Die wöchentliche CIO-Kolumne

Über das merkwürdige Verschwinden von CIOs

10. Dezember 2001
Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Mit dem Niedergang der Internet-Erfolgsgeschichten, den Einsparungen nach dem 11. September und dem Rücktritt von CIOs aus bedeutenden Unternehmen wurde die IT 2001 scheinbar abgewertet.

2001 passierte Merkwürdiges: Zwei CIOs, die auf den Titelblättern vonCIO abgebildet waren, sind nicht mehr im Amt oder wurden in ihrenAufgaben reduziert. Es begann bei der Leseprobe vom Mai 2001. "BabcockBorsigs IT-Vorstand führt den Wandel zum E-Konzern an", lautete dieSchlagzeile. Reformer Rühl spart 200 Millionen", stand in derUnterzeile. Babcock Borsig, international operierenderTechnologie-Konzern in der Energietechnik und im Schiffbau, verkündeteam 12. Juli: "Gisbert Rühl (42) wird dem Vorstandsgremium auf eigenenWunsch nicht mehr angehören; seine Aufgaben werden auf die übrigenVorstandsmitglieder verteilt." Begründung: Die schlankereKonzernstruktur der neuen Babcock Borsig AG müsse sich auch in derVorstandsbesetzung widerspiegeln. Überdies habe sich die Vertretungvon Geschäftsfeldleitern im Holding-Vorstand nicht als praktikabelerwiesen. Was ist die Wahrheit?

Auch Ragnar Nilsson, mit anderen CIOs auf dem Titelbild derOktober-Ausgabe zum Thema "Einfluss der Macher. IT-Champions über ihreRolle im Unternehmen", ist nicht mehr CIO des StraßburgerPharmakonzerns Aventis. Der Vorzeige-Chief-Information-Officer warAnfang Oktober still und heimlich aus seinem Amt entlassen worden. Zuden Gründen gab es wieder nur Spekulationen: "... hat sichentschieden, andere Karrieremöglichkeiten zu verfolgen" ("pursue othercarreer opportunities") hieß es in der Pressemeldung. Hintervorgehaltener Hand wurde getuschelt, der Vorstand habe die Geduldverloren, weil statt konkreter Einsparungen stets nur Ankündigungengekommen seien.

Auf dem November-Titel von CIO haben wir dann vorsichtshalber keinePerson abgebildet. Statt dessen ging es aus seit dem 11. Septembergegebenen Anlass darum, wie sich der IT-Betrieb sicherer machen lässt.Ohne ziemlich gewichtige CIO-Personalien ging jedoch auch dieser Monatnicht vorbei: Chittur Ramakrishnan und Albert Goller mussten beiSiemens ihre Verantwortung für IT beziehungsweise E-Business an denneu gegründeten Zentralbereich Corporate Information and Operations(CIO) unter Friedrich Fröschl, früher Bereichsvorstand SiemensBusiness Services (SBS), abgeben. Ramakrishnan hatte seit mehr alsvier Jahren inoffiziell als Konzern-CIO gegolten, eine Bezeichnung,der Siemens nie widersprochen hatte. Die Veränderungen, die offiziellals "nächste Etappe auf dem Weg zur E-Company" verkauft wurden, sindeine offenkundige Degradierung. Ramakrishnan und Goller berichtetenbisher direkt an den Vorstand, nun läuft der Draht nach oben überFröschl.

Trotz dieser Negativ-Schlagzeilen wird 2002 das Jahr der CIOs werden.Die Gründe von 2001 sind auch im kommenden Jahr weiterhin gültig: ITwird über den Unternehmenserfolg entscheiden. IT-Strategen werden alsDolmetscher zwischen Kaufleuten und Informatikern dringender denn jebenötigt. CIOs sind Ermöglicher von Geschäfts-Visionen.

Übrigens: Den Titel des Dezemberhefts ziert Günter Köster, CIO desTroisdorfer Chemie- und Automotive-Konzerns Dynamit Nobel. Doch keineSorge: Der 46-Jährige erfreut sich hoher Wertschätzung im Amt.

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