Blick in die Kristallkugel

Was tut sich 2009 im Markt für Business-Software?

17. Dezember 2008
Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Trotz wirtschaftlicher Turbulenzen investieren Unternehmen auch 2009 in ERP- und CRM-Software. Allerdings hat so mancher Softwareanbieter schwierige Aufgaben vor sich.

Anwenderunternehmen aus dem Mittelstand werden den Markt für Geschäftsapplikationen prägen. Sie müssen ihre Prozesse internationalisieren und wollen ineffiziente Abläufe sowie Medienbrüche abschaffen und in der Lage sein, ihre Geschäftsdaten auszuwerten, um Entscheidungen fundierter treffen zu können. Noch immer nutzen Betriebe Altsysteme, die am Ende ihres Lebenszyklus angelangt sind.

Moderne Technik und mittelstandstaugliche Beratung gefragt

Mit Lösungen von der Stange werden diese Anwender sich aber selten zufriedengeben. Sie erwarten individuelle Betreuung. Hersteller mit zukunftsfähiger Technik und eine auf den Mittelstand abgestimmte Beratung werden bei den Kunden zum Zuge kommen.

Das Interesse an CRM-Lösungen wächst auch 2009, da die Firmen um ihre Kunden kämpfen müssen. Neben der reinen Vertriebssteuerung gewinnt vermehrt die softwaregestützte Serviceabwicklung an Bedeutung. Firmen, die ihre ERP-Prozesse geordnet haben, können sich nun dem Kunden-Management zuwenden.

Für die Anwender werden natürlich auch Kosteneinsparungen eine große Rolle spielen, sei es beim Upgrade, bei Anpassungen, bei der Wartung sowie beim Systembetrieb.

Die wirtschaftliche Situation macht zudem den Softwareanbietern von Geschäftsapplikationen zu schaffen. Die ERP-Spezialisten Epicor, Infor und Lawson haben bereits Entlassungen angekündigt. Der Verkauf von betriebswirtschaftlicher Software wird im kommenden Jahr sicher nicht leicht, neben den Aufgaben, die die Softwarehäuser ohnehin zu bewältigen haben.

  • SAP: Die Wartung wird für den Konzern auch 2009 ein beherrschendes Thema sein. Auch muss er darlegen, wie es mit dem Hoffnungsträger "Business ByDesign" weitergeht. Zudem steht ein Major Release der "Business Suite" an, die auf einer neuen Plattform aufsetzt und Bestandteile von Business Objects enthält. Viel schwerer als neue Software zu entwickeln ist aber, die durch das leidige Thema "Enterprise Support" gestörte Beziehung zu den Kunden wieder zu kitten, und das gleichzeitig mit dem Führungswechsel im Topmanagement.

  • Infor: Der Anbieter muss seine Versprechen, bestehende Lösungen über ERP-Komponenten zu modernisieren, in die Tat umsetzen und weiter um das Vertrauen der Bestandskunden kämpfen. Was noch immer fehlt, ist ein für die Industriebetriebe taugliches CRM-Produkt. Man darf gespannt sein, ob Infor diese Lücke 2009 schließt.

  • Sage: Mit "ERP X3" will der Anbieter ins internationale ERP-Geschäft. Das ist Neuland für den Konzern, birgt aber Potenzial. Die Sage-Bäurer-Kunden werden die Strategie genau verfolgen. Wachstumspotenzial hat das Unternehmen mit dem breiten CRM-Angebot.

  • Microsoft: Ende 2008 hat das Unternehmen mit Dynamics NAV eine überarbeitete ERP-Plattform geliefert, die in Sachen Benutzeroberfläche Maßstäbe setzt. Microsofts Herausforderung sind aber vor allem die Partner: 2009 und in den folgenden Jahren muss der Anbieter sie dazu bringen, ihre eigenen Lösungen an die neue ERP-Umgebung anzupassen und sich stärker auf Branchen zu spezialisieren. Eine weitere Aufgabe besteht für den Anbieter darin, Dynamics AX hierzulande besser zu etablieren.

  • Oracle: Noch immer bleibt im Dunkeln, was aus den "Fusion Applications" wird. Ob Oracle 2009 den Schleier lüftet? Im Applikationsgeschäft wird der Konzern versuchen, Firmen mit etablierten ERP-Backbones Ergänzungsbausteine beispielsweise für CRM und Product-Lifecycle-Management zu verkaufen. Weitere Übernahmen sind nicht ausgeschlossen.

  • SoftM: Im nächsten Jahr wird sich zeigen, ob sich die Übernahme des Münchner Anbieters durch die polnische IT-Firma Comarch positiv oder negativ auswirkt.

  • Daneben werden die zahlreichen anderen Hersteller wie Abas, Proalpha, AP AG und Nissen & Velten ihre Produkte ebenfalls weiterentwickeln. Softwarearchitekturen mit Web-Services-Unterstützung, moderne Clients sowie integrierte Geschäftsdatenanalyse dürften bei vielen Anbietern auf der Agenda stehen.

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