Allensbach-Umfrage für die Telekom

Sorgen um Daten im "Internet der Dinge"

27. Juli 2015
Unternehmen können ihre vernetzen Geräte aller Art gar nicht laut genug anpreisen. Doch viele Bürger in Deutschland sind zurückhaltend. Sie wollen lieber nicht, dass der Hersteller ihrer vernetzten Heizung weiß, wann sie zu Hause sind.

Menschen in Deutschland stehen Fitnessarmbändern oder vernetzter Haustechnik noch zurückhaltend gegenüber. Viele wollen selbst entscheiden, welche Daten über sie aufgezeichnet und ausgewertet werden, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Deutschen Telekom (PDF-Link) zeigt. Das spielt etwa bei einer vernetzten Heizung eine Rolle, die man per App steuern kann. "Ich möchte nicht, dass registriert wird, wann ich zu Hause bin und wann nicht", befanden 42 Prozent der Befragten. 38 Prozent gaben an, dass sie ihre Heizung selbst einstellen wollen. Ein Viertel hat Sorge, dass die Daten in falsche Hände geraten.

Telekom-Logo vor Regenschirmen (CeBIT-Stand 2014)
Telekom-Logo vor Regenschirmen (CeBIT-Stand 2014)
Foto: Thomas Cloer

Zudem geht die Hälfte der Befragten davon aus, dass die Anschaffung solcher Geräte teuer sei. Auf der Elektronikmesse IFA im vergangenen Jahr berichteten Anbieter von einem zögerlichen Absatz. Sie versprechen, dass sich die Investitionskosten in eine "smarte Heizung" schnell wieder über Einsparungen beim Energieverbrauch bezahlt machen.

Bei Fitnessarmbänder, die Herzschlag oder Blutdruck messen können, zeigt sich ein gespaltenes Bild. Solche Armbänder könnten beispielsweise Daten direkt an einen Arzt schicken. Hersteller von Medizintechnik preisen diesen Punkt: Ärzte könnten automatische Warnungen erhalten, wenn Blutdruck oder Herzschlag von der Norm abweichen. Das sehen der Umfrage zufolge 42 Prozent der Menschen positiv. Doch ebenso viele wollen selbst bestimmen, welche Daten sie ihrem Arzt zeigen. Sie wollen nicht, dass die Daten automatisch an die Arztpraxis übertragen werden. Die Hälfte der Menschen bezweifelt, dass die Messungen überhaupt richtig funktionieren.

Die Werbung von Unternehmen für ihre vernetzte Zukunftsvision zeigt bisher wenig Wirkung. Als "Internet der Dinge" wird die Vernetzung von Alltagsgegenständen angepriesen - doch kaum ein Bürger kann mit diesem Begriff etwas anfangen. 88 Prozent der Befragten gaben an, noch nie davon gehört zu haben.

Auch die Variante "Industrie 4.0Industrie 4.0", die gerne von deutschen Politikern bemüht wird, hörten 82 Prozent der Befragten zum ersten Mal. Selbst von denjenigen, die die Begriffe schon einmal gehört hatten, konnten viele die Bedeutung nicht korrekt oder gar nicht erklären. Alles zu Industrie 4.0 auf CIO.de

Mit dem "Internet der Dinge" ist gemeint, dass immer mehr Geräte mit dem Netz verbunden werden - wie eben Sportarmbänder oder Hausgeräte. Waschmaschine oder Heizung können so über Apps gesteuert werden. Der Begriff meint aber auch, dass Geräte sich mit Hilfe von Sensoren und Informationen aus dem Netz selbst steuern. Dann könnte die Heizung automatisch hochdrehen, wenn der Online-Wetterbericht eine Kaltfront vorhersagt, oder Autos könnten über Stausensoren während der Fahrt die Route anpassen. Von diesen Möglichkeiten haben viele Menschen schon gehört, wie die Umfrage zeigt. Sie verbinden sie aber nicht mit dem Fachbegriff. (dpa/tc)

Links zum Artikel

Kommentare zum Artikel

CAD-Robert

Ich habe einen OMRON-Schrittzähler: Der informiert mich über ein LCD-Display über meine Tages- und Wochenleistung. Warum ich dazu ein SmartPhone und Google, Apple, Microsoft, AOK, BND, NSA, DAK etc. brauchen soll, ist mir echt nicht ganz klar. Der kleine Bursche hält mich auf Trapp und mehr brauche ich nicht.

Wenn ich eine Wartung an der Heizung vornehmen muss, so wird der Laptop damit verbunden und mein Heizungstechniker kann sich aufschalten. Das genügt: Und ich denke, dass ich da gar nicht so alleine bin.

Und zum "alten Wein in neuen Schläuchen", gemeint ist "Industrie 4.0", eine Anmerkung: die deutschen Firmen haben über BDE-Terminals, DNC und CIM ihre Prodktionsmaschinen so gut vernetzt, dass wir nachweislich das schaffen, was niemand für möglich hielt: wir produzieren hier billig in einem "Hochlohnland"! Kein Produktionsmanager könnte ruhig schlafen, wenn ein Auftrag ohne Verifizierung einfach über Nacht gestartet würde. Wenn Hacker einfach mal 200.000 Teile via Internet in die Produktion geben und keiner würde es am Ende abnehmen. Neee, nee: da soll doch noch ein Mensch (Fachmann) drauf schauen. Alleine schon um Fehler zu vermeiden.

WENN wir was brauchen, dann sind es GENORMTE und STABILE Datenaustauschschnittstellen für 1.) Anfrage, 2.)Bestellung, 3.)Bestätigung, 4.)Produktions- Status 5.)Auslieferung 6.)Lieferstatus 7.)Abnahme und "last and most important": 8.)Sichere Bezahlung! Da ist die DATANORM-Schnittstelle eine sehr gute Basis dafür! (https://de.wikipedia.org/wiki/...

Querschlaeger

Auch nach solch einer Umfrage muss die Frage berechtigt sein: Wie kann man sich gegen "IoT" und "Industrie 4.0" wehren? Warum muss ich getrackt werden können? Wer will das alles warum von mir wissen? Wer will mein Unternehmen kontrollieren?

comments powered by Disqus