Geschäftsprozessoptimierung

Viele Änderungsprojekte scheitern

15. Oktober 2008
Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
30 Prozent der Projekte zur Verbesserung der Geschäftsprozesse werden den Erwartungen nicht gerecht.

Fast ein Drittel (30 Prozent) aller Projekte mit dem Ziel, die Geschäftsprozesse zu verbessern, bringen nicht die erwarteten Vorteile. Dies geht aus einer Studie des IT-Dienstleisters Logica und The Economist Intelligence Unit (EIU) hervor, einer Firmengruppe, in der auch das Wirtschaftsblatt "The Economist" erscheint. Der Umfrage unter 380 Führungskräften von Firmen aus neun europäischen Ländern zufolge geben die Unternehmen etwa zehn Milliarden Euro pro Jahr für Projekte aus, die sich später als ineffektiv erweisen.

Mehr als drei Viertel der Unternehmen investieren zwischen einem und sechs Prozent des Umsatzes in die Verbesserung ihrer Geschäftsprozesse. Rund 66 Prozent verfolgen dabei primär finanzielle Ziele. In Deutschland sind es allerdings nur 48 Prozent. Für die hiesigen Unternehmen ist die Orientierung an Best Practice-Beispielen mit 52 Prozent der Nennungen wichtiger. Auch die "Reaktion auf Veränderungen in der Wettbewerbssituation", die "Verbesserung der Kundenbeziehungen" und eine "Standardisierung auf internationaler Ebene" sind wesentliche Motive. Jeweils 27 Prozent der Befragten gaben einen dieser Gründe an. "Die Motivation für Veränderungen in den Geschäftsprozessen ist hierzulande besonders vielschichtig", fasst Thomas Gläsner, Practise Manager Strategy & Business Transformation bei Logica, zusammen.

Insgesamt gehen deutsche Unternehmen die Verbesserungen anders an als Firmen aus anderen europäischen Ländern. So gelten für Änderungsprojekte hierzulande vor allem Skills in Projekt-Management (91 Prozent) und IT (79 Prozent) als wichtig. "Das sind die klassischen Disziplinen - fast schon preußisch anmutende Tugenden", so Gläsner. Dagegen haben "weiche" Faktoren wie Kommunikation und Training in Deutschland mit 36 Prozent eine wesentlich geringere Bedeutung als im restlichen Europa (56 Prozent). Auch strategische Themen wie Business-Planung und Methoden-Know-how sind für hiesige Manager weniger wichtig als für ihre Kollegen aus den anderen Ländern.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Unternehmen, deren Ebitda (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortisation) in den vergangenen drei Jahren um 20 Prozent oder mehr gestiegen ist, nehmen häufiger überregionale oder bereichsübergreifende Projekte in Angriff und planen vorausschauender. Sie beziehen Kunden und Geschäftspartner in die Planung mit ein und gehen mit ihnen offener um als weniger erfolgreiche Unternehmen. Der wesentliche Unterschied besteht jedoch darin, dass Veränderungen in erfolgreichen Unternehmen meist auf eigenen Projekten mit separatem Budget, getrennt vom Tagesgeschäft, basieren. Laut Logica lassen sich dadurch die Haupthindernisse für erfolgreiche Veränderungen - der Druck durch das Tagesgeschäft (48 Prozent) und der Mangel an Ressourcen (38 Prozent) - umgehen.

Anstoß zur Veränderung von Geschäftsprozessen gaben in den vergangenen drei Jahren die Einführung neuer Techniken, das Outsourcing sowie die überregionale Integration. Zu den künftigen Herausforderungen für Führungskräfte zählen die standortübergreifende Integration sowie die Ausschöpfung der Potenziale bereits angestoßener Projekte wie Shared-Service-Center und Outsourcing.

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