Top 10 - Jürgen Burger, Hellmann

Vom Berater zum CIO

26. November 2009
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Der Ex-Accenture-Berater Jürgen Burger dreht ein großes Rad: In sieben Jahren modernisiert er die komplette IT des Logistikers Hellmann.

Er hat Informatik studiert, hat Persönlichkeit und lernte das Handwerk bei einer weltweit tätigen Unternehmensberatung - ideale Voraussetzungen also, um Karriere zu machen. Als Jürgen Burger vor gut fünf Jahren im Karrierezentrum der COMPUTERWOCHE auf der CeBIT souverän, kompetent und engagiert über Jobchancen in der IT-Welt mitdiskutierte, sagte mir mein Bauchgefühl: Aus dem wird noch was.

Jürgen Burger, CIO von Hellmann
Jürgen Burger, CIO von Hellmann

Heute ist er CIO eines weltweit erfolgreichen Logistikunternehmens mit 8900 Mitarbeitern, zu seiner Abteilung selbst gehören rund 250 feste Mitarbeiter. Und obwohl die Krise auch die Logistikbranche ziemlich getroffen hat (Burger: "Wir sind direkt vom Welthandel abhängig") und viele Unternehmen einen zweistelligen Umsatzrückgang hinnehmen mussten, sagt er selbstbewusst: "Hellmann wird der erste breit aufgestellte Logistikanbieter sein, der über eine informationstechnisch vollintegrierte Wertschöpfungskette verfügt." Ermöglichen soll dies das auf sieben Jahre angelegte Projekt "Helios" (Hellmann Information- and Organization System).

Auf Basis einer globalen Marktanalyse entschloss sich der Logistiker 2007, sämtliche Transport- und Logistikanwendungen in einer Informationslandschaft gemeinsam mit den unterstützenden Bereichen wie Human Resource oder Finanzbuchhaltung zu integrieren. Burger hebt hervor, dass sich dieses Projekt "auf die detaillierte und flexible Abbildung von Supply Chains bei den Hellmann-Kunden fokussiert". Besonders wichtig seien ihm dabei "Flexibilität und Datenqualität". Auf Basis von Best-Practice-Prozessen, die bereits mehrfach implementiert wurden, verfolgt das Unternehmen "die Strategie der Simplifizierung der Prozesslandschaft konsequent auf der Basis der 80:20-Regel."

Dabei sei "von fundamentaler Bedeutung", dass eine prozessorientierte, aber vereinfachte Bereichssteuerung etabliert werde, auf deren Basis die Mehrzahl der Geschäftsvorfälle "einfach, schnell und sicher" abgebildet werden kann. Eine Überarbeitung der Management- und Steuerungsstruktur gehe damit einher. Zentraler Punkt sei "die Integration der logischen Unternehmensdaten aus allen produktiven und administrativen Einheiten in ein übergreifendes Modell".

Hellmann hat seine Prozesse auf der Basis von Standardsoftware überarbeitet und nur im Falle gravierender Abweichungen die Software angepasst.

Das Projekt umfasst sechs Phasen, Schluss soll 2015 sein. Phase eins, die im Frühjahr abgeschlossen wurde, umfasste die Überarbeitung der CRM-Prozesse und die Einführung einer weltweiten, einheitlichen Kundendatenbank. Zurzeit läuft die Überarbeitung der Finanz- und HR-Prozesse und damit die Erzeugung eines unternehmensweiten Reportings für diese Anwendungsfelder. Weiter auf dem Programm stehen die Überarbeitung des unternehmensweiten Auftrags-Managements, ein voll ntegriertes Transport-Management für Straße, Luft und See sowie die schrittweise Integration der Lagerlogistik.

Dieses Projekt habe "Leuchtturmcharakter", betont Burger, da so etwas im Markt für Logistiker "bisher nicht existiert". Er weist darauf hin, dass es im Projekt auch um die klassischen IT-Aufgaben wie Konsolidierung, Virtualisierung, Outsourcing von Teilbereichen wie TK sowie eine "komplette Überarbeitung der Skill-Landschaft in eine homogenisierte und schlagkräftigere IT-Einheit mit klar definierten organisatorischen und wissensspezifischen Schnittstellen" geht.

Auch wenn Burger ganz knapp einen Platz auf dem Treppchen verfehlt hat, gefühlt gehört er auf jeden Fall hin, und als kleinen Trost: Die Konkurrenz war dieses Jahr stark, sehr stark.

Jürgen Burger, Hellmann Worldwide Logistics

Position: CIO.

Branche: Logistik (Mitarbeiter: 8900).

Ein CIO ist dann erfolgreich … wenn der Wert des Unternehmens nachhaltig steigt und der Wertbeitrag der Informationssysteme dabei auf Basis eindeutiger Metriken und auf Basis der allgemeinen Meinung im Unternehmen nachweisbar ist.

Er liest gerade … Pascal Bruckner: "Der Schuldkomplex".

Er ärgert sich über … Methodengläubigkeit in IT-Bereichen und fehlendes Wissen in Unternehmen bezüglich Organisationsentwicklung und der "kybernetischen Kräfte" einer Organisation.

Ein Leben ohne Blackberry ist für mich … nicht erstrebenswert - manchmal sind die Dinger ganz nützlich. Man muss sie halt ausschalten können.

Wichtigstes Projekt: Helios (Hellmann Information- and Organization System).

Beschreibung: Integration aller Komponenten der Wertschöpfungskette in einer zentralen Anwendungslandschaft.

Projektbereiche: ERP; CRM; Branchensoftware; Datenqualität/-Management; IT-Architektur; Konsolidierung; Logistik; Anwendungsentwicklung.

Kernprodukte: Oracle E-Business Suite CRM und Customer Data Hub in Phase 1.

Herausforderungen: Nutzung einer einheitlichen und englischsprachigen Software; Reduktion der Anpassungen um 75 Prozent der angeforderten Funktionen; Anpassung mehrerer Legacy-Anwendungen an die zentrale Kundendatenbank.

Zeitrahmen: Projektphase 1 (15 Monate), Gesamtprojekt Helios (7 Jahre).

Projektmitarbeiter: Projektphase 1 (30 Full Time Equivalent), Gesamtprojekt (60 FTE).

Projektbudget: Projektphase 1 (1,65 Millionen Euro), Gesamtprojekt (zirka 50 Millionen Euro).

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