Open Innovation

Über die Kunst, Ideen zu finden

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Manchmal reicht schon ein kleiner Stoß, um den Stein ins Rollen zu bringen. Doch das geschieht nicht von allein. Oft sehen Teams, ja ganze Unternehmen den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Über die Kunst, Ideen zu finden.
Über die Kunst, Ideen zu finden.
Foto: 2jenn - Fotolia.com

Von Glück kann reden, wer den entscheidenden Impuls dann von außen bekommt. Viele Unternehmen haben das erkannt. Sie haben deshalb begonnen, ihren Innovationsprozess zu öffnen. "Open InnovationInnovation" lautet der vielversprechende Fachbegriff. Alles zu Innovation auf CIO.de

Warum das Interesse wächst, liegt auf der Hand: In Zeiten globalen Wettbewerbs und immer kürzerer Produktlebenszyklen stehen Firmen vor der Herausforderung, möglichst viele Ideen in immer kleineren Zeitfenstern zu verwirklichen. Sie müssen ihre Innovationsprozesse verbessern und schnell zu vermarktbaren Produkten und Services kommen. Wer hier im eigenen Saft schmort und es versäumt, die Intelligenz von Partnern, Kunden, Wissenschaftlern - oder schlicht die Weisheit der Massen - anzuzapfen, wird zurückfallen. Innovativ zu sein ist Pflicht! Die nötigen Plattformen, um Ideen aufzuspüren, gibt es längst.

Ein Beispiel, wie Ideengeber und Ideensucher zusammenfinden können, liefert die Open-Innovation-Plattform "Innovationskraftwerk", auf der Unternehmen aller Art erfolgreich zum Ideenwettbewerb aufrufen. Sie ist aus der Standortinitiative "Deutschland - Land der Ideen" erwachsen, die seit 2005 von der Bundesregierung zusammen mit der deutschen Wirtschaft unter Federführung des Bundesverbandes der Deutschen IndustrieIndustrie (BDI) vorangetrieben wird. Top-Firmen der Branche Industrie

An der Entwicklung sind die Innovations-Manager namhafter Unternehmen und Forschungseinrichtungen beteiligt, darunter die Technische Universität München, Henkel, die Otto GroupOtto Group, die Deutsche Post, Evonik, Bayer Material Sciences und andere. Im Hintergrund zieht unterstützend die Unternehmensberatung inno-focus aus Berlin die Fäden. Eine Reihe von Beispielen zeigt, was möglich ist, wenn man den Innovationsprozess öffnet und ein bisschen Geld in die Hand nimmt. Top-500-Firmenprofil für Otto Group

Ideen für das Friseurhandwerk

Zu den Unternehmen, die einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben haben, gehörte vor zwei Jahren die auf Haarpflegeprodukte und Friseurbedarf spezialisierte Wella GmbH. Sie lobte Prämien in Höhe von 13.000 Euro aus für diejenigen, die brauchbare Vorschläge für erweiterte und neue Dienstleistungen von Friseuren beisteuern konnten. Insgesamt 100 Ideen erreichten das Innovationskraftwerk, 19 davon wurden mit Prämien belohnt.

Heraus kamen visionäre Vorschläge, deren Umsetzbarkeit Wella inzwischen gründlich geprüft haben wird. Einer der Gewinner regte beispielsweise eine datenbasierte Herangehensweise an das Friseurhandwerk an: Mittels eines Tablet-PC könnten die Hairstylisten Bilder vom Kopf ihres Kunden machen. Zudem sollten sie mit Hilfe eines handelsüblichen Mikroskops einzelne Haare des Kunden analysieren und fotografieren. Auch die Kopfhaut soll begutachtet und abgelichtet werden. Sämtliche Fotos werden anschließend mittels einer Spezialsoftware analysiert. Die gewonnenen Daten sollen dem Friseur helfen, quasi auf Knopfdruck ein Spektrum an mit hoher Wahrscheinlichkeit passenden Frisuren anzubieten.

"Farbe und Form der Frisur legen Kunde und Friseur gemeinsam fest; spielerisch erarbeiten sie am Tablet Variationen. Die Software sorgt dafür, dass dabei etwas herauskommt, das mit dem Haar des Kunden auch wirklich realisierbar ist", heißt es in dem Wettbewerbsbeitrag. Und warum sich das für Wella lohnen könnte, machte der Teilnehmer auch gleich deutlich: Die für Färbung, Dauerwelle oder Pflege zu verwendenden Produkte könnten einer neu zu konzipierenden "Wella Scientific Hare Care Premium Edition" entstammen. Die Software könnten Haarspezialisten von Wella zusammen mit Profis für Bildbearbeitung und CAD entwickeln. Diese Idee war dem Konzern 3000 Euro wert.