Bildung von Wirtschaftseliten

Top-Manager kommen vorzugsweise aus der Oberschicht

19. November 2007
Von Klaus Werle
Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld ist eine Ausnahme, ebenso Textilkönig Amancio Ortega: beide stammen aus kleinbürgerlichem Milieu. Das Gros der Topvorstände in Europa dagegen kommt aus der Oberschicht. Trotzdem gibt es gravierende nationale Unterschiede, wie eine Studie zeigt.

Dass sich Vorstände und andere Top-Manager überwiegend aus dem bürgerlichen und großbürgerlichen Milieu rekrutieren, ist kein spezifisch deutsches Phänomen. Auch in Spanien und Italien stammen die wirtschaftlichen Eliten größtenteils aus gehobenen sozialen Schichten. Zu diesem Ergebnis kommt der Darmstädter Soziologe Michael Hartmann in seinem neuen Buch "Eliten und Macht in Europa", für das er Herkunft und Karrierewege von Managern und Politikern in Europa untersucht hat.

So stammen aus dem Großbürgertum in Spanien 55 Prozent der ökonomischen Führungsriege (Italien: 51,6 Prozent, Deutschland: 51,7 Prozent), aus dem Bürgertum 30 Prozent (Italien: 16,1 Prozent, Deutschland: 33,3 Prozent).

Aus den Reihen der breiten Bevölkerung kommen in Spanien gerade mal 15 Prozent der Präsidenten der dreißig größten Unternehmen. Top-Manager wie Amancio Ortega, Gründer und Inhaber des drittgrößten Textilkonzerns Inditex , dessen Vater Arbeiter war, haben Exotenstatus - wie hierzulande Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld, Sohn eines zum Betriebsingenieur aufgestiegenen Arbeiters.

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von manager-magazin.de.
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Foto: manager-magazin.de

Einige nationale Besonderheiten gibt es dennoch: So ist etwa der Anteil der Mittelschicht beziehungsweise Arbeiterklasse an den Top-Managern in Italien mit 32,3 Prozent außergewöhnlich hoch. "An der Spitze vieler ehemals oder immer noch öffentlich kontrollierter Unternehmen, vor allem im Finanzsektor, stehen in Italien häufig Manager, die im Kleinbürgermilieu groß geworden sind", erklärt Hartmann.