Bitkom empfiehlt Einzugsermächtigung zu kündigen

Steuermeldung an Finanzamt wird zum Sicherheitsrisiko

29. Dezember 2004
Von Thomas Zeller
Der Branchenverband Bitkom warnt Unternehmen vor der elektronischen Datenübertragung an Finanzämter. Bei dem eingesetzten "Elster"-Verfahren bestünden gravierende Sicherheitslücken, so die Organisation. Dadurch sei es möglich, Steuerdaten fremder Unternehmen ohne technische Hürden zu manipulieren.

Ab dem 1. Januar 2005 müssen Unternehmen Lohnsteuerbescheinigungen, Lohnsteueranmeldungen und Umsatzsteuervoranmeldungen über das Internet an das Finanzamt übermitteln. Dabei kann künftig auch das bisher für die Einkommenssteuer eingesetzte "Elster"-Verfahren im Internet genutzt werden. Der Unterschied dabei: Bei Meldung der Umsatzsteuer via "Elster" müssen sich die Unternehmen nicht authentifizieren.

Elektronische Steuermeldung birgt erhebliche Risiken.
Elektronische Steuermeldung birgt erhebliche Risiken.

Dadurch ist es jedem möglich, die Umsatz- und Lohnsteuer für jedes beliebige Unternehmen anzumelden, sofern er dessen Namen und Steuernummer kennt. Beides muss jedoch auf jeder Rechnung der Unternehmen gedruckt werden und ist somit allen Geschäftspartnern und Kunden bekannt.

So können böswillige Wettbewerber oder Kunden mit wenigen Mausklicks völlig überhöhte Umsatzsteuern oder Lohnsteuern melden. Da die Finanzämter meist Einzugsermächtigungen für die Steuervorauszahlungen besitzen, droht Unternehmen der vorübergehende Verlust von Liquidität. "Bis der Fehler festgestellt und der Betrag rück überwiesen ist, kann es gerade bei mittelständischen Firmen eng werden. Betriebliche Schäden sind nicht ausgeschlossen", warnt die Bitkom-Steuerexpertin Anja Olsok.

Neue Regelung ermöglicht Manipulation der Steuerdaten von Firmen.
Neue Regelung ermöglicht Manipulation der Steuerdaten von Firmen.

Umgekehrt ist es möglich, besonders niedrige Umsätze zu melden – und damit eine Umsatzsteuer-Nachschau zu provozieren. Erst zum Jahresbeginn 2006 wollen die Finanzämter das Verfahren sicher machen: Dann soll geprüft werden, ob der Absender eines Steuerformulars auch zur Steueranmeldung berechtigt ist.

Sichere Verfahren frühestens 2006

Der Einsatz einer digitalen Signatur scheitert bislang an ihrer mangelnden Verbreitung. Zudem sind zahlreiche Finanzämter dafür technisch nicht ausgerüstet. Die Bitkom fordert die Finanzverwaltung auf, sich schneller technisch aufzurüsten und bereits vor 2006 ein sicheres Verfahren für die Steueranmeldung zu starten. Bis dahin empfiehlt Olsok den Unternehmen, den Finanzämtern die Einzugsermächtigungen zu kündigen und die Steuerschuld selbst zu überweisen.