seinen Vorgesetzten einstellen. Seine Launen, Eigenarten und Vorlieben zuerst analysieren, um hinterher davon zu profitieren. Elegant, unauffällig, wirkungsvoll. Wie das geht, erfahren Sie auf den kommenden Seiten.