Interview mit Uwe Jens Neumann, Geschäftsführer HWF Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung mbH | Vorstandsvorsitzender Hamburg@work e.V.

Uwe Jens Neumann

22. Januar 2007

Profil

Mit Hamburg@work vernetzt Uwe Jens Neumann die Akteure von Medien, IT und Telekommunikation (ICT) mit anderen Netzwerken und Branchen. Neben dem Hamburger Business Club unterhält Hamburg@work enge Kooperationen mit dem „media.net berlinbrandenburg e.V.“, dem Verband „Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein e.V.“ und dem „PR-Club Hamburg e.V.“

Innerhalb der zweiköpfigen Geschäftsführung der Hamburgischen Wirtschaftsförderung ist Uwe Jens Neumann alleinverantwortlich für das Clustermanagement der ICT-Branchen und die Landesinitiative Hamburg@work. Über den Verein werden private Unternehmen im Rahmen einer Public-Private-Partnership aktiv und finanziell in den Wirtschaftsförderungsprozess eingebunden.

Uwe Jens Neumann besitzt langfristige Berufs und Managementerfahrung in Vertrieb, Marketing und ProjektmanagementProjektmanagement großer deutscher und internationaler IT- und Telekommunikationsunternehmen. Alles zu Projektmanagement auf CIO.de

Herr Neumann, für alle Nicht-Hanseaten: Was ist, was macht Hamburg@work?

Hamburg@work ist ein Projekt, um den Medien- und IT-Standort Hamburg zu beleben. Die Behörde für Wirtschaft und Arbeit ist ein Träger, ein weiterer ist die Hamburger Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und der dritte ist der Verein Hamburg@work, also der ehemalige Förderkreis Multimedia.

Und was tun Sie in der Praxis?

Wir arbeiten eher als Netzwerkmanager als als klassische Wirtschaftsförderer. Mit Unternehmen, die sich für Hamburg interessieren, reden wir über ihr Geschäft, und zwar intensiv und im Detail. Und dabei stellen wir dar, welche drei oder vier weiteren Firmen es in Hamburg bereits gibt, die für ein Unternehmen, das noch nicht in der Hansestadt vertreten ist, auch interessant sein könnten. Vielleicht, weil sich zum Beispiel eine Kooperation anbietet. Unsere Arbeit ist es, alle Akteure zu identifizieren, die zu unserem Netzwerk passen, und sie zusammen zu führen. Wir kennen die Leute sehr persönlich und wissen was sie machen. Dieses Wissen kann man nutzen, um die Entwicklung von Unternehmens-Clustern, die sich in bestimmten Themen ergänzen und stärken, voran zu bringen.

Wie entsteht dieses Netzwerk, von dem Sie sprechen?

Wir setzen vor allem auf Veranstaltungen. Wir organisieren Facharbeitskreise, Foren, und mitunter auch große, überregionale Kongresse wie die IT-Strategietage. Bei den Veranstaltungen führen wir Menschen zusammen und geben ihnen die Gelegenheit, sich, ihre Arbeit und ihr Unternehmen zu präsentieren. Dafür stellen wir mal kleinere, mal größere Plattformen zur Verfügung, damit sich Fachleute in einem angemessenen Rahmen persönlich austauschen können.

Dass wir die Zusammentreffen von Fachleuten organisieren, wirkt dabei neutralisierend. Wenn ein großer Computerhersteller zu einer Veranstaltung ruft, fürchtet jeder Gast – und das oft zu recht – dass er im Ausgleich für ein paar interessante Informationen intensiv von Vertriebleuten beackert wird. Wenn jemand zu uns mit einer Idee kommt und wir eine Hamburg@work-Veranstaltung daraus machen, ist das nicht nur ein anderes Etikett mit einem schöneren Klang. Vielmehr suchen wir andere Unternehmen aus unserem Netzwerk, die zu dem Thema passen, und sie ergänzen die Veranstaltung. Die Plattform wird dadurch neutraler.

Setzt Hamburg@work auch inhaltliche Akzente?

Ja, wir sind kein reiner Service-Betrieb. Zum Beispiel organisieren wir inzwischen 13 Facharbeitskreise. Einige beschäftigen sich mit allgemeinen Schwerpunkten wie dem Thema Recht, andere mit Spezialthemen wie zum Beispiel dem Digital Imaging. In den Arbeitskreisen tauschen sich die Lenker der kleineren Firmen und die Topfachleute der großen Unternehmen intensiv miteinander aus. Wir beobachten sehr genau, was dort diskutiert wird und welche Themen die Unternehmen bewegen. Im Ergebnis greifen wir auf diese Weise Initiativen aus der Wirtschaft auf. Aus diesen Impulsen von der Basis werden die Themen, die wir für Hamburg in der Öffentlichkeit positionieren.

Welche Themen sind das?

Derzeit haben wir vor allem drei Arbeitsfelder, die wir verfolgen: Hamburg als Mobile City, Hamburg als Web City, in der das Know-how da ist, von den Entwicklungen rund um das Web 2.0 zu profitieren, und Hamburg als Game City. Letzteres ist ein typisches Ergebnis unserer Arbeitsweise. Die Bemühungen, die Computerspielindustrie voran zu bringen und Hamburg als Game City zu positionieren, sind das Ergebnis eines Impulses von unten, von den Unternehmen selbst. Wir hatten ein paar Anfragen von Spielefirmen und dadurch bemerkten wir erst, wie heiß das Thema eigentlich ist. Wir begannen, die hier ansässigen Unternehmen miteinander zu vernetzen und die Erfolge dieser Vernetzung überregional zu kommunizieren. Seit zwei, drei Jahren weiß man nun in der Branche: Wenn du Computerspiele machen willst, muss du nach Hamburg. Andere Standorte haben das Thema Computerspiele sehr viel später entdeckt.

Für Arbeitskreise und Veranstaltungen braucht man Menschen, die sich dort engagieren und für spannende Inhalte sorgen. Wie schaffen Sie es, wichtige Akteure zu einem Engagement zu bewegen?

Es gibt unterschiedliche Typen in den Unternehmen. Der typische Netzwerker überlegt nicht erst, was er davon hat, wenn er irgendwo aktiv wird. Er weiß, dass man sich erst einmal einbringen muss. Er weiß aber auch, dass sich das lohnt und dass irgendwann was zurück kommt. Von diesen Menschen engagieren sich viele bei Hamburg@work.

Aber nicht jeder ist ein geborener Netzwerker, oder?

Sicher nicht. Aber ich denke, auch alle anderen Menschen bringen sich im Grunde gerne ein, wenn der Rahmen stimmt. Es gibt schließlich wenig, was einen fachlich so weiter bringt und so motiviert wie der Austausch mit Kollegen, die ähnliche Themen bewegen. Wenn wir also Vorträge, Messen und Kongresse organisieren, geben wir Menschen die Möglichkeit, die Themen zu präsentieren, die sie bei ihrer praktischen Arbeit beschäftigen, und zu verfolgen, welche Erfahrungen ihre Kollegen machen.

So eine Plattform sollen auch die Hamburger IT-Strategietage sein, die zum fünften Mal statt finden. Welche Themen werden dort vom 15. bis 16. Februar 2007 im Vordergrund stehen?

Unter dem Motto "Die agile IT – Wie sich Transformation und InnovationInnovation realisieren lassen" werden die Themen diskutiert, die für die CIOs derzeit am wichtigsten sind. Jeder IT-Entscheider steht in einem Spannungsfeld zwischen den Aufgaben und Erwartungen, die er mit Hilfe seiner Mitarbeiter und der Technologie, die er managt, erfüllen muss, und dem Budget, das ihm zur Verfügung steht. Also geht es unter anderem um die Frage, wie erfolgreiche IT-Manager ihren Wertbeitrag zum Unternehmen steigern. Wie wird die Rolle des CIO definiert, wie werden seine Leistungen und die der IT dokumentiert, wie werden sie verrechnet? Neben den betriebswirtschaftlichen Themen gehören aber auch technologische Innovationen und ihr Wert für das Geschäft zu der Agenda. Man wird auch viel darüber erfahren, wie die erfolgreichsten CIOs die Flexibilität der IT erhöhen, welche Rolle Virtualisierungstechnologien inzwischen spielen und wie sich IT-Organisationen effizienter managen und betreiben lassen. Alles zu Innovation auf CIO.de

Im letzten Jahr hatten Sie sehr viel mehr Anmeldungen als Kongressplätze zur Verfügung standen. Stehen Sie in diesem Jahr vor einer ähnlichen Entwicklung? Und ziehen Sie daraus Konsequenzen?

Wir haben immer mehr Anmeldungen als wir annehmen können, aber wir machen die Veranstaltung nicht größer. Dafür suchen wir uns die Zielgruppe genauer aus. Wir denken, dass ein gesundes Verhältnis von Anbietern und Nachfragenden enorme Auswirkungen darauf hat, wie attraktiv eine Veranstaltung für die wirklich wichtigen Leute ist. Auf vielen Kongressen trifft man mehr Berater und Softwarehersteller als Anwender. Und die paar Leute, die Aufträge zu vergeben haben, werden in der Kaffeepause von einem Schwarm von Anbietern umringt und haben keine ruhige Minute – schon gar nicht, um sich mit Kollegen auf Augenhöhe auszutauschen. Genau das wollen wir nicht. Deswegen setzen wir weiterhin darauf, dass höchstens 40 Prozent der Anmeldungen, die wir akzeptieren, von Anbietern oder Beratern kommen. Die Anwender müssen auch weiterhin deutlich in der Mehrheit sein.