Ratgeber Karriere

Wechseln Sie nicht zu schnell weiter

31. Januar 2014
Eine Leserin möchte ihr Arbeitspensum reduzieren: "Ich arbeite seit 2012 als SAP-BWBeraterin bei einer mittelständischen Consulting-Firma und möchte gerne in Teilzeit gehen. Würden Sie mir raten, dort zu bleiben oder zum Anwender zu wechseln? In den ausgeschriebenen Stellen konnte ich kaum Teilzeitangebote finden."
Dr. Thomas Biber
Dr. Thomas Biber
Foto: Privat

Die SAP-Expertin glaubt, dass ihr eine Tätigkeit beim Anwender eher liegen könnte, auch weil sie damit die Hoffnung verbindet, weniger reisen zu müssen. Sie fragt: "Wie lange sollte man mindestens in der Beratung arbeiten, bevor man zum Anwender wechselt?"

Der auf SAP-Positionen spezialisierte Personalberater Thomas Biber meint dazu: "Dass Sie kaum Angebote mit Teilzeitoption finden, überrascht mich nicht. Es ist unüblich, in der SAP-Welt in Teilzeit zu arbeiten, und schwierig, eine solche Position zu finden. Die SAP-Jobs in Anwenderunternehmen sind kaum zwischen verschiedenen Personen aufteilbar, und die Firmen wissen um den Wert ihres SAP-Personals: Die SAP-Experten sind diejenigen, die dafür sorgen, dass die gesamten Verwaltungsabläufe im Unternehmen funktionieren. Diese Mitarbeiter wollen die Arbeitgeber so weit wie möglich greifbar haben.

Im Consulting-Geschäft könnten Sie noch eher Chancen haben als in Anwenderunternehmen. Ein Beratungshaus hat zum Beispiel eher die Möglichkeit, in einem größeren Projekt, das ohnehin mehrere Köpfe erfordert, eine Teilzeitstelle einzurichten. Doch auch hier wäre mit vier Tagen pro Woche sicher leichter etwas zu finden als mit drei Tagen. Und Sie müssten sich darauf einstellen, in diesen Tagen auf Reisen zu sein. Was funktioniert, ist der Wiedereinstieg nach einer Pause für Erziehungs- oder Pflegeaufgaben. Man muss dann allerdings eventuell ein geringeres GehaltGehalt in Kauf nehmen." Alles zu Gehalt auf CIO.de

Ein weiterer Leser hat eine grundsätzlichere Frage: Er möchte seine Tätigkeit ändern und als SAP-Berater arbeiten. Er schreibt: "Ich bin ausgebildeter IT-Systemkaufmann, arbeite bei einem Systemhaus im Vertrieb und bilde mich nebenher über die Industrie- und Handelskammer zum IT-Projektleiter weiter. Wo beginne ich, wenn ich in die SAP-Welt will, und welches Unternehmen empfiehlt sich für den Einstieg?"

Thomas Biber antwortet: "Über Ihre Ausbildungen bringen Sie bereits wichtige Vor-aussetzungen für die technische Seite des Jobs mit - möglicherweise über Ihre Tätigkeit auch betriebswirtschaftliches Wissen. Um SAP-Berater zu werden, können Sie sich im nächsten Schritt im SAP-Umfeld fortbilden und zertifizieren. Das ist jedoch optional, da im SAP-Arbeitsmarkt Projekterfahrung und Praxiserfolge viel wichtiger sind als Zeugnisse und Zertifizierungen. Wichtiger, um den Einstieg zu schaffen, ist es, eine Stelle in einem SAP-Beratungshaus zu ergattern. Dafür brauchen Sie sowohl IT-Know-how als auch betriebswirtschaftliche Kompetenz. Englischkenntnisse und Reisebereitschaft werden vorausgesetzt. Ihre erste Stelle in diesem Umfeld sollten Sie idealerweise vier bis fünf Jahre halten. Gute Beratungshäuser sorgen für das nötige Training. Wechseln Sie auch bei hohem Arbeitsdruck nicht zu schnell weiter! SAP-Projekte brauchen ihre Zeit, und Sie sollten mehrere Vorhaben über weite Strecken begleitet haben."