Sozialpsychologie

Warum "das Wir" nicht gut entscheidet

26. November 2013
Wirtschaftswoche-Redakteur
Entscheidungen werden oft unter einem verheerenden Gruppenzwang getroffen, der blind macht für Alternativen. Sozialpsychologen wissen, wie Organisationen das verhindern können.

Wichtige politische Entscheidungen werden häufig in Gruppen getroffen. Davon versprechen sich die Entscheider nicht nur die gleichmäßige Aufteilung der Verantwortung auf vielen Schultern, sondern auch bessere Entschlüsse, nach dem Motto "vier Augen sehen mehr als zwei". Die Forschung zeigt jedoch, dass Gruppen diesen Vorteil häufig nicht wirklich nutzen. Hildesheimer Psychologen glauben nun ein Mittel gefunden zu haben, wie kollektive Entscheidungen verbessert werden können.

"Wichtige Entscheidungen können bei einer Gruppe starken StressStress hervorrufen, Zweifel werden unterdrückt. Das Streben nach Einmütigkeit, das bekannte 'Schließen der Reihen', ist ein Mittel, um Stress abzubauen. Es verstellt den Blick für eine kritische Analyse der Sachlage und kann zu kritikloser Anerkennung der Gruppenmeinung führen", sagt Andreas Mojzisch, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Hildesheim. Auch engstirniges Vorgehen und die Tendenz zur Selbstüberschätzung könne zu vermeintlich "alternativlosen" Entscheidungen führen. Alles zu Stress auf CIO.de

Viele Untersuchungen der vergangenen 30 Jahre zeigen, so Mojzisch, dass meinungshomogene Gruppen, in denen jedes Mitglied die gleiche Antwort auf eine Problem favorisiert, stärker nach Belegen für diese eine Meinung suchen als heterogene Gruppen, in denen mehrere Alternativen vertreten werden. Einigkeit in Gremien steht also einer unvoreingenommenen, möglichst objektiven Herangehensweise an ein Problem im Wege.

Für besondere Engstirnigkeit in einer Gruppe von Entscheidern - "Groupthink" genannt - machte schon 1982 der Sozialpsychologe Irvin Janis drei Bedingungen fest: hoher Zusammenhalt der Gruppe und Loyalität zum Vorsitzenden, strukturelle Fehler der Organisation sowie ein aufgeheizter Kontext, der die Entstehung von Stress begünstigt. Strukturelle Fehler seien vor allem: Abschottung nach außen, autoritäre FührungFührung, Fehlen standardisierter Entscheidungsprozeduren sowie Homogenität des sozialen und ideologischen Hintergrunds der Gruppenmitglieder. Alles zu Führung auf CIO.de