IT-Tools für die Balanced Scorecard

Vorfahrt für Spezialwerkzeuge

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Die Ergebnisse einer aktuellen Studie zum Thema Balanced Scorecard sprechen für die Einführung der Managementmethode. Noch im Argen liegt jedoch die IT-technische Umsetzung des Konzepts. Trotz zahlreicher verfügbarer Tools verwenden über 70 Prozent der Befragten immer noch Excel-Lösungen, doch nur elf Prozent sind damit "sehr zufrieden".

Immer mehr Unternehmen setzen Balanced-Scorecard (BSC)-Lösungen ein. In den letzten zehn Jahren hat sich das strategieorientierte Zielsystem weltweit etabliert. Über ein Viertel der DAX-100-Unternehmen nutzen die Ba-lanced Scorecard. Nicht ohne Grund: Unternehmen, die mit der BSC arbeiten, sind nach eigenen Angaben erfolgreicher als ihre Wettbewerber, so das Ergebnis der dritten Studie der Stuttgarter BSC-Spezialisten Horváth & Partners. Für die Befragung wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres 120 Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz interviewt, die die Managementmethode nutzen.

Viele Unternehmen setzen die BSC in einem ersten Schritt meistens schnell und unkompliziert mit Excel um. Laut der aktuellen Studie nutzen über 70 Prozent der Teilnehmer das Tabellenkalkulationsprogramm Excel für die technische Umsetzung der Balanced Scorecard. "Meistens keine ideale Ausgangsbasis für eine professionelle Anwendung des Konzepts, selten eine langfristig geeignete Lösung", lautet der Kommentar von Gordon Poppe, leitender Berater bei Horváth & Partners.

"Es ist zwar das am meisten eingesetzte Tool, hat aber gleichzeitig die unzufriedensten Anwender. Das heißt, die Anwender sind sich über die Grenzen im Klaren", sagt auch Carsten Bange, Geschäftsführer des Würzburger BARC-Instituts und Autor der Studie "Software im Vergleich: BSC. 20 Werkzeuge für das Performance ManagementPerformance Management". Der Grund: "Excel ist schon da und wird in den Controlling- und Finanzabteilungen sowieso genutzt - die Mitarbeiter können damit umgehen. Deshalb ist es das Werkzeug des geringsten Widerstandes", sagt Bange. Der Einsatz von Excel könne jedoch nur der Anfang sein. Alles zu Performance Management auf CIO.de

Carsten Bange, Geschäftsführer BARC, Würzburg "Excel ist zwar das am meisten eingesetzte Tool, hat aber gleichzeitig die unzufriedensten Anwender."
Carsten Bange, Geschäftsführer BARC, Würzburg "Excel ist zwar das am meisten eingesetzte Tool, hat aber gleichzeitig die unzufriedensten Anwender."

Nicht jedem jedoch will der BARC-Geschäftsführer den Gebrauch von Excel-Sheets ausreden: "Wenn sich fünf Vorstände treffen, um ihre Vision und Strategie auf einige konkret messbare Kennzahlen herunterzubrechen, können sie das auch mit einem Excel-basierten Werkzeug realisieren." Je größer und komplexer eine Lösung jedoch werde, desto größer auch die Nachteile und desto höher die Kosten im Betrieb. BSC-Experte Poppe stimmt zu: "Die Abbildung von Scorecards mit Excel kann für kleinere Unternehmen oder Anwendungen wie Pilotbereiche durchaus Sinn machen, stößt darüber hinaus jedoch schnell an seine Grenzen."

Eingeschränkte Funktionen mit Excel

Beim Excel-Einsatz im BSC-Alltag zeigen sich die Defizite: "Wichtige Funktionen zur Integration und Konsistenzsicherung der Kennzahlen sowie Dokumentation und Darstellungsmöglichkeiten von Maßnahmen und Strategiekarten fehlen", so Bange. Jede Tabelle fungiert gleichsam als eine eigene Datenbank, jeder Wert ist in einer Zelle fest verankert, Verweise sind kompliziert. Weil einzelne Daten mehrfach auftauchen, kommt es leicht zu Inkonsistenzen, so BARC. Auch die Möglichkeiten der Zusammenarbeit verschiedener Mitarbeiter sind eingeschränkt.

Zur Startseite