Gemeinsame App

Vodafone und Secusmart lassen verschlüsselt telefonieren

28. Januar 2015
Die Angst vor der Überwachung beschert Verschlüsselungs-Apps einen Boom. Jetzt haben auch Vodafone und die Sicherheits-Fachleute von Secusmart ihr Programm fertig. Die verschlüsselten Anrufe über die App bleiben auch für Sicherheitsbehörden verborgen.

Der TK-Konzern Vodafone und die Sicherheits-Spezialisten der Firma Secusmart haben ihre App zum verschlüsselten Telefonieren fertiggestellt. Die App richtet sich vor allem an Unternehmen, die ihre Handy-Telefonate gegen Abhöraktionen schützen wollen. "Der Bedarf ist auf jeden Fall da, sowohl bei Großkonzernen als auch im Mittelstand als auch bei kleinen Rechtsanwaltskanzleien", sagte der Geschäftsführer von Secusmart, Hans-Christoph Quelle, der dpa. "Unternehmen erkennen, dass ein hoher Nachholbedarf besteht", bestätigte der Firmenkunden-Chef bei Vodafone Deutschland, Philip Lacor. "Die Nachfrage nach Sicherheit bei unseren Kunden steigt."

Vodafone verschlüsselt mit Secure Call Gespräche von Firmenkunden.
Vodafone verschlüsselt mit Secure Call Gespräche von Firmenkunden.
Foto: Vodafone

Zur Computermesse CeBIT in Hannover soll das Programm für alle Interessenten veröffentlicht werden. Der Dienst kostet 15 Euro pro Nutzer im Monat. Die Gespräche werden dabei über die App geführt und verschlüsselt im Datennetz übertragen. Die Anwendung läuft auch auf Geräten anderer Mobilfunk-Anbieter - aber mindestens ein Telefon im Unternehmen muss einen Vodafone-Vertrag haben, aus Abrechnungsgründen, wie es heißt. Unterstützt werden zunächst Apples iPhones sowie das Google-Betriebssystem AndroidAndroid. Verschlüsselte Gespräche zu Festnetz-Telefonen sind aus der App noch nicht möglich. Die Anwendung wird zunächst nur in Deutschland vermarktet. Alles zu Android auf CIO.de

Die beiden Unternehmen hatten die App "Vodafone Secure Call" (PDF-Link) bereits im vergangenen Jahr auf der CeBIT angekündigt. Man habe versucht, die sichere Lösung möglichst einfach zu gestalten, erklärte Secusmart-Chef Quelle die Entwicklungszeit. "Die Sicherheit darf die gewohnte Nutzung nicht stören", sagte Quelle. Das sei eine Voraussetzung dafür, dass Menschen die Verschlüsselungs-App auch benutzen. "Wir brauchen eine Lösung, die einfach ist."

Zudem müssten die Angebote auch auf Standard-Geräten funktionieren, betonte Lacor. Secusmart sorgt auch für abhörsichere Handy-Gespräche bei der Bundesregierung. Dort wird die Technologie aber in SmartphonesSmartphones des neuen Secusmart-Eigentümers BlackberryBlackberry integriert, die dann deutlich mehr als frei verkaufte Telefone kosten. An einer Version der mit Vodafone entwickelten App auch für Blackberrys wird ebenfalls gearbeitet. Alles zu Blackberry auf CIO.de Alles zu Smartphones auf CIO.de

Die App greift auf die Kontakte im Telefon zu, zudem kann eine Liste sicherer Kontakte in einer separaten Datenbank innerhalb der Anwendung angelegt werden. Der Datendurchsatz bei verschlüsselten Telefonaten über die App liegt bei 10 Kilobit pro Sekunde in eine Richtung und dürfte damit die Begrenzungen der Internet-Flatrates nicht ausreizen.

Verschlüsselungs-Programme erleben seit den Enthüllungen über die ausufernde Internet-Überwachung durch die NSA und andere Geheimdienste einen Boom. Populäre Apps wie WhatsApp bieten jetzt eine Komplett-Verschlüsselung an, andere Anbieter haben ihre eigenen Produkte auf den Markt gebracht.

Einige Politiker wie der britische Premierminister David Cameron forderten bereits, dass Polizei und Geheimdienste auch die verschlüsselte Kommunikation lesen können. Secusmart-Chef Quelle betonte, die neue App habe keine Hintertüren. "Wir verkaufen keine nicht-schusssicheren schusssicheren Westen", sagte er. Die Anwendung sei so aufgebaut, dass auch Vodafone und Secusmart keinen Zugriff auf die Schlüssel zum Sichern der Kommunikation haben. Diese Schlüssel würden nur auf den Handys der einzelnen Nutzer gespeichert. Um Sicherheitsbehörden Zugriff zu geben, wären "massive Änderungen an der Software" nötig, sagte Quelle. (dpa/tc)

Links zum Artikel

Kommentare zum Artikel

comments powered by Disqus