Der Professor als IT-Manager

Universitäten entdecken den CIO

07. August 2007
Riem Sarsam ist IDG-Redakteurin und leitet verantwortlich das CIO Leadership Excellence Program (LEP), eine exklusive Fortbildung für IT-Manager, gemeinsam veranstaltet von CIO und der WHU – Otto Beisheim School of Management .
Immer mehr Hochschulen verabschieden sich vom ihrem hausbackenen Image und rüsten ihre IT-Systeme auf. Eine ganze Reihe hat mittlerweile auch einen CIO oder plant, einen einzusetzen.
Hochschul-CIO: Bedarf ist erkannt.
Hochschul-CIO: Bedarf ist erkannt.

"IT-Management an der Hochschule unterscheidet sich grundsätzlich von dem in Unternehmen", behauptet Arndt Bode, Vizepräsident an der Technischen Universität München und erster Hochschul-CIO Deutschlands. Der Informatikprofessor wurde 2001 für das Amt bestellt und beschäftigt sich seitdem damit, die Services für Forschung, Lehre und Verwaltung zu verbessern. "Ich denke, dass der CIO seine Universität von innen heraus gut kennen muss", sagte Bode im Interview mit dem Internet-Portal Campus-Innovation. "Daher muss er Professor sein oder zumindest gewesen sein." Ein extern gewonnener Dienstleister könne das IT-Management einer Universität nicht erfolgreich umsetzen.

Mehr noch als in Unternehmen hat es der IT-Verantwortliche einer Hochschule mit Menschen zu tun, die in besonderem Maße selbstbewusst und kritisch sind. Bode: "Der CIO kann die Mitglieder nicht regieren."

Diese Erfahrung teilt auch Holger Fischer, Vizepräsident der Universität Hamburg. Dort wurde zum Wintersemester ein neues Campus-Informationsmanagement-System eingeführt. Im Rückblick bedauert Fischer den erheblichen Zeitdruck, dem man sich mit der Einführung des Systems ausgesetzt hatte. Die Zeit, mit den Betroffenen zu reden, war zu knapp. "Ich kann nur raten, zunächst eine intensive Phase zur Beratung der Geschäftsprozesse voranzustellen.“ Wer hat welche Zuständigkeiten und Vollmachten? Wie plane ich die Lehrveranstaltungen? Aus Zeitgründen wurden diese Fragen in Hamburg erst parallel zur technischen Einführung geklärt. "Das hat die Fakultäten überfordert, denn es führt doch zu einigen Diskussionen", berichtet Fischer.

IT für Universitäten unverzichtbar

Unbestritten ist für beide Professoren jedoch, dass die Universitäten immer mehr auf IT angewiesen sind, um die Abläufe in der Verwaltung sowie Forschung und Lehre zu verbessern. Nur mit Hilfe des neuen Systems bewältigen die Hamburger die Anforderungen beispielsweise für die neuen Bachelor-Studiengänge. "Mit dem jetzigen Personal hätten wir das niemals geschafft", sagt Fischer. Allein die zusätzlichen studienbegleitenden Prüfungen, die mit Einführung der Bachelor-Studiengänge auf die Hochschule zukommen, schafften die Mitarbeiter des Prüfungsamtes nur dank der neuen elektronischen Unterstützung.