Public IT


Bürger in Friedrichshafen testen 6 Monate

Umkämpfte neue De-Mail

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Mit großem Aufwand machten in Berlin das Bundesinnenministerium zusammen mit dem BSI, dem Bitkom, T-Systems, der 1&1 Internet AG und der Generali Versicherungsgruppe Werbung für die "De-Mail". Die Post plant angeblich ein Konkurrenzprodukt.
Das De-Mail-Logo.
Das De-Mail-Logo.

Der Name klingt irgendwie albern: "De-Mail“. Der Werbeslogan dazu lautet: "So einfach wie E-Mail, so sicher wie Papierpost.“ In Friedrichshafen am Bodensee, die zufälligerweise schon "T-City“ der Deutschen Telekom ist, startete kürzlich das De-Mail-Pilotprojekt. Auf dem traditionellen Apfelfest, einem Bauernmarkt, wollten die beteiligten Firmen um Kunden werben. Mit dabei sind die Stadt Friedrichshafen, Cosmos Direkt, Gothaer, HUK24, LVM, IHK Bodensee-Oberschwaben, Deutsche Telekom, EADS, ZF Friedrichshafen, Volksbank, Citibank und die Sparkasse Bodensee.

Der halbjährige Probebetrieb ist für die Kunden am Bodensee kostenlos. Die danach anfallenden Kosten sind noch nicht bekannt. Denn die genauen Preise und Modalitäten soll jeder Anbieter „im freien Wettbewerb um die Kunden“ selbst festlegen. Dabei werde voraussichtlich ein ähnliches Prinzip wie beim Postversand gelten: Der Absender zahlt das Porto; wahrscheinlich, so eine interne Schätzung, ein „unterer zweistelliger Eurocent-Betrag pro De-Mail.“

Den Hintergrund der Einführung bildet die EU-Dienstleistungsrichtlinie, mit ihr wird die Möglichkeit der elektronischen Kommunikation auch für deutsche Behörden zur Pflicht. Die „De-Mail“ soll den Versand und den Erhalt von rechtsverbindlichen, zuverlässigen und vor Veränderungen geschützte E-Mails ermöglichen. Vor allem Unternehmen und die Verwaltung können durch De-Mail viel Geld sparen. Der Versand von Angeboten, Verträgen und Mahnungen per Brief verursacht bisher hohe Port-, Bearbeitungs- und Aufbewahrungskosten. Die Medienbrüche zwischen Elektronik und Papier führten zu Verzögerungen und erhöhten den Aufwand.

„Sie wollen ein Einschreiben versenden? Oder an eine Behörde eine Nachricht übermitteln? Sparen Sie sich lange Wege zur Post: De-Mail übernimmt ab sofort diese Aufgaben für Sie. Immer nachvollziehbar, sicher und zuverlässig“, wirbt GMX auf seiner Anmelde-Seite. Wer volljährig ist und in Friedrichshafen wohnt, kann sich hier jetzt schon anmelden, anschließend muss man sich noch etwa per Postident-Verfahren identifizieren und erhält nun Benutzernamen und Passwort per Briefpost zugeschickt.