Wettbewerber kritisiert Telekom

Streit um "Deutschland-Routing"

13. November 2013
Im Kielwasser des NSA-Skandals wird die Forderung lauter, Daten aus Deutschland und Europa sollten nicht unnötig durch die Welt reisen. Doch um die Umsetzung des Plans zeichnet sich Streit in der Internet-Branche ab.

Der Vorstoß der Deutschen Telekom für ein System, bei dem innerdeutscher Datenverkehr nicht die Landesgrenzen verlässt, sorgt für Streit mit Wettbewerbern. Insbesondere der Betreiber eines großen Datenaustausch-Knotens vermutet dahinter wirtschaftliche Interessen. Die Telekom weist dies zurück.

Telekom-Chef René Obermann hatte sich diese Woche für ein "Deutschland-Routing" ausgesprochen, bei dem der Austausch von Daten zwischen zwei Punkten in Deutschland innerhalb der nationalen Grenzen bleiben soll. Auf europäischer Ebene könne es ein ähnliches "Schengen-Routing" geben.

"Wir halten dieses Ziel für gut, aber die Pläne der Deutschen Telekom für öffentlichkeitswirksame Augenwischerei und einen Versuch, ihr altes Monopol in Deutschland de facto wieder herzustellen", erklärte am Mittwoch der Geschäftsführer der Plattform DE-CIX, Harald Summa.

Bei dem DE-CIX-Knoten können Netzbetreiber einander den Datenverkehr übergeben. Die Telekom nimmt nicht daran teil. Hier setzt Summa mit seiner Kritik an: "Wenn die Deutsche Telekom ebenfalls Datenverkehr über den DE-CIX austauschen würde, könnten wir gemeinsam als deutsche Unternehmen dafür sorgen, dass ein sehr großer Teil des deutschen Datenverkehrs auch im deutschen Rechtsraum bliebe."

Der Chef der Telekom-Dienstleistungssparte T-Systems, Reinhard Clemens, wies die Kritik zurück. "Wir reden schon seit längerem mit DE-CIX", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Über Ergebnisse wolle er nicht spekulieren. "Beim Schengen-Routing geht es darum, das Vertrauen der Kunden in internetbasierte Dienste zu stärken. Das ist für alle wichtig und hat mit den kommerziellen Interessen einzelner Anbieter nichts zu tun."

Clemens verteidigte die Pläne. "Es geht nicht darum, das Internet abzuschotten", betonte er. Vielmehr sei die Idee mit Navigationsdiensten auf einer Autobahn vergleichbar: "Niemand nimmt einen Umweg über Peking, wenn er von Frankfurt nach München will." (dpa/rs)

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