IT-Kennzahlen

Time to Market dauert sieben Wochen

24. Juni 2010
Christoph Witte ist freier Publizist und Kommunikationsberater.
Sieben Wochen braucht die IT im Durchschnitt, um ein Produkt marktreif zu machen - wobei "Time to Market" natürlich von Produkt und Branche abhängt. Doch zwei wichtige Treiber für eine kurze Dauer sind überall gleich.
Kaninchen
Kaninchen

Wie lange dauert eine Schwangerschaft? Kommt darauf an, was dabei herauskommen soll: Ein Mensch braucht 38 Wochen, ein Schwein 16, und ein Kaninchen trägt nur 30 bis 32 Tage. "Time to Market" in der IT ist ähnlich schlecht vergleichbar und trotzdem ein guter Indikator für Innovationskraft. Boydak Management Consulting hat die "T2M" in 60 Unternehmen gemessen und benennt die wichtigsten Einflussgrößen für eine schnelle Entwicklung in der IT.

Grundannahme dabei: Geschwindigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg. "Was nützt es, sechs Monate zu spät mit einem tollen Produkt am Markt zu sein, wenn ein Mitbewerber den Markt längst abgegrast hat?", fragt Selçuk Boydak, Gründer des Schweizer Beratungshauses. Die Time to Market misst, wie lang der Anteil der Produktentwicklung innerhalb der IT dauert. "Somit ist sie ein wichtiger Indikator dafür, wie gut die IT das Geschäft bei dem vielleicht wichtigsten Thema unterstützt: wettbewerbliche Differenzierung durch schnellere Produkt-einführungen", erklärt Boydak.

TIME TO MARKET - so läuft der Hase.
TIME TO MARKET - so läuft der Hase.

Auch für Enrico Lardelli, Mitglied der Geschäftsleitung und CIO von PostFinance, dem fünftgrößten Finanzinstitut der Schweiz, ist der Zeitfaktor für InnovationInnovation eine ausgesprochen wichtige Steuerungsdimension. "Die IT kann beim Top-Management punkten, wenn sie sich daran messen lässt, wie stark sie die Time to Market für ein Produkt oder einen Service verkürzen hilft", so Lardelli. T2M sei als IT-Kennzahl zwar zugegebenermaßen schwieriger zu ermitteln als das Antwortverhalten eines E-Mail-Servers, dafür aber auch sehr viel aussagekräftiger. "Die reinen IT-Kenngrößen werden vom Business nicht verstanden", so Lardelli. "Nur für das Business verständliche und akzeptierte Kennzahlen sind gute Kennzahlen in der IT." Alles zu Innovation auf CIO.de

Zwei Kritierien sind maßgeblich

Eine Analyse von Boydak Consulting bei 60 namhaften europäischen Unternehmen offenbart deutliche Branchenunterschiede beim T2M (siehe Grafik). Boydak hat in seiner Benchmark-Datenbank Cluster über vergleichbare Unternehmen gebildet und kann Spannbreiten für gute und weniger gute T2M-Werte nennen. Die Werte reichen von wenigen Wochen bis hin zu vielen Monaten. Auch wenn nicht alle Unternehmen einer Branche vergleichbar sind, so lässt sich doch klar er-kennen, welche die zwei wichtigsten Treiber für eine gute T2M sind:

  • flexible Architekturen, die durch Einsatz von Standardlösungen und eine gewisse Modularität geprägt sind; sie fördern einen guten T2M-Wert, weil die Einführung von Changes weniger komplex ist;

  • agile Organisationen mit hoher Initiativkraft der Mitarbeiter, kurzen Entscheidungswegen und einer ausgeprägten Innovationskultur, die an harte Wettbewerbsbedingungen gewöhnt sind.