Weiterbildung heute

Was moderne Lernmanagement-Systeme können müssen

20. April 2016
Laila Haidar ist freie Journalistin in Stuttgart.
Lernmanagement-Systeme (LMS) können heute mehr als nur Weiterbildungen dokumentieren. Moderne Software-Suiten sind so mächtig, dass sie Lohnabrechnung, Personalentwicklung und Rekrutierung gleich mit abbilden. Implementierung und Aufbau solcher Infrastrukturen sind aber nach wie vor aufwändig und kostenintensiv. Wie Sie das richtige LMS finden und integrieren, lesen Sie hier.

Lernmanagement-Systeme (LMS) können heute mehr als nur Weiterbildungen dokumentieren. Moderne Software-Suiten sind so mächtig, dass sie Lohnabrechnung, Personalentwicklung und Rekrutierung gleich mit abbilden. Implementierung und Aufbau solcher Infrastrukturen sind aber nach wie vor aufwändig und kostenintensiv. Wie Sie das richtige LMS finden und integrieren, lesen Sie hier.

Der Markt für Lernmanagement-Systeme ist mehr als 2,6 Milliarden US-Dollar schwer. Das sagt Josh Bersin, Gründer der gleichnamigen Unternehmensberatung. Und der Markt wächst. Jährlich um mehr als 20 Prozent. Vor allem, weil viele Unternehmen zurzeit ältere Software durch aktuellere ersetzen. In neue Technologien zu investieren, wird für Unternehmen so wichtig, weil die neuen Systeme mehr können als Stundenpläne ausarbeiten, Seminare dokumentieren und Karrierepläne archivieren. Der Mitarbeiter gilt heute als wichtige Ressource. Diese müssen Unternehmer pflegen, halten, unterstützen und weiterentwickeln. Regelmäßige Weiterbildung ist hier ein wichtiger Baustein. Aber Mitarbeiter wollen heute entwickelt werden, Perspektiven sehen und realistische Karrierechancen haben.

Lernmanagement-Systeme (LMS) sind heute für Unternehmen überlebenswichtig. Sie steuern zum Beispiel wichtige Infos und Funktionen zu Personal und Weiterbildung bei.
Lernmanagement-Systeme (LMS) sind heute für Unternehmen überlebenswichtig. Sie steuern zum Beispiel wichtige Infos und Funktionen zu Personal und Weiterbildung bei.
Foto: Pressmaster - shutterstock.com

LMS als allumfassendes und unabdingbares Werkzeug

"Gerade weil Training so komplex ist und sich von Unternehmen zu Unternehmen stark unterscheidet, gibt es so viele Anbieter", sagt Bersin. Einige konzentrieren sich auf Compliance und Rechtliches, einige agieren global. Manche setzen auf Webinare und andere möchten Wissen allen Mitarbeitern zugänglich machen. Die Analysten von Bersin identifizierten mehr als 300 Anbieter von LMS, wobei nur eine Handvoll größere Marktanteile von jeweils etwa zehn Prozent haben: Darunter Cornerstone, SumTotal, SAP, Oracle und Saba.

Heute läuft so viel über die modernen LMS, dass diese Systeme überlebenswichtige Prozesse einer Firma aufrechterhalten. Im Pharma-Bereich beispielsweise managt die Software gesetzlich vorgeschriebene Compliance-Schulungen. In großen Krankenhäusern dokumentieren sie die Unterweisung in Hygienevorschriften. In den Konzernen ginge heute nichts mehr ohne softwaregestützte Karriereplanung, Onboarding-Prozesse und Führungskräfteentwicklung. Dazu kommt, dass letztlich das LMS den Zugang zu webbasierten Trainings, Videos und Tutorials überhaupt erst sinnvoll ermöglicht. Deshalb geht, so Bersin, der Trend dazu, alle Applikationen und Werkzeuge rund um das Thema Personalentwicklung zusammenzufassen, oder zumindest in einander zu integrieren.

Dass immer mehr Funktionen rund um Personal und Weiterbildung verlangt und auch genutzt werden, stellt Sales Director Klaus Löper von SumTotal Deutschland fest. Sein Produkt, die Winter 2016 Suite, vereint Performancemanagement und Bewerberorganisation mit Werkzeugen zur Mitarbeiterentwicklung. Beispielsweise die Option 360-Grad-Feedback zu geben und zu dokumentieren. In einigen Ländern werden über das SumTotal-System sogar Lohnabrechnungen und Arbeitszeiterfassung abgewickelt. Rund 45 Millionen aktive Nutzer hat SumTotal weltweit. Um diese breite Masse zufriedenzustellen, setzt das Unternehmen auf maximale Individualisierung.

Lokale Abgrenzungen sind sinnvoll

"Gesetzt wird heute primär auf klassische Cloud-Lösungen. Anbieter wie SAP und Cornerstone bieten keine lokale Implementierung auf firmeneigene Server mehr an", weiß IT-Berater Oliver Dangel. Seine Firma Solics unterstützt Unternehmen bei der Auswahl und Implementierung von LMS. "Autonome Lösungen, on premise, die über das eigene Rechenzentrum betrieben werden, sind gerade in Deutschland sehr gefragt", berichtet Dangel aus Erfahrung. Gerade weil die rechtlichen Rahmenbedingungen hierzulande sehr streng sind, möchten viele Unternehmen was ihre Daten betrifft, auf Nummer sicher gehen. Auch die Linde-Gruppe beispielsweise setzt auf diese Lieferform, wo das System komplett im firmeneigenen Rechenzentrum gehostet wird.

Für deutsche Firmen auch üblich, ist die Abstimmung mit dem Betriebsrat. Was amerikanische Entwickler von LMS häufig überhaupt nicht verstehen können: Software, die Daten über Mitarbeiter sammelt und auswertet, ist grundsätzlich mitbestimmungspflichtig. Natürlich kommt es auf die jeweilige Konfiguration und die Zugriffsrechte an. "Wer ein LMS anschafft, muss darauf achten, dass die Funktionalität eine feine Konfiguration der Zugriffsrechte erlaubt", rät IT-Experte Dangel. In vielen deutschen Firmen darf der direkte Vorgesetzte nur wissen, welche Kurse sein Mitarbeiter bestanden hat. Er kennt aber nicht die genaue Punktzahl und welche Fragen im Einzelnen falsch beantwortet wurden. Solche Details kann ein LMS zwar auswerten, der Zugriff ist aber meistens nur dem höheren Management oder der Personalabteilung zugänglich. "Auch lokale Abgrenzungen sind oft sinnvoll", weiß der Berater. Wer seinen Firmensitz in München hat, kann festlegen, dass die Personal- oder Strategieabteilung des Headquarters Zugriff auf die Daten der Niederlassungen weltweit hat, aber nicht umgekehrt.

Oliver Dangel, Solics: "Wer ein LMS anschafft, muss darauf achten, dass die Funktionalität eine feine Konfiguration der Zugriffsrechte erlaubt. Dröge webbasierte Trainings oder Tutorials locken heute niemanden mehr."
Oliver Dangel, Solics: "Wer ein LMS anschafft, muss darauf achten, dass die Funktionalität eine feine Konfiguration der Zugriffsrechte erlaubt. Dröge webbasierte Trainings oder Tutorials locken heute niemanden mehr."
Foto: Solics

Inhalte der LMS sind Erfolgsfaktor, nicht die Software allein

Wer sich für eine Software entschieden hat, sollte sich vier bis acht Monate Zeit für die Implementierung nehmen. "Viele unserer Kunden unterschätzen den Zeitrahmen", betont Deutschlands SumTotal-Chef Klaus Löper. Zum einen müssen die neuen Systeme ja auch mit Daten gefüttert werden, damit sie später ihr Können ausspielen. "Und auf der anderen Seite ist die Einführung eines mächtigen LMS immer die passende Gelegenheit, die eigenen Prozesse auf den Prüfstand zu stellen und idealerweise insgesamt schlanker und effizienter zu werden", rät Löper. Allerdings müsse man hier auch die Mitarbeiter in den Veränderungsprozess mit einbinden. Eine Gewöhnungsphase bis sich das System etabliert hat, gehört dazu. Das führt zu einem weiteren Thema, das Unternehmen bei der Einführung eines Systems bedenken sollten - nämlich Schulungen und Support für die Software; ein erheblicher Kostenfaktor und ein erfolgskritisches Element.

Letztlich steht und fällt der Erfolg von Personalentwicklung aber nicht mit der Software, ist sich Solics-Chef Oliver Dangel sicher. Die Inhalte sind der eigentliche Erfolgsfaktor, ob sich Mitarbeiter mit ihrer Karriere und Weiterbildung befassen oder nicht. Denn lebenslanges Lernen funktioniere nur, wenn die passenden Formate und Inhalte zur Verfügung stehen. "Dröge webbasierte Trainings oder Tutorials locken heute niemanden mehr", attestiert Dangel. Wichtig ist, dass Weiterbildung praktischen Nutzen bietet und zu den Mitarbeitern passt. Da sei es gleichgültig, ob das Unternehmen auf Präsenztrainings setzt oder E-Learning bevorzugt. Nach Dangels Einschätzung sollte ein modernes LMS unbedingt mit allen gängigen Lernformaten kompatibel sein. Also auch Trainings verschiedener Anbieter und Formate sowie mobiles Lernen unterstützen.