Projektmanagement


Agile vs. Lean vs. Klassisch

Streit um Projektmanagement-Methoden

20. September 2013
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Agil contra Klassisch contra Lean - Projektmanager stellen diese Begrifflichkeiten in Frage. Sie sollten mit dem planerischen und konzeptionellen Overengineering aufhören, fordern zumindest Einzelne.

Die Deutsche Gesellschaft für ProjektmanagementProjektmanagement beobachtet eine brancheninterne Diskussion um Begrifflichkeiten wie agile Methoden, Lean Management und klassisches Projektmanagement. Tenor dieser Diskussion: die Vertreter der jeweiligen Richtung wollen sich um ihrer selbst willen durchsetzen, statt das konkrete Projekt an vorderster Stelle zu sehen. Alles zu Projektmanagement auf CIO.de

Stefan Hagen schreibt in seinem Blog über Schattenkämpfe und Lagerbildungen. Diese skizziert er so:

  • Klassische Projektmanager: deduktive Planung, phasenorientiertes Vorgehen, Projektziele und Ergebnisse müssen klar definiert und vereinbart sein, Projektstrukturplan und Balkenpläne sind zentrale PM Methoden,

  • Lean Projektmanager: Verschwendung eliminieren, kontinuierliche Verbesserung, Erfahrungsgeleitete Entscheidungen, kürzere Durchlaufzeiten, Führung und Selbststeuerung,

  • Agile Projektmanager: Anwendung agiler Prinzipien, iteratives Vorgehen, kontinuierliche Kommunikation, proaktiver Umgang mit Änderungen, aktive Einbindung des Kunden.

Aus diesen Haltungen entwickelten sich dann Streitereien über die vermeintlich richtige Art, ein Projekt zu managen. Hagen fordert stattdessen einen übergreifenden Austausch von Wissen und Erfahrungen.

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Sein Kollege Reinhard Wagner spricht sich für ein situativ angepasstes Projektmanagement aus. "Das macht natürlich erst mal Mühe, den Projektkontext zu analysieren und Anforderungen für das Projektmanagement abzuleiten", schreibt Wagner.

Übrigens zeigt er sich angesichts der mancherorts gehypten Agilen Methoden skeptisch. Die meisten Protagonisten dieser Spielart seien Berater mit wenig Praxis - oder mit thematisch eng begrenzten Erfahrungen, etwa nur in der Software-Entwicklung. Sein Kollege Günter Bachbauer hält "Agil" ohnehin für eine Teilmenge von "Lean".

Wagners Ansicht nach gibt es weder "klassische" Methoden noch "moderne" - weil sich alle Methoden weiterentwickeln. Im konkreten Anwendungsfall würden die Ansätze ohnehin gemischt. Er fordert denn auch mehr Pluralität im Projektmanagement.

Beide Blogger scheinen mit ihren Beiträgen offene Türen einzurennen. So schreibt ein Nutzer namens Ulrich Nord: "Für meinen Geschmack betreiben wir oft planerisches und konzeptionelles Overengineering, anstatt laufend und quasi evolutionär die Wirksamkeit unseres Managements im Projekt zu prüfen."

Pragmatismus ja - aber keine faulen Kompromisse

Stefan Sack, Principal und Agile Leader bei Capgemini, betrachtet wiederum dies mit Skepsis. Grundsätzlich lehnt er einen pragmatischen Ansatz des Methoden-Mixes nicht ab - so lange das nicht zum faulen Kompromiss gerät. Das Potenzial agiler Methoden werde oft verschenkt, erklärte Sack im Juni in einer Kolumne auf CIO.de.

Ein User namens Holger Zimmermann erklärt auf pm-blog, schon das Denken in "richtig" und "falsch" verhindere sehr häufig den Erfolg von Projekten. Sinnvoller sei die Kombination der methodischen Werkzeuge verschiedener Denkschulen. "Dazu gehört es allerdings, erst einmal zu hören, zu beobachten und zu verstehen", schreibt Zimmermann.

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