Steile Karriere

Vom Praktikanten zum Geschäftsführer

15. Mai 2015
Karolin Böhm ist freie Autorin im München.
Dirk Czepluch hat sich vom Werkstudenten zum Chief Technical Officer hochgearbeitet. Welche Eigenschaften für einen so steilen Karriereweg nötig sind, verrät er hier.

Offen für Neues sein, Neugierde auch auf Unbekanntes entwickeln und begeisterungsfähig bleiben: Ganz nach dieser Maxime handelte Dirk Czepluch in seiner bisherigen beruflichen Laufbahn - und das mit Erfolg. Bereits während seiner Studienzeit lernte der heute 33-jährige seinen damaligen Arbeitgeber, den Elektrotechnikkonzern Rohde & Schwarz kennen. Er durchlief zielstrebig eine Fachkarriere und wechselte zehn Jahre später als Geschäftsführer und Chief Technical Officer (CTO) in die Tochtergesellschaft Ipoque GmbH nach Leipzig. Heute verantwortet er den gesamten Bereich der Produktentwicklung und führt ein rund 80-köpfiges Team aus Spezialisten für IP-Klassifizierungen und Netzwerkanalyse.

Es ist keine Seltenheit, dass am Anfang der Karriereleiter eine Tätigkeit als Werkstudent steht.
Es ist keine Seltenheit, dass am Anfang der Karriereleiter eine Tätigkeit als Werkstudent steht.
Foto: Serg Nvns - Fotolia.com

Gelungene Karrieren gibt es viele. Doch was vereint alle, die diesen Weg gegangen sind? Es sind Engagement, Leidenschaft, Durchhaltevermögen und der Mut, neue Herausforderungen anzunehmen und den nächsten Schritt zu wagen. Auch Czepluch weist diese Eigenschaften auf. Auf die Frage, was ihn in seiner KarriereKarriere beflügelt, antwortet er: "Meine größte Motivation ist es, in einem kreativen und innovativen Umfeld zu arbeiten und technische Entwicklungen voranzutreiben." Alles zu Karriere auf CIO.de

Der Leidenschaft folgen

Czepluch war schon immer technikbegeistert. So entschied er sich nach seinem Schulabschluss für den interdisziplinär ausgerichteten Diplomstudiengang Informations- und Systemtechnik an der TU Dresden. Zurückblickend, so der CTO, genau die richtige Studienwahl, denn noch heute setze er in seinem Job genau das Wissen ein, dass er sich während des Studiums angeeignet habe.

Schon im Laufe seiner Studienzeit kreuzte sich sein Weg mit dem Münchner Weltmarktführer für Messtechnik. Eine Studienexkursion führte ihn zu den unterschiedlichsten Unternehmen aus der Branche - so auch zu Rohde & Schwarz. Vom ersten Moment an habe ihn das Herzblut und die Begeisterung der Ingenieure in Sachen Technik und Produkte beeindruckt, erinnert sich Czepluch. Diese Leidenschaft für technische Lösungen sei es gewesen, weshalb er sich in München beworben habe.

Als Werkstudent reinschnuppern

Der gebürtige Dessauer begann 2004 als Praktikant und durchlief dann eine typische Studentenkarriere. Nach einer dreimonatigen Werkstudententätigkeit im Bereich Messtechnik erstellte er seine Diplomarbeit in Zusammenarbeit mit Rohde & Schwarz. "Für mich war es absolut faszinierend, dass aus meinem Thema ein richtiges Projekt gemacht wurde", schwärmt Czepluch. Seine Arbeit überzeugte. Direkt nach dem Studium stieg er als Entwicklungsingenieur im Bereich Messtechnik bei Rohde & Schwarz ein.

Dirk Czepluch: "Das Wichtigste ist Leidenschaft für technische Themen und Neugier, auch mal über den Tellerrand zu schauen."
Dirk Czepluch: "Das Wichtigste ist Leidenschaft für technische Themen und Neugier, auch mal über den Tellerrand zu schauen."
Foto: ipoque GmbH

Es gebe zahlreiche Möglichkeiten wie zum Beispiel Praktika, Abschlussarbeiten oder Aktionen wie den jährlichen Fallstudienwettbewerb bei Rohde & Schwarz, damit Studenten bereits während eines Studiums ein Unternehmen kennenlernen. Auf diese Weise, so Czepluch, können wertvolle Kontakte und Praxiserfahrungen gewonnen und die persönlichen sowie fachlichen Fähigkeiten ausgebaut werden. Auch er habe bei seinem Einstieg sehr davon profitiert, sowohl das Unternehmen mit seine Strukturen als auch einige Mitarbeiter bereits gekannt zu haben.

Das richtige Umfeld schafft Weiterentwicklung

Als festangestellter Ingenieur übernahm Czepluch 2007 im Bereich Funküberwachungs- und -ortungstechnik zunächst eine Teilprojektleiterrolle. Ein Jahr später stieg er zum Projektleiter auf, verantwortete die komplette Systemintegration und arbeitete an Kundenprojekten mit. "Dann ging es richtig schnell. Ich wurde Gesamtprojektleiter und 2013 Laborleiter", berichtet Czepluch von seinem Werdegang.

Als Laborleiter stand er bereits damals an der Schnittstelle zwischen Rohde & Schwarz und der Ipoque GmbH, der Tochtergesellschaft aus Leipzig, einem international renommierten Unternehmen in den Geschäftsfeldern Internet-Traffic-Classification und Netzwerk-Monitoring. Weitere Anforderungen folgten: "Zu meinen neuen Aufgaben zählten insbesondere die Koordination der Entwicklungsaufgaben zwischen den jeweiligen Projektteams und der Standortaufbau für Softwareentwicklung in dänischen Aalborg."

Als sich die Ipoque GmbH im Zuge der Geschäftsfelderweiterung und Entwicklung eines gesamtheitlichen Produktspektrums im Bereich Network Intelligence neu aufstellte, ergab sich für Czepluch die Chance. Er wechselte 2014 als Geschäftsführer von der Mutter- zur Tochtergesellschaft. "In meiner neuen Position verantworte ich die gesamte Produktentwicklung, das heißt das Produkt-Management, die Entwicklung sowie die Qualitätssicherung.

Dabei führe ich ein Team von Laborleitern, die wiederum eigene Projektteams leiten. Vereinfacht gesagt, besteht meine Aufgabe darin, die Summe aller Projekte zu koordinieren und darauf zu achten, dass diese aufeinander abgestimmt sind und unseren Kundenanforderungen entsprechen." Sein internationales Team besteht aus rund 80 Mitarbeitern, darunter Informatiker und Spezialisten für Embedded-Systeme, aber auch Elektro- und Kommunikationstechniker sowie Physiker und Mathematiker.

Gespür für Kunden, Kollegen und Trends

An seinem Beruf schätzt Czepluch, dass es keinen typischen Arbeitsalltag gibt: "Das bringt in erster Linie die Produktentwicklung mit sich, denn ich konzentriere mich auf viele unterschiedliche Details. Wie können wir unseren Kunden einen echten Mehrwert bieten? Wie müssen die zukünftigen Produkte aussehen oder an die Bedürfnisse im Markt angepasst werden? Welche Technologien stehen uns zur Verfügung, um unsere Produkte zu Leading-Edge-Produkten zu machen?"

Trotz zahlreicher Management-Aufgaben arbeitet Czepluch immer noch auf operativer Ebene mit seinen Kollegen zusammen. Dabei entwickelte er ein Gespür für seine Kollegen und eine effektive Zusammensetzung seines Teams: "Dies trägt schließlich zu guten Ergebnissen bei." Auch bei seinen Kunden ist er geschätzter Gesprächspartner, diskutiert neue technische Trends und Lösungen: "Diese Gespräche finde ich immer besonders spannend. Schließlich geht es in meinem Job darum, immer die Fühler am Markt ausgestreckt zu halten und zu sehen, wo die Reise hingeht."

Geheimrezept für den Karrieresprung

Czepluch hat gezeigt, dass der berufliche Weg vom Praktikanten zum Geschäftsführer kein unmöglicher ist. Fragt man ihn, wie eine Karriere auf der Überholspur gelingt, antwortet er: "Das Wichtigste ist Leidenschaft für technische Themen und Neugier, auch mal über den Tellerrand zu schauen." Es lohne sich immer, andere Perspektiven einzunehmen und sich auszutauschen, um das Gesamtbild zu verstehen.

Ebenso wichtig sei es, vorausschauend und eigenverantwortlich zu arbeiten und sich eine wirtschaftliche Denkweise anzueignen. Nicht zuletzt seien Offenheit und Kommunikationsfähigkeit zwei wichtige Eigenschaften. Einzelkämpfer seien heute nicht mehr gefragt. Wem es zudem gelinge, den Überblick zu behalten und sich in seiner Branche auf dem Laufenden zu halten, der habe ebenfalls gute Karten. Letztendlich, so Czepluch, sei Stillstand ein "No-Go" wenn es darum gehe, sich eigeninitiativ fachlich und persönlich weiterzubilden und Engagement im Job zu zeigen. (pg)