Ein netter Chef reicht nicht

Was Mitarbeiter frustriert

19. Oktober 2012
Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Wenn Mitarbeiter sich nicht mehr engagieren, liegen die Ursachen meist in mangelnder Wertschätzung, zu hohem Druck und an unfähigen Chefs.

Behandelt ein Unternehmen Mitarbeiter schlecht, sinken Identifikation und Bindung, während Fehlzeiten und Fluktuation steigen. Das geht aus den Befragungen des Münchner Geva-Instituts von insgesamt 30.000 Mitarbeitern hervor, dazu Geschäftsführer Gerhard Bruns: "Letztlich sind es die Chefs, die dafür sorgen, ob sich Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen identifizieren können, ihm treu bleiben und sich persönlich einbringen."

Wer mit seinem Chef zufrieden ist, bewertet auch insgesamt das Klima am Arbeitsplatz besser, unterstützt seine Kollegen mehr, engagiert sich freiwillig stärker für das Unternehmen als andere und berichtet allgemein über mehr Selbstwirksamkeit und Einflussmöglichkeiten im Unternehmen. Mitarbeiter mit schlechten Chefs dagegen resignieren deutlich häufiger und werden öfter krank.

In Sachen Kommunikation haben Chefs Nachholbedarf

Nett zu sein reicht für Chefs nicht. Mitarbeiter wollen Führungskräfte, die gut organisieren und kommunizieren.
Nett zu sein reicht für Chefs nicht. Mitarbeiter wollen Führungskräfte, die gut organisieren und kommunizieren.
Foto: Günter Menzl -Fotolia.com

Nett sein allein reicht aber nicht. Nahezu alle Befragten wollen Chefs, die Veränderungen, Entscheidungen und vereinbarte Maßnahmen nachhaltig umsetzen und für eine gute Organisation der Arbeitsabläufe und Prozesse sorgen. Das beherrschen viele deutsche Führungskräfte bereits recht gut.

Zu kurz kommt aber die Kommunikationsfähigkeit. Dazu gehören regelmäßige Gespräche, Offenheit für Ideen und Vorschläge und differenzierte Feedbacks zur Leistung, verbunden mit einer individuellen Förderung der Mitarbeiter. Das kostet Zeit, die manche Chefs nicht investieren wollen - und nur in Ausnahmefällen nicht können. Besonders schwer tun sich Führungskräfte mit der verständlichen Formulierung von Arbeitsaufträgen und einer zeitnahen Information der Mitarbeiter. Dies wiederum ist keine Frage des Wollens, sondern eine Frage des Könnens. Auf der emotionalen Seite sind Glaubwürdigkeit und Loyalität von Führungskräften ganz entscheidende Bewertungskriterien, neben dem Gefühl der Mitarbeiter, auch echte Wertschätzung und Anerkennung zu erfahren.

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