WEB SERVICES

Web-Services - Vision, Hype und Wirklichkeit

18. April 2002
Die technische Seite der Web Services als universelle Schnittstelle in einer heterogenen IT-Landschaft weckt Hoffnungen. Doch damit Web Services zum Erfolg werden, muss die geschäftliche Seite der Lösung erst noch verstanden werden, bremsen die Analysten von IDC.

Hinter Web-Services steht das Langfristziel, Anwendungen oder funktionalen Komponenten die Kommunikation mit beliebigen anderen Komponenten zu ermöglichen. Web-Services werden aus technologischer Sicht sehr häufig als neues Modell für die Entwicklung von Anwendungen oder für die Integration von Anwendungen über das Internet beschrieben. Noch interessanter ist allerdings, sie aus geschäftlicher Sicht zu beschreiben. Die mit Web-Services verbundene Zielsetzung besteht darin, die Beschränkungen aus der Welt zu schaffen, die IT den Unternehmen bislang auferlegt. Der Mechanismus, mit dem dies erreicht werden soll, besteht im Aufsprengen der starren Klammer zwischen Anwendungen und Anwendungskomponenten und der Herbeiführung einer anpassungsfähigen losen Verbindung zwischen beiden. Dies lose verbundene Modell der Web-Services ist unabhängig davon, ob die verbundenen Komponenten zu ein und demselben Unternehmen gehören oder einen hybriden Service bilden, der Funktionen von vielen verschiedenen Unternehmen nutzt. Web-Services ermöglichen einem Unternehmen: die Aktivitäten (Funktionen) zu definieren, die es benötigt, um seine Geschäftsprozesse erfolgreich auszuführen zu entscheiden, welche dieser Funktionen von seiner internen IT-Abteilung unterstützt und welche zufriedenstellend von externen Services abgedeckt werden können zu entscheiden, welche der bereitgestellten Services Kunden, Partnern und Lieferanten extern verfügbar gemacht werden sollen sicherzustellen, daß alle Funktionen nahtlos zusammenarbeiten und gleichzeitig flexibel genug sind, daß Povider ausgetauscht oder einzelne Funktionen ersetzt werden können die Abhängigkeit von der zugrundeliegenden Technologie zu beseitigen erprobte Funktionen zu nutzen oder neue zu implementieren, ohne dabei an Investitionen gefesselt zu sein, die in IT getätigt wurden. Zu den direkten Auswirkungen dieser Merkmale zählen: ein einfacheres B2B-E-Business ein zielgerichteter und flexibler Outsourcing-Ansatz Zugriff auf Geschäftsfunktionen. Freie Wahlmöglichkeit der besten Plattform für einen bestimmten Zweck Virtuelles Business Standort- und Geräteunabhängigkeit Jeder dieser Geschäftsvorteile könnte eine wichtige Rolle bei der Entscheidung pro oder kontra Einsatz der Web-Services-Technologie spielen. Das eigentliche damit verbundene Langfristziel besteht jedoch darin, die IT-Beschränkungen zu überwinden, wegen derer Unternehmen derzeit noch nicht die Strukturen schaffen können, die sie als Reaktion auf bestimmte geschäftliche Anforderungen benötigen. Hinzu kommt das Ziel, Fusionen, Übernahmen und auch Spin-offs in wesentlich kürzerer Zeit und zu geringeren Kosten IT-technisch zu bewältigen. Web-Services haben in jüngster Zeit sehr viel Markthype auf sich gezogen. Das überrascht eigentlich, weil das Konzept der Web-Services bislang kaum verstanden ist und die damit möglichen Geschäftsvorteile noch nicht quantifizierbar sind. Wenn es zur umfassenden Akzeptanz kommen soll, muß dieser Hypezustand, in dem sich die Technologie derzeit befindet, beseitigt werden. Das fehlende Verständnis hat seine Wurzeln im herkömmlichen Verkaufsansatz der Softwareindustrie. Trotz vieler Versuche, die geschäftlichen Aspekte an die erste Stelle zu setzen, und trotz der Zahl der hochprofilierten Werbekampagnen der großen und einflußreichen Hersteller verkauft die Softwareindustrie nach wie vor an ihre traditionellen Kunden - die IT-Manager. Das gilt besonders für Softwareinfrastrukturprodukte. Demgegenüber haben es Anbieter von Softwareanwendungen, die stärker operative Geschäftsaspekte berücksichtigen müssen, geschafft, sich stärker Business- als Technologie-getrieben aufzustellen. Die Softwareinfrastruktur-Industrie stellt Technologie bereit, und es ist die Aufgabe des IT-Managers, diese in Geschäftsvorteile umzusetzen. Web-Services wurden bislang hauptsächlich als Aspekt der Softwareinfrastruktur betrachtet. Das ist so auch absolut richtig - mit der einzigen Ausnahme, daß das Konzept nur über die darauf aufsetzenden Anwendungen einen Wert und Nutzen bringt. Die Vorteile resultieren primär aus der Fähigkeit zur fortlaufenden Veränderung in Reaktion auf sich permanent ändernde Geschäftsanforderungen. Web-Services bleiben so lange von Managern, die sich mit Geschäftsstrategien beschäftigen, unbeachtet, bis die Geschäftswelt die Vorteile erkannt hat, die ihr diese neue Form von Anwendungen bringt. Solange die derzeit angespannte finanzielle Situation anhält, werden Unternehmen zudem Ausgaben in Infrastruktur vermeiden, die ihnen keinen raschen ROIROI (Return On Investment) versprechen. Auch sehr optimistische Hersteller gestehen ein, daß sich die komplette Web-Services-Story erst in den nächsten Jahren entwickeln und entfalten wird. Das heißt, die meisten Unternehmen werden eine Entscheidung hinsichtlich des potentiellen Nutzens von Web-Services-Technologie vertagen, bis es vorzeigbare Beispiele ihrer konkreten Vorteile gibt. Web-Services - als nächste Welle des E-Business - sind für die Softwareindustrie der größte Hoffnungsträger, um wieder zum Wachstum zurückzufinden. Wenn sich ihre Akzeptanz jedoch um zwei bis drei Jahre verzögert, dann hat das für viele Unternehmen katastrophale Auswirkungen und in der Folge auch für das Vertrauen der Investorengemeinde in diese IndustrieIndustrie. Daraus folgt, daß es von allergrößter Wichtigkeit ist, denjenigen, die für Geschäftsstrategie-Entscheidungen verantwortlich sind, den Geschäftsnutzen von Web-Services nahezubringen und die Botschaft in Unternehmen aller Größen hineinzutragen. Die Hersteller müssen dabei sowohl die kurzfristigen Gewinne als auch die langfristigen Verheißungen dieser Technologieform veranschaulichen. Natürlich ist es schön, das Zukunftsszenarium der Web-Services zu entwerfen. Wenn die potentiellen Anwender aber erkennen, daß die Bereitstellung von Web-Services in ihrer endgültigen Form noch etliche Jahre auf sich warten läßt, bleibt das Interesse rein theoretisch, wenn es überhaupt bleibt. Derzeit wissen die Unternehmen mit ihrem Geld Besseres anzufangen, als es in eine Langfrist-Infrastruktur zu investieren, die ihnen keine kurzfristige Amortisation verspricht.
Der vollständige Bericht "Web Services Adoption Timeline and Related Business Opportunities" kann kostenfrei über IDC oder über Katja Schmalen bezogen werden. Alles zu ROI auf CIO.de Top-Firmen der Branche Industrie

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Branche: Industrie

Thema: ROI

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