Analysten-Kolumne

SOA spart Personal

18. April 2007
Rüdiger Spies widmet sich als Ind. VP Software Markets beim Analystenhaus PAC überwiegend dem Themenbereichen Enterprise Applications und zugehörige Infrastrukturen. Dazu gehören erweiterte ERP-Systeme (CRM, SCM), Business Analytics (Big Data), Cloud-Technologien, Mobile Technologien und IT-Architekturen. Vor seiner Tätigkeit bei PAC konnte er über 30 Jahre Erfahrung bei anderen Analystenunternehmen (META Group/heute Gartner, Experton, IDC) und Industrieunternehmen (IBM, Informix, GEI-Rechnersystem/heute T-Systems) sammeln. Spies wurde zwei Mal zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten in der deutschen IT-Szene gewählt und ist als Keynote-Speaker und aus den Medien (z.B. ntv) bekannt. Darüber hinaus ist Rüdiger Spies als Patentanwalt bei LifeTech IP tätig.
SOA wird von breiten Kreisen der IT-Anbieter massiv unterstützt. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Die einen nehmen es als Chance, ihr überaltertes Produktangebot zu modernisieren, die anderen ergreifen die Chance, neue Produkte (z.B. Repositories, Instrumente zur Verwaltung von SOA) oder Service-Leistungen (z.B. Architekturdefinitionen, Service-Portfolio-Optimierung) anzubieten.
IDC-Analyst Rüdiger Spies: "Für viele Hersteller ist der Umstieg auf eine SOA eine massive Investition."
IDC-Analyst Rüdiger Spies: "Für viele Hersteller ist der Umstieg auf eine SOA eine massive Investition."

An einem mittel- bis langfristigen Einzug der SOA-Konzepte in die Unternehmen bleibt letztlich kein Zweifel. Das Versprechen bezüglich mehr Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit auf äußere Veränderungen ist zu stark. Außerdem werden die IT-Hersteller nicht müde, auf die Return-On-Investment-Vorteile hinzuweisen.

Bezüglich der ROI-Frage zeichnet sich ein uneinheitliches Bild ab. Zum einen gibt es ROI-Fallbeispiele der Hersteller von ausgewählten Kunden, die eindeutig Positives aufzeigen. Andererseits muss klar gemacht werden, dass eine Architekturänderung zunächst erst einmal keinen direkten Kostenvorteil erkennen lässt. Erst die längerfristigen Vorteile sollten sich dann auch in positive ROI-Berechnungen umsetzen lassen. Kurzfristige ROI-Erfolge durch Service Oriented Architecture (SOA) erscheinen angesichts der damit einhergehenden Komplexitätszunahme eher an anderen begleitenden Maßnahmen festmachbar zu sein.

Die Einführung eines Enterprise Service Bus oder anderweitigen EAI-Tools, um die Applikations-zu-Applikations-Kommunikation zu optimieren, kann als SOA-Projekt dargestellt werden. Damit gehen positive ROI-Berechnungen aus so einem Projekt auch gleichzeitig auf das Konto von SOA, wenn das Projekt auch unter einer SOA-Flagge stand. Das sind aber nur Punktlösungen, die mit einer umfassenden, durchgehenden Umstellung zur Serviceorientierung nur bedingt etwas zu tun haben. Trotzdem sind solche Einstiegspunkte insbesondere auch für die Hersteller wichtig, um Brückenköpfe zu etablieren und schnelle Erfolge zu demonstrieren. Für die internen Projektleiter ist es genauso wichtig, schnell Erfolge vorweisen zu können. SOA ist schließlich kein Selbstzweck. Wenn die Unternehmen die notwendige Flexibilisierung anders aber nicht erreichen können, wird die Einführung einer SOA schließlich zur Überlebensfrage.

Für viele Hersteller ist schließlich der Umstieg auf eine SOA für die eigenen Produkte erst einmal eine massive Investition. Dabei werden nur bedingt neue Funktionen für die Anwender nutzbar. Vielmehr wird "sozusagen unter der Motorhaube" von großen Applikationssystemen der Motor ausgetauscht. Die starre Software-Struktur der Applikationen wird ersetzt (und dabei häufig neu geschrieben), ohne dass zunächst und primär neue Applikationsfunktionen entstehen.