UPS-Finanzchef Kuehn

UPS investiert 1 Milliarde US-Dollar in Europa

02. Juli 2014
Der US-Logistikkonzern UPS will nach der gescheiterten Übernahme des niederländischen Konkurrenten TNT viel Geld in Europa ausgeben und sich auch in Deutschland engagieren.

"In den nächsten drei bis fünf Jahren wollen wir in Europa eine Milliarde US-Dollar investieren", sagte UPS-Finanzchef Kurt Kuehn der "Süddeutschen Zeitung". Ein Großteil davon fließe nach Deutschland, für UPS einen der stärksten Wachstumsmärkte weltweit. Geplant sei, die Logistik-Kapazitäten auszubauen, also etwa neue Verteilzentren zu eröffnen.

In Europa hatte der Konzern mit weltweit 55 Milliarden US-Dollar Umsatz und fast 400000 Beschäftigten zuletzt einen schweren Rückschlag erlitten. Die Amerikaner boten 5,2 Milliarden Euro für die Übernahme von TNT. Zusammen mit den Niederländern hätten die Amerikaner in Europa die Deutsche Post DHL überholt und wären zur Nummer eins aufgestiegen. Nach monatelanger Hängepartie untersagten jedoch die EU-Wettbewerbshüter den Deal.

Um die Privatkunden in Deutschland wirbt UPS demnächst mit einem neuen Angebot. Dabei müssen sich die Kunden im Internet registrieren und können dann den Weg ihres Pakets nicht nur online verfolgen, sondern selbst auch eingreifen und Zustellort oder -zeit bestimmen. Das Angebot könnte als Alternative zum Paketkasten genutzt werden.

Den Vorstoß der Deutschen Post, einen Paketkasten im Alleingang anzubieten, sieht Kuehn kritisch: "Die Paketboxen in Deutschland sind ein gutes Beispiel dafür, wie die Post ihre Monopolstellung und ihre dominante Marktposition ausnutzt." Besser wäre aus seiner Sicht eine Box, zu der alle Paketdienste Zugang haben. Er hegt sogar Zweifel, ob das Vorgehen der Post überhaupt rechtens ist: "Ob die Paketbox mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar ist, darüber müssen andere entscheiden." Sollte die Deutsche Post nicht einlenken, werde UPS voraussichtlich mit Wettbewerbern eine alternative Paketbox anbieten, die dann allen offenstehen soll - auch der Deutschen Post, sagte er.

Die Deutsche Post bietet ihren Kunden seit Mai Paketkästen an, die sie in ihre Vorgärten stellen können. Kunden, die im Internet bestellen, müssen dann nicht mehr zu Hause bleiben oder Nachbarn verständigen, wenn der Bote kommt - er legt die Päckchen einfach in die Box. Die Bonner wollen bisher aber aus Sicherheits- und Datenschutzgründen nur ihren eigenen Boten Zugang zu den Paketkästen verschaffen. (dpa/rs)

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