Reorganisation

Ständige Veränderungen belasten Vertrauen der Mitarbeiter

13. November 2013
Von Kristin Schmidt
Mitarbeiter leiden unter ständiger Reorganisation ihrer Unternehmen. Eine Umfrage unter 286 Fach- und Führungskräften zeigt, was Unternehmen dagegen tun können.
Weil es immer noch schneller, noch besser und noch günstiger gehen muss, heißt es wieder einmal im Unternehmen - umziehen. Wenigen Mitarbeitern gefällt das.
Weil es immer noch schneller, noch besser und noch günstiger gehen muss, heißt es wieder einmal im Unternehmen - umziehen. Wenigen Mitarbeitern gefällt das.
Foto: Fujitsu

Ob neue Produktionsabläufe, die Zusammenlegung von zwei Abteilungen oder Personalabbau im großen Stil - ständig ist Bewegung in deutschen Unternehmen, weil es immer noch schneller, noch besser und noch günstiger gehen muss.

An und für sich verständlich, doch permanente Veränderung wirkt sich auch negativ aus. Das zeigt eine Studie des Instituts für angewandte Innovationsforschung Bochum. Die Forscher haben 286 Änderungsprozesse in Unternehmen untersucht und dazu Fach- und Führungskräfte aus den Firmen befragt und wollten wissen, wie sich solche Reorganisationen auf die Belegschaft auswirken.

Die Ergebnisse sind zweigeteilt. Zum einen seien die Voraussetzungen für den Wandel zwar gut, weil vielen Befragten die Zukunft des Unternehmens am Herzen liege. Das sagen ganze 89 Prozent der Umfrageteilnehmer. Ist die Reorganisation dann aber umgesetzt, kommt es laut Studie zu schwindendem Vertrauen. Etwa ein Drittel der Befragten gaben an, dass Zusagen von der Unternehmensleitung nicht eingehalten wurden. Außerdem verkauften 90 Prozent der Unternehmen die Ergebnisse der Reorganisation im Intranet, in Mitarbeiterzeitschriften oder in Betriebsversammlungen als Erfolg. Die Mitarbeiter sahen das häufig anders. Denn in 54 Prozent der Fälle akzeptierte die Belegschaft die Veränderungen beziehungsweise deren Ergebnisse nicht. Außerdem gaben 43 Prozent der Befragten an, dass sich ihre Identifikation mit dem Arbeitgeber nach den Reorganisationsprozessen verschlechtert habe.

Wollen Unternehmen also erfolgreich Veränderungsprozesse umsetzen, müssen sie ihre Mitarbeiter mitnehmen. "Unternehmen müssen sich bewusst machen, dass Change Management ohne Wertschätzung derjenigen, die den Wandel akzeptieren und mit Leben füllen sollen, nicht tragfähig ist", sagt Bernd Kriegesmann, Vorstand des Instituts für angewandte Innovationsforschung. Gerade in Zeiten, in denen Fach- und Führungskräfte knapp werden und die Unternehmen um die besten Köpfe wetteifern, können sie es sich nicht leisten, dass die Belegschaft das Vertrauen in den eigenen Arbeitgeber verliert.

Das Institut für angewandte Innovationsforschung schlägt deshalb "vertrauensorientiertes Changemanagement" vor. Dabei sollen die Unternehmen unter anderem die Folgen der Veränderung realistisch kommunizieren, das Selbstvertrauen der Betroffenen stärken und keine falschen Sicherheiten vorspiegeln.

(Quelle: Wirtschaftswoche)

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