I-MODE-HANDYS

WAP-Konkurrent aus Japan

02. Oktober 2001
Dr. Klaus Manhart hat an der LMU München Logik/Wissenschaftstheorie studiert. Seit 1999 ist er freier Fachautor für IT und Wissenschaft und seit 2005 Lehrbeauftragter an der Uni München für Computersimulation. Schwerpunkte im Bereich IT-Journalismus sind Internet, Business-Computing, Linux und Mobilanwendungen.
Mit dem Internet-Mobilzugang I-Mode bleiben japanische Handy-Nutzer immer online; die Dienste werden im Paket abgerechnet und sind kommerziell überaus erfolgreich. Zum Jahresende soll I-Mode auch nach Deutschland kommen.
I-Mode-Handys
I-Mode-Handys

WÄHREND DAS MOBILE Online-Geschäft in Europa nur schleppend in Gang kommt, brechen Internet-Anwendungen auf dem Handy in Japan alle Rekorde. Laut einer Studie von Jupiter Research generierte das europäische Mobile Business im vergangenen Jahr gerade einmal 15 Millionen Dollar Umsatz (in den USA waren es sogar nur zehn Millionen), die Japaner dagegen 400 Millionen Dollar. Kein Wunder, so Jupiter: Über achtzig Prozent aller mobilen Web-Nutzer leben in Japan.

Die I-Mode-Handys von Sony und Sharp gibt es nur in Japan.Pluspunkte für I-Mode• hohe Festnetz-Kosten fördern Mobilzugang• Abrechnung nach Datenübertragung statt nach Online-Zeit• Dienste sind Ergänzung zum Internet statt Pseudo-Ersatz• komfortables I-Mode-Portal mit Zugang zu 600 Sites• einfache Abrechnungsmöglichkeit für Mehrwertdienste über NTT-Telefonrechnung.Quelle: Berlecon Research
Die I-Mode-Handys von Sony und Sharp gibt es nur in Japan.Pluspunkte für I-Mode• hohe Festnetz-Kosten fördern Mobilzugang• Abrechnung nach Datenübertragung statt nach Online-Zeit• Dienste sind Ergänzung zum Internet statt Pseudo-Ersatz• komfortables I-Mode-Portal mit Zugang zu 600 Sites• einfache Abrechnungsmöglichkeit für Mehrwertdienste über NTT-Telefonrechnung.Quelle: Berlecon Research

Der Erfolg von M-Commerce im Land der aufgehenden Sonne basiert wesentlich auf der derzeit nur dort verbreiteten Datenübertragungstechnik I-Mode, einem mit dem General Packet Radio System (GPRS) verwandten Mobilfunkstandard. Rund 25 Millionen Teilnehmer nutzen I-Mode inzwischen; täglich kommen 50000 Abonnenten hinzu. Hierzulande können die Anbieter der europäischen I-Mode-Variante dieser Entwicklung nur neidisch zusehen. WAP hat viele Nutzer wegen mangelnder Leistung frustriert und kommt deswegen nicht auf Touren.

I-Mode schlägt WAP

Auf den ersten Blick hat I-Mode mit dem bei uns wenig erfolgreichen WAP einige Gemeinsamkeiten. Hier wie dort lassen sich per Handy E-Mails empfangen und verschicken sowie Websites abrufen. I-Mode-Nutzer haben Zugang zu mehr als 600 Portalen und gut 15000 Websites. Die Serviceleistungen sind ebenfalls ähnlich: Entertainment, Information, Shopping, Banking und Brokerage. Der Dienst arbeitet mit einer paketbasierten Version des Personal-Digital-Cellular-Standards mit einer Bandbreite von 9,6 Kilobit pro Sekunde; dies entspricht der Bandbreite von WAP. Und wie bei WAP benötigen auch I-Mode-Kunden spezielle I-Mode-fähige Telefone.

I-Mode ist nicht schneller als WAP. Der Vorteil liegt im Bedienungskomfort: Die Nutzer können ohne Unterbrechung im Netz bleiben und zahlen dafür nur das tatsächlich empfangene Datenvolumen. Für ein bis drei Dollar im Monat beliefern beispielsweise Nachrichten-Portale die zur Zeit mehr als 100000 Abonnenten. Neben Spielen und SMS-ähnlichen Kurznachrichten sind vor allem mobile Bankgeschäfte sowie Restaurant- und Ticket-Reservierungen bei den japanischen I-Mode-Kunden sehr beliebt. Kein Wunder, dass der durchschlagende Erfolg in Japan bei NTT Docomo Expansionsgelüste auslöst. Im lukrativen US-Markt mischt der Konzern dank einer Beteiligung an AT&T Wireless bereits kräftig mit. In Nordamerika will das japanisch-amerikanische Gemeinschaftsunternehmen I-Mode Anfang kommenden Jahres einführen.

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