Deutschland im Vergleich mit anderen Nachzügler

USA bleiben Offshoring-Vorreiter

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Die so genannten Schwellenländer stehen bereit, allen voran Indien: Allein die Vereinigten Staaten werden dieses Jahr 220.000 bis 300.000 IT-Arbeitsplätze in Offshore-Standorte auslagern; die deutschsprachigen Länder im Vergleich bescheidene 7.000 bis 9.000. Das prognostiziert Deutsche Bank Research (DB Research) in einer Studie, die auch eine Bilanz der Entwicklung seit 1999 zieht.
Die IT-Branche in den USA verzeichnete in den vergangenen Jahren ein Plus an gehobenen Jobs.
Die IT-Branche in den USA verzeichnete in den vergangenen Jahren ein Plus an gehobenen Jobs.

Zwischen 1,2 und 1,6 Millionen IT-Arbeitsplätze hat die US-Wirtschaft bisher an Standorte wie Indien oder Philippinen ausgelagert. Europa habe bislang etwa eine halbe Million Jobs an Dienstleister im Ausland vergeben, ein Zehntel davon die deutschsprachigen Länder.

Die Volkswirte der Deutschen Bank stufen den für dieses Jahr prognostizierten Zuwachs in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit einem Prozent der IT-Beschäftigten als gering ein. Die Angst vor dieser Entwicklung wertet die Studie indes als eine Ursache für den Mangel an Informatik-Studenten in der Bundesrepublik - der wiederum zur Klage der IT-Firmen über fehlenden Fachkräfte-Nachwuchs führe.

DB Research versucht, der Sorge vor dem "Job-Killer" Offshoring entgegenzuwirken: mit der These von Wohlfahrtsvorteilen für alle involvierten Volkswirtschaften und einem genauen Blick auf die Entwicklung in die Vorreiter-Wirtschaft jenseits des Atlantik.

Zwischen 1999 und 2005 schrumpfte die IT-Wirtschaft in den USA um gut 200.000 Jobs - neben Offshoring auch bedingt durch technischen Fortschritt, allgemeinen Strukturwandel und den Verlauf der Konjunktur. Während das Segment der gehobenen Tätigkeiten um 333.000 Beschäftigte (15) Prozent wuchs, gingen bei den einfachen Tätigkeiten 571.000 Stellen (32 Prozent) verloren. Hier sanken auch die Reallöhne leicht, während sie für anspruchsvollere Arbeit moderat stiegen.