Recruiting via PC

Vom Roboter eingestellt

29. Januar 2014
Von Constantin Gillies
Einige Konzerne testen die komplett elektronifizierte Rekrutierung - mit gutem Erfolg, wie sie behaupten. Kritiker warnen allerdings vor einer vollständigen Maschinenhörigkeit.

Sind Sie in einem oder zwei sozialen Netzwerken aktiv? Gut. Weniger gut wäre, wenn Sie sich bei vier oder mehr registriert hätten. Dann bekämen Sie den Job nicht - jedenfalls nicht bei Xerox. Der Druckerhersteller nutzt eine neue Methode, um Bewerber für seine Call-Center auszuwählen. Sie wurde streng logisch entwickelt: Personaler sahen zunächst in den Akten nach, welche Mitarbeiter die längste Unternehmenszugehörigkeit aufwiesen.

Mittels Statistikprogrammen ermittelten sie dann, was die treuen Mitarbeiter gemeinsam haben: Die meisten wohnten beispielsweise in der Nähe ihrer Arbeitsstelle, brachten wenig Berufserfahrung mit - und nutzten soziale NetzwerkeNetzwerke nur in Maßen. Zwei Accounts sind gut, mehr deuten auf einen Job-Hopper hin. Genau nach solchen Kriterien entscheidet Xerox nun: Die Bewerber müssen einen Online-Test absolvieren, in dem die gewünschten Eigenschaften abgefragt werden. Am Schluss entscheidet ein Analyseprogramm, ob der Kandidat eingestellt werden soll. Der Personaler muss nur noch auf Okay klicken. Alles zu Netzwerke auf CIO.de

Recruiting per Roboter? Ist heute alles schon machbar, erste Firmen berichten von ihren Erfahrungen.
Recruiting per Roboter? Ist heute alles schon machbar, erste Firmen berichten von ihren Erfahrungen.
Foto: Santiago Cornejo - Fotolia.com

So wie Xerox gehen immer mehr Firmen vor: Sie vertrauen bei der Rekrutierung nicht mehr ihrem Bauchgefühl, sondern dem Rechner. Big DataBig Data ist das Zauberwort: Man gräbt in den wachsenden Datenbergen nach Erfolgsmustern - und wendet sie einfach immer wieder an. In der Personalbeschaffung kann das funktionieren: Was zeichnet die besten Mitarbeiter aus? Wo haben sie studiert? Wie sieht ihr Werdegang aus? Daraus lässt sich das Profil des optimalen Mitarbeiters ableiten. Alles zu Big Data auf CIO.de

Mit einem Online-Test kann nun ermittelt werden, wie nahe Bewerber dem Wunschprofil kommen. "So steigen die Qualität der Neueinstellungen und die durchschnittliche Beschäftigungsdauer kräftig", freut sich Stefan Berger, Experte bei der IBM-Tochterfirma Kenexa, die auf die Bewerberauswahl via Datenanalyse spezialisiert ist. "Von 1000 Kandidaten bleiben 50 übrig, die alle eingestellt werden können", sagt Berger. Früher, als Personaler noch per Hand aussiebten, sei die Trefferquote viel niedriger gewesen.

Stefan Berger ist Experte bei der IBM-Tochterfirma Kenexa, die auf die Bewerberauswahl via Datenanalyse spezialisiert ist. Er meint: "Die Qualität der Neueinstellungen steigt."
Stefan Berger ist Experte bei der IBM-Tochterfirma Kenexa, die auf die Bewerberauswahl via Datenanalyse spezialisiert ist. Er meint: "Die Qualität der Neueinstellungen steigt."
Foto: Privat

Computer gerechter als Menschen

Willkommen in der Welt der Roboter-Rekrutierung! So nennen Spötter die neue Art der Personalgewinnung schon. Den neuen Job vergibt nicht der Personaler, sondern ein Algorithmus. Das klingt nach kalter Maschinenmacht, doch Tatsache ist, dass Computer oft gerechter urteilen als Menschen. In vielen Firmen werden Kandidaten zum Beispiel sofort abgelehnt, wenn sie eine kriminelle Vergangenheit haben. Entscheidet dagegen die Software, bekommen auch die schwarzen Schafe eine Chance. Statistiken aus der Call-Center-Branche zeigen, dass solche Mitarbeiter im Schnitt sogar etwas bessere Leistung bringen als Kollegen mit makellosem Lebenslauf. Das Gleiche gilt für Menschen, die in der Vergangenheit oft die Arbeitsstelle gewechselt haben. Personaler sortieren solche Job-Hopper gerne aus - der Rechner nicht unbedingt. Per Datenanalyse lässt sich die Kündigungswahrscheinlichkeit errechnen.