IT führt zurück in Verwaltungssteinzeit

Update führt zum IT-Super-Gau

29. November 2004
Von Thomas Zeller
Ein Software-Upgrade hat zum bisher größten Systemausfall Zeiten bei einer britischen Behörde geführt. Mehr als 80.000 Beschäftigte des "Department for Work and Pensions"(DWP) waren in der vergangene Woche von dem Computer-Crash betroffen. Durch die Probleme erhöhte sich der Druck auf Microsoft und EDS, die das Netzwerk für die Behörde betreiben.

Das DWP war am 22. November dabei ein Routine-Upgrade von Windows aufzuspielen, als das gesamte System kollabierte. In der Folge waren 80 Prozent der 100.000 Rechner der Verwaltung nicht mehr nutzbar. Erst am 26. November konnte der Systemfehler vollständig behoben werden, sagte eine DWP-Sprecherin.

Bei seiner IT-Infrastruktur stützt sich die Behörde auf MicrosoftMicrosoft und das Beratungshaus EDS. Sie betreiben zusammen das Netzwerk im Rahmen eines 3,8 Milliarden US-Dollar umfassenden Outsourcing-Vertrags. Microsoft und EDS wollten die Ereignisse der vergangenen Woche vorerst nicht kommentieren. Der zuständige DWP-Minister, Alan Johnson, kündigte bereits eine interne Untersuchung der Rolle von Microsoft und EDS bei diesem Zwischenfall an. Alles zu Microsoft auf CIO.de

Die Behörde, die in Großbritannien für die Auszahlung von staatlichen Leistungen an 24 Millionen Menschen verantwortlich ist, versuchte die Auswirkungen auf diese Personengruppe herunterzuspielen. Eine Sprecherin verwies darauf, dass die Mainframes von dem Systemausfall nicht betroffen seien. Deshalb werde es nur geringe Verzögerungen bei der Prüfung von Ansprüchen geben.

Bisher wird angenommen, dass der Crash durch die Installation eines inkompatiblen Systems im gesamten Netzwerk verursacht wurde. Als Folge mussten die Angestellten der DWP Faxe verschicken, weil sie keinen Zugriff auf ihre Mail-Accounts erhielten. Zusätzlich mussten sämtliche Zahlungsanweisungen per Hand ausgefüllt werden.

Fehlgeleitete IT

Der Crash der vergangenen Woche ist nur das letzte Ereignis in einer langen Kette von gescheiterten IT-Projekten beim DWP. So kämpft die Kinderabteilung der Behörde (CSA) mit einem 456 Millionen Pfund teuren System von EDS, dass die Auszahlung von staatlichen Leistungen an allein stehende Elternteile gewährleisten soll. Die Software verweigert jedoch sieben von acht Anspruchsberechtigten die Auszahlung. Als Folge erwägt der zuständige Minister die vollständige Abschaltung des Systems. Der bisherige Verantwortliche in der Behörde ist aufgrund der Probleme bereits zurückgetreten.