Cloud Computing


Public Cloud in Deutschland

Unternehmen müssen ihre Vorbehalte abbauen

Matthias Zacher ist Senior Consultant bei IDC.
Die Vorbehalte deutscher Unternehmen und staatlicher Organisationen gegenüber Public-Cloud-Services sind nach wie vor groß. IDC sieht zahlreiche Hemmfaktoren, die die Entwicklung des Marktes bremsen.

Größtmögliche Flexibilität bei der Beschaffung von IT-Ressourcen und eine schnelle Bereitstellung für IT- und geschäftliche Anwendungen zählen nach wie vor zu den wichtigsten Anforderungen deutscher Unternehmen. Das gilt besonders im Hinblick auf die digitale Transformation. In einem immer dynamischeren geschäftlichen Umfeld mit seinen kürzeren Produktzyklen, konjunkturellen Schwankungen und organisatorischen Veränderungen kann die herkömmliche IT in vielen Fällen keine zufriedenstellenden Lösungen mehr bieten.

Sowohl das Management als auch die Fachabteilungen tolerieren dies immer weniger und fordern Lösungen von der IT ein. Ein Weg ist die Nutzung von Public Cloud Services, denn sie versprechen mehr Flexibilität beim Bezug und in der Bereitstellung von IT-Ressourcen.

IT-Abteilungen wollen Kosten senken

Der Kostendruck auf die IT-Abteilungen bleibt ungebrochen hoch, dies gilt ganz besonders für die operativen Kosten. Durch den Wegfall von Investitionen in neue IT-Infrastruktur oder Softwarelizenzen und damit verbundenem Administrationsaufwand werden Ressourcen für Innovationen frei. Das ist für IT-Abteilungen essentiell, da IT-Budgets in vielen Unternehmen kleiner werden - oder bestenfalls stagnieren. Kostenaspekte sind daher gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen ein wesentlicher Motivator für eine zunehmende Nutzung von Public-Cloud-Services.

Trotzdem sind die Vorbehalte deutscher Unternehmen und staatlicher Organisationen gegenüber Public-Cloud-Services nach wie vor groß. IDC sieht vor allem folgende Hemmfaktoren:

Cloud-Sicherheit bleibt eine Basisanforderung

Sicherheitsaspekte nehmen in der Diskussion um Cloud ComputingCloud Computing weiterhin einen zentralen Platz ein. Neben der technischen Sicherheit sind auch organisatorische und Compliance-Fragestellungen relevant. Zudem steigt der Stellenwert von Standards und Zertifizierungen stark. Unternehmen werden Public-Cloud-Services nur dann akzeptieren, wenn End-to-End-Sicherheit zwischen allen beteiligen Vertragspartnern gegeben ist. Aus Sicht von IDC tragen auch die neuen deutschen Rechenzentren großer Cloud-Anbieter zu dieser Entwicklung bei. Sie geben damit zugleich eine Antwort auf die Fragen nach DatenschutzDatenschutz und Datensicherheit. Alles zu Cloud Computing auf CIO.de Alles zu Datenschutz auf CIO.de

Datenstandort Deutschland als Antwort auf besseren Datenschutz

Der Aufbau von Rechenzentren in Deutschland und Europa hat die Akzeptanz von Public-Cloud-Services erhöht. Anwender erwarten von den Cloud-Anbietern umfassende Transparenz hinsichtlich des Managements von Rechenzentren durch globale Services-Organisationen, Backup- und Recovery-Szenarien sowie ihrem Verhalten gegenüber der Rechtsprechung in anderen geografischen Rechtsräumen.

Im Vergleich zu anderen Regionen gelten in der Europäischen Union und in Deutschland deutlich strengere Datenschutzregeln als an anderen Standorten. Entscheidend ist nach wie vor, wo Cloud-Anbieter ihren Unternehmenssitz haben und welche Gesetze dort gelten. Da deutsche Unternehmen besonderen Wert auf Datensicherheit legen, sind technische und fachliche Standards und auditierte Public Cloud Services besonders wichtig.

Integrationsfähigkeit in die gesamte IT-Landschaft ist erforderlich

Eine flexible Nutzung von IT-Ressourcen setzt eine hohe Integrationsfähigkeit aller Lösungselemente und Services voraus. Anwender erwarten immer häufiger Lösungen, die eine hohe Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Anbieter-Ökosystemen ermöglichen. Für die Unternehmen sind deshalb Ansätze wie Entkopplung, Modularisierung, Container oder Microservices hochinteressant. Anbieter sehen sich hier herausgefordert, da die IT-Abteilungen und Service-Provider bei der Unterstützung der Geschäftsmodelle mehr Flexibilität der IT benötigen. Das schließt die Lieferanten und Partner sowohl auf der IT- als auch auf der Prozessebene ein.

Service Level Agreements sind kritisch

In die Diskussion um Service Level ist Bewegung gekommen. Die meisten Public Cloud-Anbieter haben diesen kritischen Hemmfaktor erkannt und reagieren entsprechend darauf. Inzwischen werden immer häufiger Service Level Agreements angeboten. IDC erwartet, dass es zwischen den Public Cloud Services Anbietern zu einem starken Wettbewerb um diesen kritischen Faktor kommen wird.

Netzausbau muss weiter forciert werden

Die Netz- und Telekommunikationsstrukturen sind insbesondere im ländlichen Raum und an der Peripherie der großen Ballungsräume in Deutschland ungenügend. Das ist ein entscheidender Hemmfaktor bei der Digitalisierung der Wirtschaft und somit auch bei der Verbreitung von Public Cloud Services. Der Breitbandausbau hat sich zwar in den vergangenen Jahren insgesamt verbessert. Im Bereich der hohen Bandbreiten gibt es aber noch immer hohen Nachholbedarf.

Fazit

Die Attraktivität von Public-Cloud-Services ist in den vergangenen Monaten stark gewachsen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die Zahl der angebotenen Public Cloud Services wächst kontinuierlich, damit erfüllen sie die Anforderungen der Anwender immer besser. Das gilt sowohl für die Funktionsbreite und -tiefe als auch für den Bezug, die Nutzung und die Abrechnung. Zwar sind sicherheitsrelevante Vorbehalte noch immer vorhanden. Doch sie treten zunehmend in den Hintergrund, weil die Anbieter sich bezüglich der Garantien für die erforderliche ComplianceCompliance flexibler zeigen. Alles zu Compliance auf CIO.de

Die Flexibilität, die Public-Cloud-Services ermöglichen, und das einfache Provisionieren von IT-Services sind als Argumente fast nicht schlagbar. Demnach überrascht es wenig, dass die Umsätze mit Public-Cloud-Services in Deutschland jährlich um durchschnittlich 27 Prozent zulegen werden. IDC erwartet für den deutschen Public-Cloud-Markt bis zum Ende des Prognosezeitraums im Jahr 2019 ein Umsatzvolumen von knapp 7,4 Milliarden Euro.

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