Tatort Büroküche

Von Essensdieben und Kaffeeschmarotzern

04. August 2015
Susanne Köppler ist freie Autorin in München.
Wer kennt das nicht? Man bringt sich morgens sein Mittagessen abgepackt und mit Namen beschriftet von zu Hause in die Firma mit, doch ehe man sich versieht, ist das liebevoll zubereitete Gericht mittags nicht mehr da. Der Magen knurrt vor Hunger, der Kopf qualmt vor Wut – schon wieder ein Essensdieb.

Immer wenn Menschen aufeinander treffen dauert es nicht lange, bis es zu Reibereien kommt. Häufig sind es Kleinigkeiten, die das Miteinander erschweren - besonders, wenn alle Beteiligten unterschiedlich ticken. Gerade in Firmen treffen unterschiedliche Charaktere mit verschiedenen Angewohnheiten aufeinander und müssen miteinander klar kommen. Einige davon können den Bürofrieden massiv stören - insbesondere in Räumlichkeiten, die zwar alle benutzen, aber für die keiner explizit verantwortlich ist, wie die Büroküche. Benutzer von Büroküchen lassen sich in folgende Typen kategorisieren:

Der Jenga-Spieler

Jenga ist ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem das Ziel darin besteht, einen Turm so hoch wie möglich aufzustapeln. Spaß für die ganze Familie, doch im Büro hat dieses Spiel nichts zu suchen. Und schon gar nicht in der Büroküche. Trotzdem trifft man den Jenga-Spieler - oder zumindest das, was er produziert - häufig in der Büroküche in Form eines überlaufenden Mülleimers an. Dort wird gedrückt und gestapelt, was der Eimer aushält.

Die Regeln hierbei scheinen eine gewisse Ähnlichkeit mit denen des Spiels zu haben: Solange der Turm steht, ist der Mülleimer noch nicht voll. Sollte das Gebilde aus Kartons und Kaffeefiltern jedoch umfallen, hat derjenige verloren, der es zuletzt berührt hat - und muss den Mülleimer leeren.

Der Nicht-Abspüler

Würde jeder Kollege sein Geschirr nach Gebrauch selbst abspülen, gäbe es nie das Problem, dass am Nachmittag keine Kaffeetassen oder -löffel mehr vorhanden sind. Dem ist jedoch leider nicht immer so. Häufig kommt es vor, dass sich dreckige Tassen, Teller und Schüsseln auf der Arbeitsfläche stapeln, so dass kaum mehr Platz bleibt, um sich ein Brot zu schmieren. Dieses Vorhaben wird außerdem dadurch erschwert, dass das Schneidebrett zunächst einmal abgespült werden muss.

Dreckiges Geschirr wird häufig einfach in der Büroküche abgestellt.
Dreckiges Geschirr wird häufig einfach in der Büroküche abgestellt.
Foto: Nika Art - shuttertsock.com

Dem Typus des Nicht-Abspülers kann in den seltensten Fällen mit einer Spülmaschine Einhalt geboten werden, denn sogar Öffnen und Hineinstellen scheinen für ihn bereits eine unüberwindbare Hürde darzustellen. Hier bleibt einem meist nichts anderes übrig, als es selbst zu erledigen.