Gründe für Einstellungen

Wachstum verschärft IT-Fachkräftemangel

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Fast die Hälfte der deutschen IT-Chefs würden gern neue Stellen schaffen. Treiber sind nicht nur neue Projekte, sondern auch das Unternehmenswachstum. Fast jeder hat aber Schwierigkeiten, passende IT-Profis zu finden.

Deutsche IT-Abteilungen haben ein Problem: Einerseits wachsen die Unternehmen - andererseits finden sie keine neuen Informatiker. Diese Momentaufnahme zeigt die Arbeitsmarktstudie 2016 von Robert Half. Der Personaldienstleister hat 200 CIOs und CTOs (Chief Technology Officer) befragt.

Demnach planen 45 Prozent, zusätzliches Personal einzustellen. Weitere 42 Prozent wollen freigewordene Arbeitsplätze neu besetzen. Lediglich zwei Studienteilnehmer sprechen von personellen Kürzungen, der Rest stagniert.

Sorge, die besten Mitarbeiter an Konkurrenz zu verlieren

Einfach wird es nicht, diese Pläne umzusetzen. 97 Prozent finden es "schwierig" oder "sehr schwierig", passende Informatiker einzustellen. Hinzu kommt die Sorge um die bisherigen Mitarbeiter: 76 Prozent der Befragten fürchten, ihre besten Leute binnen Jahresfrist an die Konkurrenz zu verlieren.

Die Gründe für den geplanten Personalausbau haben sich verändert.
Die Gründe für den geplanten Personalausbau haben sich verändert.
Foto: Robert Half

Das zu verhindern, lässt sich mancher Konzern einiges kosten. Einer der beliebtesten Arbeitgeber junger Informatiker ist Google. Dessen Münchener Entwicklungsbüro hat Kantine und Café sowie Terrasse, Fitness- und Massageräume zu bieten. Googles HR-Chef Laszlo Bock kokettiert übrigens gern, er sei "der Albtraum jedes Berufsberaters". Der junge Mann hat sich bereits als Mitarbeiter in Feinkostläden, Bibliotheken und Restaurants verdingt. Er war Rettungsschwimmer, und das nicht nur im richtigen Leben, sondern auch für ein Fernsehfilmchen.

IT-Mitarbeiter gesucht wegen Unternehmenswachstum

Ein näherer Blick auf die Robert-Half-Befragung zeigt bei den Treibern der Personalentwicklung deutliche Änderungen gegenüber dem Vorjahr. Das bezieht sich vor allem auf das Unternehmenswachstum. Aktuell brauchen 47 Prozent der CIOs zusätzliche Mitarbeiter, weil die Firma innerhalb Deutschlands expandiert. Im Vorjahr sagten das mit 38 Prozent deutlich weniger. Internationale Expansion führen jetzt 30 Prozent an gegenüber dreizehn Prozent in der 2015-Studie.

Ein weiterer Aspekt kreist um IT-Risiken und Sicherheit. Hatten 2015 noch 20 Prozent der Befragten hier verstärkten Bedarf genannt, sind es nun 34 Prozent. Auch Systemupgrades rücken mit 19 Prozent der Nennungen stärker in den Fokus (2015: elf Prozent).

Hauptgrund für die zusätzliche Nachfrage sind aber nach wie vor neue Projekte und Initiativen. Unverändert führen 57 Prozent der Studienteilnehmer dies an.

Das Problem FachkräftemangelFachkräftemangel dürfte sich weiter verschärfen. Laut Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & The Netherlands bei Robert Half, erwartet der Technologiesektor "in den nächsten Jahren" Wachstumsraten von bis zu 40 Prozent. "Im Vergleich zum Vorjahr sind die Einstellungsabsichten der IT-Verantwortlichen abermals gestiegen", sagt Hennige. "Unternehmen kämpfen darum, die besten IT-Profis für sich zu gewinnen, um ihre Entwicklungsstrategien umsetzen zu können." Alles zu Fachkräftemangel auf CIO.de

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Kommentare zum Artikel

Sascha Thattil

Wachstum im IT Sektor ist, wie im Beitrag erwähnt, doppelt schwer. Zum einen muss man neue Entwickler finden, auf der anderen Seite versuchen andere, die eigenen besten Entwickler abzuwerben.

Mit diesem Problem kämpfen Unternehmen weltweit, im IT Sektor. Ein guter Weg kann es sein, nicht nur auf erfahrene Entwickler zu setzen, sondern auch eigene IT Spezialisten auszubilden. Dies dauert unter umständen einige Monate, dafür hat man dann passgenaue Mitarbeiter.

okamzol

Ich kann dieses Fachkräftemangel-Märchen nicht mehr hören. Es gibt genügend geeignete Leute. Das, bzw. die Probleme liegen wohl eher auf Seite der Unternehmen. Viele scheitern schon an inkompetenten Personalern, die von der Materie keine Ahnung haben und höchstens auf Buzzword Niveau agieren. Die bekommen die Fertigkeiten/Kenntnisse der Bewerber selten in den richtigen Zusammenhang mit der ausgeschriebenen Stelle gesetzt. Erlebtes Beispiel: die Stellenanzeige sucht einen Linux-Administrator, Personaler fragt nach Windows Server Kenntnissen - Bewerber raus...
Und der nächste Grund ist wohl die Bezahlung - was man da so liest und hört... da versteh ich jeden, der ausschließlich zu den ganz großen Namen will. Es gab da mal den alten, weisen Ausspruch "Wer mit Bananen bezahlt, darf sich nicht wundern, wenn nur Affen für ihn arbeiten".
Weiterhin ist die Wertschätzung der IT Mitarbeiter - sowohl finanziell, als und auch insbesondere persönlich - öfter sehr fragwürdig. Auch dazu ein Beispiel aus dem Leben, das beide Faktoren abdeckt: Ausbildung im Unternehmen gemacht, dann in Regelbetrieb übergegangen und gleichen Job gemacht, wie die Studierten; Gehalt unterirdisch - bei Verhandlung kam dann der Satz des Abteilungsleiters "Ne, Sie nicht, Sie haben nur eine Ausbildung" - ergo Kündigung und Wechsel des Arbeitgebers.

Also sollten sich die Unternehmen vielleicht mal Gedanken machen, warum sie keine Fachkräfte finden, bzw. halten können.

Im übrigen gilt gesagtes auch für mich als Freelancer - da hat man die gleichen Probleme: inhaltlich fragwürdige Projektausschreibungen und die auch noch zu Offshore-Stundensätzen. Das klappt einfach nicht...

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