Angriff auf Microsoft

VMware will Betriebssysteme abschaffen

25. November 2010
Von Hartmut  Wiehr
Hypervisoren werden die Aufgaben von Betriebssystemen übernehmen, wenn es nach VMware geht. Microsoft sieht das naturgemäß ganz anders. Experten streiten nur noch darum, ob Virtualisierung die Betriebssysteme ganz verschwinden lässt.
Rüdiger Spies, Analyst bei IDC: "Das bedeutet aber nicht das Ende der Betriebssysteme, da ja nur ein Teilverlagerungsprozess stattfindet."
Rüdiger Spies, Analyst bei IDC: "Das bedeutet aber nicht das Ende der Betriebssysteme, da ja nur ein Teilverlagerungsprozess stattfindet."

So richtig deutlich will es noch keiner sagen, aber die Zeichen mehren sich, dass die beherrschende Rolle der Betriebssysteme, sei es Windows oder Linux, zumindest bei den Intel-Rechnern dahinschwinden könnte. Hypervisoren übernehmen Verwaltungs- und Steuerungsaufgaben, die bisher in der Verantwortung von Betriebssystemen als zentraler Schnittstelle zwischen Hardware und Anwendungen lagen.

Unbestritten sind die Funktionen eines Betriebssystems, die vor allem die Ressourcenzuteilung der Hardware an die Applikationen und das Bereitstellen von Treibern für die Hardwarekomponenten betreffen. Server-Betriebssysteme unterscheiden sich auch dadurch, wie viele solcher Programmteile sie auf Vorrat beziehungsweise für alle Fälle integriert haben - von Linux auf der schmalen bis zu Windows auf der sehr mächtigen Seite.

Eduard Glatz Professor und Buchautor an der ETH Zürich: "Es kann geschehen, dass ein Hersteller von Virtualisierungssoftware einen Linux-Kernel integriert und es als neues Betriebssystem verkauft."
Eduard Glatz Professor und Buchautor an der ETH Zürich: "Es kann geschehen, dass ein Hersteller von Virtualisierungssoftware einen Linux-Kernel integriert und es als neues Betriebssystem verkauft."
Foto: ETH Zürich

Die eher schmalbrüstigen Prozessoren für x86-Rechner haben vor allem seit der Jahrtausendwende wahre Quantensprünge in ihrer Leistungsfähigkeit hingelegt, sodass sie immer näher an die großen Brüder von Unix und Mainframe heranreichen. Für einen einzelnen Server plus Applikation war das viel zu viel und konnte letztlich von keiner noch so ressourcenhungrigen Anwendung für sich allein ausgenutzt werden.

Um diese überschüssige CPU-Leistung abzuschöpfen und gerecht zu verteilen, lag es nahe, Prinzipien aufzugreifen, die bei Unix- und Mainframe-Rechnern schon seit Jahrzehnten Usus waren. Dort gehören Hardware-Partitionierung und Virtualisierung entweder als statische oder als dynamische Zuteilung von CPU oder Arbeitsspeicher zur Standardausrüstung.

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