Datenflut

Unternehmen ertrinken in Informationen

10. Juli 2008
Von Jacqueline Pohl
Gute Business-Daten sind die Basis für schlanke Prozesse und effiziente Arbeit der Mitarbeiter. Was aber, wenn die Daten in unterschiedlichen Anwendungen stecken und im Netzwerk verteilt sind, so dass die Suche danach zu einem signifikanten Teil der täglichen Routine wird?

Die Unternehmensprozesse vieler deutscher Firmen steuern angesichts immer vielfältigerer technischer Medien auf einen Informationsdschungel zu. Schon jetzt verschlingt die Suche nach Informationen in jedem vierten Fall mindestens ein Fünftel der Arbeitszeit der Mitarbeiter. Doch obwohl diese Problematik erkannt wird, ziehen die meisten Firmen keine Konsequenzen daraus. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Erhebung der Living-e AG unter über 300 Mittelstands- und Großunternehmen.

Der Studie zufolge sehen 37 Prozent der befragten Führungskräfte „auf jeden Fall“ die Gefahr, dass sie in dem sehr dynamisch wachsenden Informationsvolumen die Orientierung verlieren. Weitere 29 Prozent sind zwar nicht ganz so pessimistisch, glauben aber schon, dass die Unternehmen mit dieser Problematik „vermutlich“ konfrontiert werden. Relativ klein ist mit 11 Prozent hingegen der Kreis der Firmenmanager, die solche Schwierigkeiten nicht wahrnehmen und auch für die nächste Zeit nicht befürchten. Dagegen verbirgt sich in den Augen eines Viertels der Befragten dahinter längst keine auf die Zukunft gerichtete Frage mehr, sondern für sie ist der Informationsdschungel heute bereits Realität.

Dafür spricht auch der gegenwärtige hohe Zeitaufwand für die Informationssuche. Nach Aussage von fast jedem zweiten Unternehmen verschlingt sie mindestens 15 Prozent der Arbeitszeit, bei 24 Prozent sind es sogar ein Fünftel oder noch mehr. In einer deutlichen Minderheit sind nach der Studie Firmen, in denen für die regelmäßige Informationsrecherche ein vergleichsweise geringer Zeitaufwand entsteht: Nur in jedem fünften Fall wird dafür etwa fünf Prozent oder sogar noch weniger der Arbeitszeit in Anspruch genommen.

Lediglich ein Viertel der befragten Betriebe hat schon Konsequenzen aus der Problematik einer immer schwerer zu kontrollierenden Informationsmenge gezogen. Sie nutzen entweder bereits Lösungen zum besseren Informationsmanagement oder planen deren Einsatz. Beim mehrheitlichen Rest herrscht hingegen Untätigkeit, entweder weil im Unternehmen keine Sensibilität für diese Schwierigkeiten herrscht (31 Prozent) oder sie zwar erkannt, aber daraus noch keine Lösungsszenarien abgeleitet wurden.

Dr. Wolfgang Kemna, Vorstand der Living-e AG, plädiert deshalb dafür, dass in den Unternehmen eine neue Kultur im Umgang mit den technisch generierten Informationen entwickelt werden müsste, um die Arbeitsproduktivität nachhaltig in neue Bahnen zu lenken. Dazu gehöre auch der Einsatz von Methoden und Werkzeugen zum effizienteren Umgang mit Informationen. „Die steigenden Informationsmengen sind eine unabänderliche Tatsache und erst einmal auch nicht zu kritisieren, weil sie vielfach das Resultat von Innovationen oder veränderten technischen Lebensgewohnheiten der Menschen sind“, urteilt der Living-e-Vorstand. „Das Augenmerk muss sich vielmehr der Frage widmen, wie mit intelligenten Lösungen verhindert werden kann, dass wir in Informationen ertrinken.“

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