Kreativwirtschaft

Urheberrecht muss Chefsache im Kanzleramt werden

07.10.2013
Weg von der "Kostenlos-Kultur": Die deutsche Kreativwirtschaft will ihre Produkte im Internet besser vor illegaler Nutzung schützen lassen. Die Politik habe aber auf Stillstand geschaltet.

Die Kultur- und Medienbranche fordert von der nächsten Bundesregierung ein stärkeres Urheberrecht im Internet. Die bisherige Koalition von Union und FDP sei bei der Durchsetzung der Rechte von Kreativen im Netz enttäuschend gewesen, erklärte die Deutsche Content Allianz am Montag in Berlin. Der Schutz der Leistung etwa von Autoren, Musikern und Produzenten vor illegaler Nutzung müsse in der neuen Regierung Chefsache im Kanzleramt werden, sagte Jürgen Doetz, Vertreter des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT).

Dem Bündnis gehören neben Medien- und Kulturverbänden auch ARD und ZDF an. Nach Angaben der Allianz beschäftigt die Kreativindustrie rund eine Million Menschen und erwirtschaftet jedes Jahr etwa 140 Milliarden Euro. Durch illegale Nutzung werde die Zukunft der Branche aufs Spiel gesetzt. Gegen Missbrauch schlägt das Bündnis unter anderm ein Warnhinweismodell vor. Wer etwa Filme oder Musik im Netz illegal nutze, solle zunächst verwarnt werden und bei weiteren Verstößen mit Strafen rechnen müssen.

Die auf die Internet-Technologie beschränkte "Netzpolitik" sei gescheitert, sagte der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, Dieter Gorny. Notwendig sei, Inhalte und Technik in eine vernünftige Balance zu bringen. Die Allianz lobt zwar Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) - einen "Internet-Minister", wie er teilweise im Gespräch ist, lehnt das Bündnis ab. Erst durch hochwertige Inhalte bekomme das Netz einen praktischen Mehrwert, sagte Gorny.

Der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor sprach sich für eine schnellere Klärung von Rechtefragen zu einzelnen Filmen. Es müsse zum Beispiel einfacher werden, legal Filme ins Netz zu stellen, sagte Marmor, der auch NDR-Intendant ist.

Der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Helmut Heinen, sieht Handlungsbedarf etwa bei Suchmaschinen wie GoogleGoogle. Alle Inhalte müssten gleichwertig behandelt werden. Aggregatoren, die Nachrichten im Netz sammeln, dürften gegenüber Inhalteportalen nicht begünstigt werden. (dpa/rs) Alles zu Google auf CIO.de

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