Kabel Deutschland

Triple Play treibt die IT

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Anfang 2003 hat sich Kabel Deutschland neu erfunden. Zum analogen Kabelfernsehen kamen die digitale Fernseh- und Radioübertragung mit Digitalpaketen, Breitband-Internet und Telefonie. CIO André Wehner erklärt den Weg zum Triple Play.

Nur wenn Kabelkunden Daten auch senden und nicht nur empfangen können, sind Dienste wie Video-on-Demand, Internet- und Telefonnutzung über das Kabel möglich. Diese Erkenntnis zwang den Münchener Kabelnetzbetreiber, das Kabelnetz aufzurüsten – und rückkanalfähig zu machen.

Um sich vom Infrastrukturbetreiber zum Multimedia- Anbieter wandeln zu können, musste das Unternehmen zunächst die Technik auf den Stand bringen: Für die Internet-Nutzung müssen die digitalen Daten nach dem Internet-Protokoll-Standard transportiert werden. Auch die Telefonie baut darauf auf. Für die Übertragung von Sprache hat Kabel Deutschland alle seine Netzknoten mit neuer Kommunikationstechnik aufgerüstet. 809 Kopfstationen, 2220 Hubs, 133500 Verstärker und 2,2 Millionen Splitter hat der Münchener Kabelnetzbetreiber nach und nach auf den neuesten technischen Stand gebracht. Jetzt können die 31400 Kilometer Kabelrohre und 261000 Kilometer Kabel parallel zum analogen Signal auch digitale IP-Signale verarbeiten. Allein diese „Hardware“ kostete Kabel Deutschland seit 2003 jährlich mehr als 100 Millionen Euro – hinzu kamen Investitionen für Voice-over-IP. In den kommenden drei Jahren wird das Unternehmen weitere 500 Millionen Euro in den Ausbau investieren. Ziel ist es, 90 Prozent der 9,6 Millionen Kunden mit Triple-Play versorgen zu können.

Für die Vermarktung der neuen Produkte musste sich das Unternehmen neu auf den Kunden ausrichten. Der Grund: Wenn jeder Kunde sich sein Programmpaket individuell zusammenstellen kann, erwartet er auch individuelle Betreuung vom Call-Center. „Der Kunde kannte früher seinen Kabelnetzprovider überhaupt nicht. Doch das wandelt sich dramatisch, seit wir ihm digitale Programmpakete, Breitband, Internet und Telefonie anbieten können. Das erfordern ein neues System, um Kunden betreuen und verbrauchsabhängige Rechnungen stellen zu können“, sagt der IT-Chef von Kabel Deutschland André Wehner.

Bis Ende Juni 2005 hatte Kabel Deutschland mit drei Billing- Systemen gearbeitet, mit der keine einheitliche Sicht auf den Kunden möglich war. Es gab Kunden der „Netzebene drei“ (regionale Signalverteilung), der „Netzebene vier“ (hausinterne Signalverteilung am Wohnort des Kunden) und für die Internet-Kunden – eine Altlast aus Strukturen der Vorgängerunternehmen, als die Netzregionen noch zur Deutschen Telekom gehörten.

Ad-hoc-Auskunft für alle Anrufer

Die IT bekam deswegen die Aufgabe, ein so genanntes Customer Care & Billing System (CC&B) aufzubauen, um alle bisherigen Abrechnungssysteme in ein neues einheitliches System zu überführen. „Das neue System für etwa 600 Mitarbeiter hatte eine Schlüsselstellung unter all unseren neuen serviceorientierten Projekten“, sagt Kabel-CIO Wehner.

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