Kleine Zeichen der Schwäche

Vorsicht vor Füllwörtern im Vorstellungsgespräch

14. Oktober 2014
Von Christoph Wirtz
Füllwörter in einem Bewerbungsgespräch sagen mehr aus über den Benutzer als ihm lieb ist. Erstaunlicherweise kommt es dabei nur wenig darauf an, ob es sich bei dem Kandidaten um eine gestandene Führungskraft oder um einen Absolventen handelt.
Vermeiden Sie im Bewerbungsgespräch überflüssige Wörter, Füllwörter und Phrasen.
Vermeiden Sie im Bewerbungsgespräch überflüssige Wörter, Füllwörter und Phrasen.
Foto: contrastwerkstatt - Fotolia.com

Füllwörter in einem Bewerbungsgespräch sagen mehr aus über den Benutzer als ihm lieb ist. Erstaunlicherweise kommt es dabei nur wenig darauf an, ob es sich bei dem Kandidaten um eine gestandene Führungskraft oder um einen Absolventen handelt, so meine Erfahrung als Personalberater und Geschäftsstellenleiter Nordrhein-Westfalen der Personalberatung Vesterling .

Der "eigentlich"-Bewerber

Spitzenreiter der am häufigsten verwendeten Füllwörter ist der Begriff "eigentlich". "Seit vier Jahren arbeite ich im Unternehmen und bin eigentlich ein guter Teamleiter", antwortete mir der letzte Bewerber auf die Frage nach seinem Wechselwunsch. Er wollte mir damit sagen, dass ein Wechsel zeitlich angebracht sei und er gute Führungsqualitäten mitbringe. Er verwendete das Wort als Synonym für die umgangssprachliche Formulierung "im Grunde genommen". Schlecht beim Aussprechen des Wortes "eigentlich" ist, dass es unbewusst vermittelt, welche Haltung der Bewerber zu seiner Aussage einnimmt. "Eigentlich" wirkt eingrenzend, subjektivierend, unsicher und schwächt den Wert der Aussage ab. Bei mir öffnet das Füllwort automatisch drei Fragen:

  • Ist der Bewerber in Wirklichkeit ein guter Mitarbeiter und will mit Understatement punkten?

  • Ist er von seinen Qualitäten selbst nicht überzeugt?

  • Oder hält ihm sein Vorgesetzter vor, nicht ausreichend qualifiziert zu sein?

Als ich es genau wissen wollte, antwortete der Bewerber: "Wieso? Ich habe doch gesagt, dass ich gut bin" und war verwundert, als ich ihn auf sein "eigentlich" aufmerksam machte. "Eigentlich ist mir das noch gar nicht aufgefallen", schmunzelte er daraufhin und ergänzt sofort: "Man sagt ja schon mal seltsame Sachen. Uups, jetzt habe ich es schon wieder benutzt."

"Man" ist ein Zeichen der Schwäche

Einerseits habe ich mich über die Einsicht des Bewerbers gefreut. Anderseits hatte ich beim nächsten Füllwort schwer zu schlucken: "man" ist das zweite weit verbreitete Unwort in Bewerbungsgesprächen. Es wirkt beinahe noch zersetzender, da es - falsch verwendet - unbewusste Einblicke in die Persönlichkeit gibt. Sie kennen die Formulierungen: "Man macht ja mal Fehler", "Man wusste damals noch zu wenig über die Problematik". Was halten Sie von diesen Bemerkungen? Mir signalisieren sie Schwäche, fehlende Verantwortung beziehungsweise das Unvermögen eine eigene Haltung einzunehmen.

Urteile ich zu hart? Ich glaube nicht. Im Bewerbungsgespräch ist es wichtig, Fehler und Schwächen eingestehen und zugeben zu können. Niemand ist perfekt. Die Übernahme von Verantwortung wiederum setzt voraus, dass die Fehler dem Bewerber bekannt sind und er sich seiner Stärken und Schwächen bewusst ist. Insbesondere Führungskräfte oder angehende Führungskräfte sollten sich durch solches Bewusstsein und den offenen Umgang mit Schwächen auszeichnen. Die geeignete Sprache hierfür ist die persönliche Ich-Form.

Vorsicht vor dem Konjunktiv

Weitere Füllwörter und welche Assoziationen sie bei Recruitern auslösen:

  • "allem Anschein nach", "womöglich", "irgendwie", "halt", vielleicht", weitere Konjunktivformen: Der Bewerber vermeidet eine klare Aussage oder exaktes Wissen scheint nicht vorhanden zu sein. Das Füllwort dient als Schutz vor möglichen Einwänden. Besser ist es, sich klar zu äußern und Mutmaßungen wegzulassen.

  • "hmm", "äh" "also", "nun": Als Einstieg in einen Haupt- oder Nebensatz füllen diese Wörter häufig Pausen bis zur Artikulation eines klaren Gedankens. Sie erwecken den Anschein von Unsicherheit, Schwierigkeiten bei der klaren Artikulation oder beim Schnelldenken. Diese Füllwörter lassen sich durch Diskussionstraining und gute Gesprächskonzentration deutlich reduzieren.

  • "wirklich", "sowieso": Bestärkende Füllwörter erfüllen ihren Zweck nicht. Die Verstärkung lässt vermuten, dass die Aussage nicht so zutrifft, wie erwünscht.

Vorbereitung fürs Vorstellungsgespräch

Generell gilt: Vermeiden Sie im Bewerbungsgespräch überflüssige Wörter, Füllwörter und Phrasen. Bereiten Sie sich vor, indem Sie für sich Fragen beantworten, die Ihnen schon früher gestellt wurden oder die in einer der vielen Websites mit Bewerbungstipps lesbar sind. Eine Übung möchte ich Ihnen ans Herz legen, die ich gelegentlich in meinem Coaching empfehle: Hinterfragen Sie Ihren eigenen Lebenslauf kritisch und geben Sie sich gleich selbst die Antworten. Stellen Sie sich hierzu vor, Sie seien der Personalverantwortliche, dem ein Bewerber seinen Lebenslauf vorlegt. Nummerieren Sie zunächst alle wesentlichen Stationen im Dokument und hinterfragen Sie jede einzelne Station Punkt für Punkt kritisch.

Notieren Sie sich die Fragen, legen Sie das Fragenblatt ein bis zwei Tage beiseite und beantworten sie dann die Fragen schriftlich. Nach weiteren zwei Tagen nehmen Sie sich Ihre Antworten vor, stellen eine weitere kritische Frage zu Ihren Antworten und beantworten diese erneut nach zwei Tagen. Sind Sie nach einer Woche genervt? Nein? - Dann haben Sie nicht kritisch genug gefragt. Wenn Sie sich zwischendurch nicht die Frage gestellt haben, warum Sie das jetzt machen und eine positive Antwort gefunden haben, dann könnte etwas falsch sein. Ziel der Übung ist es, sich gut für potenzielle Fragen im Bewerbungsgespräch zu wappnen, damit Sie souverän sind und nicht Denkpausen mit Füllwörtern stopfen müssen.

Kommentare zum Artikel

Tobias Claren

"so" und "ja" mitten in Sätzen wirken auch dumm.

"so" am Ende von Sätzen, gesprochen wie nach einem Komma wirkt richtig degeneriert "so"...

Auch das beliebte "Sag Ich mal" oder "Sag Ich mal so". Es soll wohl die eigene Meinung/Aussage sofort relativieren, weil sie ja möglicherweise nicht jedem genehm sein könnte. Soll in der DDR sehr beliebt gewesen sein, z.B. bei Interviews mit "Werktätigen".
Oder am Ende eines Satzes die Betonung dass es die eigene Meinung sei.
Ach nee, echt? Wenn ein Präsident Aussagen in zwischen Präsidentenamt und Privatperson trennt, OK, aber sonst ist es IMMER eine Meinung.

Es gibt auch das innerhalb von Sätzen wie ein Komma "ausgestoßene" "Ja".
Klingt auch doof.

"Man" wurde zwar erwähnt, es dürfte auch vielen klar sein, aber es wurde nicht erklärt.
Die Person will nicht sagen "Ich", sondern sich und dem anderen vermitteln dass das ja alle, "Man" machen.

Regelmäßiges "Verstehen Sie?" ist entweder:
* Beleidigend: "Evtl. sind Sie ja zu dumm mir zu folgen."
* Redender hält seine Aussagen selbst für langweilig.
* Redender hält seine Aussagen selbst für zu wirr, unverständlich (Inhalt, Aussprache...).

Oder "Weißte?"

Und es soll angeblich sogar Menschen geben die sagen "an und Pfirsisch" (An und Fürsisch).
Scheinbar nicht mal als "Lustige" Floskel, sondern unbewusst.

Dann gibt es noch die Floskeln.
Nicht mal das ganz dumme "lustige" "Nervdeutsch" (gibt es auch ein Buch drüber), sondern "Proletenfloskeln" wie "Muss ja!", oder z.B. "der kleine Mann" bzw. "der kleine Mann auf der Straße".
Das ist "Pöbelsolidarisierung", es wird eine Gemeinschaft gegen, und jetzt kommt die nächste Proletenfloskel, "die da oben" aufgebaut bzw. beschworen.

Harmloser aber auch grenzwertig ist "Mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben", "Bodenständig" und "geerdet".
Wenn ein TV-Sender (N24 oder n-tv) in seinem Textband über einen Poltiker schreibt dass er von seiner Familie "geerdet" wird (realer Fall), ist das wohl kaum eine "Nachricht", sondern Werbung für die Person. Man versucht den "schlichten" Bürger anzusprechen.

Den schlichten Bürger, der auch entlarvende Wörter wie "runterkommen" (meist ist wohl Alkohol gemeint, nach der Arbeit), aber auch das alte "Feierabend" benutzt.

Schockiert?
"Runterkommen" ist ganz offensichtlich ein Zeichen für eine miese Arbeit, die die Person NUR fürs Geld macht.
Genau so "Feierabend". Eine Arbeit deren tägliches Ende man sprachlich "feiert" ist einfach MIES.
Fakt ist, KEIN Ladenschwengel arbeitet für etwas anderes als das Geld.
Die Definition von "für etwas anderes" ist in diesem Fall die, dass die Person die Arbeit aufgäbe, wenn sie z.B. zu 30Mio Euro käme.
Egal was die Person also glaubt, ob sie behauptet die Arbeit mache ihr "Spaß", wenn die Person auf die "30Mio-Frage" ehrlich zugibt (und sei es nur indem die Person abends ins Kissen heult, weil sie es vor sich selbst einsieht) nicht mehr im Büro, Amt, Laden etc. zu gehen, machen Sie die Arbeit "NUR für Geld". Ähnlich "Prostitution". Mit dem Unterschied dass es angeblich Prostituierte geben soll die es "gerne" machen, dies aber absolut unmöglich auf einen Ladenschwengel zutreffen kann. Ja, nicht mal der Filialleiter des Ladenschwengel würde seine Arbeit noch behalten, wenn er zu viel Geld käme.

Für Die, die glauben hier eine Aussage wie "Geld macht glücklich" etc. zu lesen, die sind auch nicht die hellsten.
Denn die "30Mio-Frage" soll dem Ladenschwengel, der Drohne, die sich evtl. selbst betrügt was den "Spaß" an der Arbeit angeht, nur bewusst machen dass sie es "nur fürs Geld machen".
Es wäre absolut verlogen wenn ein Ladenschwengel, Bankschwengel, Versicherungsschwengel, Jobcenter-Schwengel etc. behauptet, er/sie würde die Arbeit weiter machen, wenn er/sie zu 30Mio Euro käme.

Oder wenn das "i" wie ein "ü" ausgesprochen würd.
Fast schon "Tüsch" statt "Tisch", "Müch" statt mich.
*brrrrrr* furchtbar
Mancher in Foren tippte ausgerechnet auf den Raum Hannover.

Auch das am Ende in die Länge gezogene "Halloooooo?" mit fragendem Ausklang, das wohl eine Art "Was soll denn das?" ist.
Oder "No-go", oder "Das geht gar nicht". "Nicht wirklich?" ist auch so eine blöde "Frage".

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