Die wöchentliche CIO-Kolumne

Warmer Budget-Mantel - leider etwas knapp geschnitten

20. Januar 2003
Heinrich Seeger arbeitet als IT-Fachjournalist und Medienberater in Hamburg. Er hat über 25 Jahre IT-journalistische Erfahrung, unter anderem als Gründungs-Chefredakteur des CIO Magazins. Er entwickelt und moderiert neben seiner journalistischen Arbeit Programme für Konferenzen und Kongresse in den Themenbereichen Enterprise IT und Mobile Development, darunter IT-Strategietage, Open Source Meets Business, droidcon und VDZ Tech Summit. Zudem gehört er als beratendes Mitglied dem IT Executive Club an, einer Community von IT-Entscheidern in der Metropolregion Hamburg.
Sie sind aus der Malaise noch nicht raus, die IT-Beratungshäuser. Sie waren die ersten, die unter der Konjunkturkrise gelitten haben. Und sie könnten gut und gern die letzten sein, die sich davon erholen. Das schwant offenbar auch den Führungsspitzen der großen in Deutschland aktiven Beratungshäuser, wie auf einer Podiumsdiskussion deutlich wurde. Der einst unerschütterliche Optimismus der Consulting-Branchenvertreter kam dabei jedenfalls eher schwächelnd rüber.
Heinrich Seeger, Chefredakteur CIO
Heinrich Seeger, Chefredakteur CIO

Das Roundtable , veranstaltet von der Computerwoche, war geprägt von Durchhalteparolen wie der von der Krise, die in Wahrheit gar keine sei, sondern nur eine Delle im Markt.

"Die Kunden haben anders als in früheren Jahren ihre IT-Budgets zum Jahresende nicht ausgeschöpft, sondern ins Jahr 2003 verlagert", gab sich zum Beispiel Harald von Kossak, Geschäftsführer von Sapient, überzeugt. Die optimistische Prognose, die der Chef-Consultant daraus ableitet: In diesem Jahr würden die Kunden das 2002 eingesparte Geld zusätzlich in die Hand nehmen, um den "Investitionsstau" abzubauen.

Zu wünschen wäre es ja. Aber diese Hoffnung ist im Verlauf der aktuellen Krise (wie sollten wir sie leugnen können?) schon ein paarmal zu häufig geäußert worden. Mehr als banges Mithoffen löst sie nicht aus, auch nicht bei denen, die mit ihrer Unterschrift unter Projektverträge den Euro wieder ins Rollen bringen könnten. Die überall kreierten Notfall-Budgets gelten zwar offiziell nur bis auf weiteres. IT-Entscheider, die wirklich davon ausgehen, dass sie die Spar-Zwangsjacke im Laufe des Jahres ablegen dürfen, lassen sich jedoch kaum finden.

Eher schon trifft man als CIO-Redakteur auf CIOs, die ihre Budgets strategisch umschichten wollen. Was wir beobachten: IT-Verantwortliche akzeptieren zwar die Tatsache, dass es einen Investitionsstau gibt; ein Virtual Private Network, eine Serverkonsolidierung, eine SAP-Einführung oder ein anderes Standardisierungsprojekt wartet in den meisten Unternehmen darauf, endlich in Angriff genommen zu werden. Allerdings ist die Frage, wer das größte Stück von diesem Kuchen abbekommt, noch offen. Die IT-Beratungsfirmen dürften es in vielen Fällen nicht sein.

Vielmehr achten gegenwärtig eine ganze Menge CIOs bis auf weiteres darauf, Mannschaften zusammenzustellen, die auch komplexere ProjekteProjekte allein erledigen können. Zu viele Projekte sind durch die Abhängigkeit von Dienstleistern aus dem Budget - und außerdem oft noch aus dem Zeitrahmen - gelaufen. Das ist zwar keine kleine Herausforderung bei der Personalauswahl und -beschaffung. Aber die Chance, geeignete Professionals für relativ bescheidene Gehälter zu finden, ist jetzt besser als je zuvor. Das wird auch im Personalschwerpunkt der nächsten CIO-Ausgabe (erscheint übernächsten Montag) ganz deutlich. Alles zu Projekte auf CIO.de

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