Strategien


Erfahrung von Entscheidern

Social-Tools statt E-Mail sparen 30 Prozent Zeit

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Neun von zehn Entscheider erachten den Nutzen von Social Business als messbar: Mitarbeiter sparen 30 Prozent mit dem Beantworten von Nachrichten, wenn sie Social-Tools statt der E-Mail verwenden. Das geht aus einer Studie von McKinsey hervor.

Ob Social MediaSocial Media ein ernstzunehmendes Thema sei oder nur Hype - darüber lässt sich trefflich diskutieren. Laut der Studie "Evolution of the networked enterprise" von McKinsey können IT-Chefs den Nutzen von Social Media mittlerweile quantifizieren. In der Gesamtbetrachtung kommt McKinsey jedoch zu dem Schluss, es liege noch viel Potenzial brach. Denn Unternehmen veränderten sich zu langsam. Die Studie basiert auf Angaben von rund 3.500 Entscheidern weltweit. Alles zu Social Media auf CIO.de

Das vielleicht greifbarste Ergebnis der Analyse bezieht sich auf die Produktivität. Die Befragten erklären, Mitarbeiter könnten rund 30 Prozent ihrer Arbeitszeit sparen, wenn sie beim Lesen und Bearbeiten von Nachrichten neue Kommunikationstools verwendeten statt der klassischen E-Mail. Auch vom Marketing gibt es handfeste Resultate: Nach Angaben der Befragten ist die Markenbekanntheit durch Social Media-Einsatz im Schnitt um mehr als ein Drittel (36 Prozent) gestiegen.

Ein Blick auf die Antworten zeigt, dass Social Media-Tools noch kein Massenphänomen sind. Am häufigsten arbeiten die Unternehmen mit internetbasierten Videokonferenzen und sozialen Netzwerken, diese Technologien kommen auf 60 beziehungsweise 53 Prozent der Nennungen. Alle anderen ToolsTools bleiben unter der 50-Prozent-Marke. Alles zu Tools auf CIO.de

So setzen je 43 Prozent Blogs und Collaboration-Tools (hier: kollaborative Dokumentenverarbeitung) ein. Fast ebenso viele (41 Prozent) nutzen Video Sharing. Außerdem fragte McKinsey RSS ab (29 Prozent), Wikis (26 Prozent), Mikroblogging und Podcasts (jeweils 25 Prozent) sowie Taggs (20 Prozent).

Neun von zehn Befragten sprechen Social Media Nutzen für das Geschäft zu. Die Studienautoren wollten wissen, wo diese Vorteile liegen. Die häufigsten Antworten beziehen sich aufs Geldsparen: Senkung der Kommunikationskosten (intern 66 Prozent, extern 63 Prozent), Senkung der Reisekosten (55 Prozent), Senkung der Marketingkosten (47 Prozent) und Senkung der Kundenbetreuungskosten (34 Prozent).

McKinsey sieht insbesondere bei der Datenanalyse "noch viel Luft nach oben". Mehr als jeder zweite Befragte (54 Prozent) gibt an, sein Unternehmen verwende Interaktionsdaten von Mitarbeitern, Kunden und Partnern überhaupt nicht. Weitere 42 Prozent wissen nicht, wie ihre Firma das tut. "Der Einsatz von Analysen steckt noch in den Kinderschuhen", schreiben die Studienautoren.

Es fehlt am Willen zur Veränderung

Die Analysten führen den zögerlichen Umgang mit Social-Media-Tools auf eine "weiche" Komponente zurück: mangelnde Veränderungsbereitschaft in den Unternehmen. Sie fordern Entscheider auf, mutiger zu sein. Außerdem sollten sie diese Tools breiter einsetzen, beispielsweise auch in eher kundenfernen Bereichen wie Forschung&Entwicklung, Produktion und Verwaltung.

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Das Zögern der Entscheider mag jedoch auch damit zusammenhängen, dass nach wie vor Sicherheitsbedenken in puncto Social Business bestehen. So gibt mehr als jeder Zweite (55 Prozent) an, vertrauliche Daten könnten nach draußen gelangen. Zusätzlich erwähnen 40 Prozent explizit ihre Sorge um den Schutz des geistigen Eigentums. Ebenso viele fürchten schlicht und einfach, dass die Belegschaft sich zu stark ablenken lässt. Immerhin fast jeder dritte Befragte (30 Prozent) will nicht, dass sich Mitarbeiter in sozialen Netzwerken negativ über das Unternehmen äußern.

Unternehmen könnten aber einen "wahren Datenschatz heben", insistiert McKinsey. Das setze allerdings ein umfassendes Daten-Management voraus. Um aus der Menge an Daten die verwertbaren herauszufiltern, müssten Entscheider folgende Punkte beantworten: Welche Daten für welchen Zweck relevant sind, was Foren und Bewertungsportale hergeben, in welchen Netzwerken sich Marktexperten und Meinungsbildner austauschen und wie sich der Dialog mit ihnen gestalten lässt. Unternehmen sollten mit Datenanalysen smarter umgehen, fordern die Analysten.

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