Web-Apps vs. proprietäre Apps

Ungewisse Zukunft von HTML5

18. Juli 2011
Thomas Pelkmann ist freier Journalist in Köln.
Experten streiten sich, ob sich HTML als universelle Benutzeroberfläche auch für Smartphones und Tablets durchsetzt. Noch fehlen ausgereifte Browser für HTML5.

HTML5 nähert sich der Fertigstellung. Erst im Mai dieses Jahres erhielt die neue Version der Seitenbeschreibungssprache fürs Web im Entwicklergremium den Status "Last Call", der als Aufforderung dient, wirklich letzte Kommentare zum Entwurf einzureichen, bevor die Version als entgültig veröffentlicht wird.

HTML5 ist für den Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee, nicht weniger als die Neuerfindung vom HTML. In der Tat wirft die Beschreibungssprache lange Schatten voraus, etwa durch das Versprechen, dass für die Darstellung von Audio- und Videodateien sowie für 2D- und 3D-Grafiken keine externen Plugins mehr nötig sein werden. Bisher arbeiten die meisten Webseiten dafür mit Adobe Flash, was zum Beispiel Apple für iPhone und iPad ablehnt, weshalb dort solche Elemente nicht sichtbar sind.

Für HTML5 fehlen ausgereifte Browser.
Für HTML5 fehlen ausgereifte Browser.
Foto: Paul Pirosca - Fotolia.com

Im Kern geht es bei vielen Diskussionen über HTML5 um nichts weniger als die Zukunft von Anwendungen, wie wir sie heute kennen. Bislang arbeiten die meisten Menschen mit einem Desktop-PC oder Notebook und Anwendungen, die fest auf dem Rechner installiert sind. Das Pendant bei mobilen Geräten sind proprietäre Apps, die in der Regel speziell für ein mobiles Betriebssystem angefertigt sind und auf anderen Endgeräten nicht genutzt werden können.

Das Gegenmodell zu diesen proprietären Applikationen sind die sogenannten Web Apps - Anwendungen, die im Browser laufen, aber ihren Code von Servern oder aus virtualisierten Umgebungen beziehen. Für diese Art von Anwendungen könnte HTML5 eine gute Basis sein. Ist die Seitenbeschreibungssprache also der "Heilige Gral" für die Webseiten und Anwendungen der kommenden Generation? Diese leicht übertriebene Fragestellung wählten ausgewiesene Experten von MicrosoftMicrosoft, GoogleGoogle, TwitterTwitter und Flipboard jüngst auf einer Konferenz von Usenix im US-amerikanischen Portland. Sollen Entwickler künftig immer noch proprietäre Client-Anwendungen programmieren, die nur auf speziellen Geräten oder Betriebssystemen laufen? Oder auf der Basis offener Standards wie HTML5? Direkt einfach fällt die Antwort nicht aus. Alles zu Google auf CIO.de Alles zu Microsoft auf CIO.de Alles zu Twitter auf CIO.de