Fast jede zweite Firma will VoIP-Pilotprojekt starten

Voice over IP bedroht UMTS

29. Juni 2004
Von Detlef Scholz
Voice over IP (VoIP), das Telefonieren mit dem Internet-Protokoll, bedroht das Geschäft mit der Sprachtelefonie im neuen UMTS-Netz. Denn die hohen Datenübertragungsraten bei UMTS lassen sich auch für Sprachübertragung via VoIP nutzen. Dies geht aus einer Untersuchung von Mummert Consulting und dem F.A.Z.-Institut hervor.

Die Übertragung von Sprache als Datenpaket - beispielsweise mit einer UMTS-Datenkarte - ist in den meisten Fällen deutlich günstiger als ein Telefonat mit einem Handy. So kostet die Sprachübertragung per UMTS etwa 30 Cent pro Minute. Als Datenpaket gesendet liegt der Minutenpreis dagegen bei rund zwölf Cent. Den Mobilfunkprovidern drohen dadurch Umsatzeinbußen im UMTS-Geschäft von 60 Prozent, schätzt Mummert Consulting.

UMTS-Providern drohen Umsatzeinbußen von 60 Prozent durch VoIP.
UMTS-Providern drohen Umsatzeinbußen von 60 Prozent durch VoIP.

Auch klassische Festnetztelefone werden in immer mehr Unternehmen durch IP-Telefone ersetzt. Durch VoIP können kleine und mittelgroße Unternehmen bis zu 30 Prozent ihrer Fernsprechkosten einsparen. Noch größere Einsparpotenziale ergeben sich für Unternehmen mit einem weit verzweigtem Filialnetz.

Neben den geringeren Übertragungsgebühren trägt vor allem die verwendete Standard-Hardware zu den Einsparungen bei. Technisch besteht längst kein Zwang mehr, Telefon- und Datennetz in einem Unternehmen zu trennen. Daher kann das Telefonnetz beispielsweise vom IT-Support mitbetreut werden. Zudem sinken die Kosten für zeitaufwändige Wartungsarbeiten an den separaten Telefonanlagen. Darüber hinaus kostet eine IP-basierte Fernsprechvorrichtung in der Anschaffung nur etwa halb so viel wie eine klassische Telefonanlage.

VoIP überträgt Daten billiger als UMTS.
VoIP überträgt Daten billiger als UMTS.

Hohe Sprachqualität bei VoIP

Der globale Markt für Datentelefonie hat sich seit dem Jahr 2000 von drei Milliarden auf neun Milliarden US-Dollar verdreifacht. Derzeit nutzen 13 Prozent der deutschen Unternehmen VoIP. 43 Prozent der Unternehmen überlegen, ein Pilotprojekt zur Datentelefonie zu starten. Für 39 Prozent der Fach- und Führungskräfte bei Festnetzbetreibern wird das Thema mittelfristig stark an Bedeutung gewinnen.

Obwohl VoIP auch das Festnetzgeschäft angreift, macht selbst die T-Com, die Festnetztochter der Deutschen Telekom, ihren Unternehmenskunden entsprechende Angebote. Bis zum Jahr 2012 will das Unternehmen die gesamte Sprachtelefonie in Deutschland kostengünstig über Datenleitungen abwickeln. Dabei ist die Sprachqualität - in der Vergangenheit die Achillesferse der IP-Telefonie - heute mit der Qualität eines ISDN-Telefonats vergleichbar. VoIP wird daher in vielen Unternehmen über kurz oder lang den ISDN-Primärmultiplexanschluss ersetzen.

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