Mit Laptop ins Kundengespräch

Vor Ort überzeugen

Reppesgaard studierte in Hannover und arbeitete danach als Reporter und Moderator bei Hörfunk von Radio Bremen zu innen- und jugendpolitischen Themen und in den Bereichen Technologie und Wissenschaft. Seit dem Jahr 2000 lebt er in Hamburg, seit 2001 arbeitet er mit Christoph Lixenfeld im druckreif Redaktionsbüro zusammen.
Die Finanzdienstleister erschließen zunehmend ihren wichtigsten Schatz: die Kundendaten. Ihr Ziel ist es, damit die Berater an der Front besser denn je zu unterstützen.

Für Ralf Schmid ist klar, wo heute die Prioritäten seiner Arbeit liegen, wenn es um die IT geht. „Während wir vor einigen Jahren die technische Unterstützung der Verwaltungssysteme als unsere wichtigste Hauptaufgabe definieren konnten, liegt heute die größte Herausforderung am Front-End“, sagt der COO des Finanzdienstleisters MLP in Heidelberg.

Die Aussichten für die Branchen sind nicht schlecht. Mit dem Rückzug des Staates aus Bereichen wie der Altersvorsorge steigt der Bedarf an privaten Finanzdienstleistungen. Gleichzeitig werden die Finanzprodukte, aber auch die gesetzlichen Regelungen, die vor, während und nach den Abschlüssen der Verträge zu beachten sind, immer komplizierter – weswegen die Berater Unterstützung aus dem Laptop brauchen. Die Mitarbeiter beim Kundengespräch mit kluger Finanzsoftware zu unterstützen, ist die vordringlichste Aufgabe für MLP, das rund 2500 Berater an die Kundenfront schickt. Beim Mitbewerber AWD aus Hannover berechnen sogar mehr als 6000 Vertriebsmitarbeiter an ihren Tablet-PCs mit Hilfe von selbst entwickelten Anwendungen wie SitLap („Situative Lebensabschnittsplanung“) und PFS („Private-Finanz-Strategie“) Finanzierungsszenarien.

Vermögensszenarien am Bildschirm

Mit den alten, auf dem Kalkulationsprogramm Excel basierenden Anwendungen, die ermittelten,wie viel Privatrente man mit 65 bekommt, hat die neue Generation von Beratungsanwendungen wie „MLP Finanzmanagement“ nicht mehr viel gemein. Die Kunden haben in der Regel Geld übrig und wollen ihr Vermögen optimieren. Sie erwarten, dass ihnen mehrere Alternativen aufgezeigt werden, wie das Geld arbeiten soll. Die Berater spielen am Bildschirm detaillierte Szenarien dynamisch durch und demonstrieren, wie die Liquiditätsströme in jeder Lebensphase aussehen,wenn man sich für Lösung A entscheidet und wenn sie Lösung B ablöst.

Diese Berechnungen sind enorm komplex. Beispiel Altersvorsorge: Das Alterseinkünftegesetz (AltEinkG) hat dafür gesorgt, dass Einkünfte,Gehälter, Beiträge und Zuschüsse zum Teil als Brutto-, zum Teil als Nettobeträge und zudem in allen Lebensphasen nach unterschiedlichen Faktoren kalkuliert in die Rentenrechnungen einfließen. Zuschüsse aus der betrieblichen Altersvorsorge werden anders eingerechnet als die Beträge, die der Staat zur Riester-Rente dazu gibt. „Die Beratungsapplikationen sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken“, sagt Schmid.„Mit Bleistift, Papier und Taschenrechner allein kriegen Sie das nicht mehr hin.“

Am Front-End gibt es zu den spezialisierten Eigenentwicklungen keine Alternative. Anderswo setzt die Branche auf Standardtechnologie. In den Verwaltungs- und Back-Office-Bereichen nutzt AWD Navision. MLP bindet sich derzeit immer stärker an SAPSAP und baut das Modulportfolio aus. Alles zu SAP auf CIO.de