Schirrmacher und Bode über Web 2.0

Verteufelung bringt nichts

26. März 2010
Von Gerhard Holzwart
Frank Schirrmacher und Thilo Bode gastierten als Keynote-Sprecher im CeBIT Executive Club 2010. Schirrmacher warnte vor einer Selbstausbeutung durch das Web, Bode vor den Mogelpackungen der Nachhaltigkeitsversprechen.
CeBIT Executive Club 2010 in Hannover.
CeBIT Executive Club 2010 in Hannover.

Der "Consumer wird immer mehr zum Prosumer und damit Teil der Wertschöpfung". Mit diesem Statetement begrüßte Messechef Ernst Raue rund 60 Top-IT-Entscheider zur Auftaktveranstaltung des diesjährigen CeBIT Executive Clubs (CEC), die ganz im Zeichen der Themen Social MediaSocial Media und Nachhaltigkeit stand. Alles zu Social Media auf CIO.de

Frank Schirrmacher, Publizist und Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).
Frank Schirrmacher, Publizist und Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Frank Schirrmacher nahm als einer der beiden Keynoter im CEC diesen Ball auf, indem er feststellte: "Die Auseinandersetzung mit dem Web 2.0 sollte kein Betätigungsfeld für Ideologen sein und sie ist auch kein adequater Gegenstand für einen Generationenkonflikt."

Der Publizist und Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) nahm dabei Bezug auf seine jüngste Buchveröffentlichung "Payback" – eine, wie er es formulierte, "kritische Denkschrift", die davor warnt, dass die Menschen im Informationszeitalter die Kontrolle über ihr Denken verlieren könnten. Gesellschaft und Wirtschaft stünden, so Schirrmacher, inmitten der "zweiten Phase der industriellen Revolution, in der es entscheidend darauf ankomme, die kognitiven Fähigkeiten des Menschen den Möglichkeiten der IT neu anzupassen".

So wie in der aufkeimenden industriellen Welt zu Beginn des 20. Jahrhunderts gemäß den Prinzipien arbeitsteiliger Produktionsabläufe des Taylorismus Muskelkraft und Koordination der Bewegungsabläufe von Fabrikarbeitern an den Fließbändern geschult werden mussten, stünden die Menschen in der Web-Society vor der Herausforderung, ihr Wissen nicht mehr nur auf den Erwerb von Fakten zu gründen, sondern stärker denn je auf Kreativität und Geistesgegenwart zu setzen.