Wertbeitrag der IT

Technology Business Management in der Praxis

02. Juni 2016
Dirk Eichberg ist Director bei ISG Germany. Er berät Kunden in EMEA aus den Branchen Banken und Versicherungen, Fertigung, Chemie und Pharmazie sowie IT-Dienstleistung.
Technology Business Management (TBM) ordnet die Kosten und Leistungen von IT-Diensten unmittelbar dem Business zu. Zudem klärt die Management-Disziplin in Echtzeit auf, wie die eingebundenen IT-Assets und Services aktuell performen. Eine solche Transparenz fällt natürlich nicht vom Himmel. Schon gar nicht in Großunternehmen.

Welche technischen und organi­satorischen Hürden in Verbindung mit Technology Business Management (TBM) zu nehmen sind, haben wir im vorherigen Beitrag "So wird der CIO zum Unternehmer" aufgezeigt. Heute wenden wir uns der Praxis der Arbeit zu und erläutern wichtige Fragestel­lungen, bei denen der TBM-Einsatz den Handlungsspielraum der IT-Entscheider spürbar erweitert.

Geschäftsnutzen der IT-Dienste herausarbeiten

Eine der wesentlichsten Aufgaben von TBM liegt darin, den Geschäftsnutzen der bereits implementierten IT-Dienste herauszuarbeiten. Darauf aufbauend wird dargestellt, welche Mehrwerte die eingesetzten Mittel an anderer Stelle im Unternehmen erzielen würden. Grundlage dieser Vergleichsanalyse sind ein­heitliche Kostenmodelle, umfassende Servicekataloge und die fortlaufende Performance-Messung aller Assets, die an den Diensten beteiligt sind.

Um die Brücke zu den Unternehmensabläufen zu schlagen, ordnet TBM die Infra­strukturleistungen den Applikationen und diese Dienste dann den Business-Domänen zu. Auf diese Weise entsteht eine durchgängige Verbindung von der Performance-Messung zu den Geschäftsprozessen.

Ende-zu-Ende-Verknüpfung zeigt Wertbeitrag auf

Dank dieser Ende-zu-Ende-Verknüpfung lässt sich nun unmittelbar im Business-Modell aufzeigen, wie hoch der Wertbeitrag der IT an welchem Punkt der Wertschöpfungskette ist. Dies geschieht unabhängig davon, ob die Leistungen selbst oder von Dienstleistern erbracht werden. TBM führt die IT-Betreiber damit aus der Sackgasse einer Diskussion, im Rahmen derer es ihnen nie wirklich möglich war, den Mehrwert ihrer Leistungen in der Sprache des Business auszudrücken.

Nicht eben wenige Fachbereiche und Controller machten sich diese Sprachlosigkeit zunutze, um die Notwendigkeit von Budgetkürzungen einfach nur noch damit zu begründen, dass IT-Unterstützung in ihrer Branche nun einmal nur den Betrag X pro Umsatz kosten dürfe. Dass derartige Durch­schnittswerte mit den höchst individuellen Qualitätsansprüchen der Fachbereiche eher selten in Einklang zu bringen sind, klammerte diese Pauschalargumentation bewusst aus.

Investitionsmittel freisetzen

Über die Ende-zu-Ende-Darstellung ihrer Leistungen schaffen CIOs eine völlig andere Diskussionsgrundlage. Vorbei ist die Zeit, da sie zum Beispiel mit einem Werksleiter in der Automobilindustrie darüber debattieren mussten, ob ein Giga­byte Speicherleistung statt der bisherigen 29 nicht doch eher 23 Cent pro Monat kosten sollte. Stattdessen findet das Etatgespräch nun nur noch auf der Ebene des IT-Dienstes auf Applikationsebene und im besten Falle auch auf der Ebene der zu produzierenden Güter statt.

Um im Beispiel zu bleiben, also auf der Ebene des einzelnen Fahrzeugs: Das TBM-Office liefert dann konkrete Optimierungs­vorschläge unmittelbar aus der Perspektive des Werksleiters. Beispielsweise erfährt er mit Blick auf die Qualitätssicherung, wie viele Daten pro Fahrzeug in wie vielen Generationen aktuell gesichert werden und welche Kosten dadurch entstehen. Vor dem Hintergrund seiner Risikomanagementziele kann er dann konkret entscheiden, ob er zukünftig nicht auch eine etwas geringere Back-up-Leistung einkaufen kann.