Psychologie

Wer an Geld denkt, betrügt eher

19. Februar 2014
Wirtschaftswoche-Redakteur
Wem Geld die Sinne vernebelt, der denkt nicht lange über moralische Fragen nach. Das haben Forscher nun mit Experimenten belegt.

Zwei Wirtschaftswissenschaftlerinnen wollen herausgefunden haben, dass man eher betrügt, wenn man an Geld denkt. Ehrlicher handele man hingegen, wenn man an zeitbezogene Dinge denkt. Ihre Erklärung dafür: Geld mindert offenbar die Selbstreflexion, Zeit verstärkt sie.

Über die Studie von Francesca Gino von der Harvard University und Cassie Mogilner von der University of Pennsylvania berichtet das Online-Portal "wirtschaftspsychologie-aktuell.de". Die Forscherinnen führten mit jeweils 98 bis 214 Studenten vier Experimente durch, in denen sie testeten, ob Geld- oder Zeit-Wörter die Tendenz zur Lüge beeinflussen.

Sie präsentierten den Teilnehmern die Wörter beiläufig, indem sie ihnen eine Wörterfolge oder eine Wortsalataufgabe mit Geld-Wörtern (z.B. "Dollar") oder Zeit-Wörtern (z.B. "Uhr") vorlegten. Danach lösten sie eine Aufgabe, bei denen sie leicht betrügen konnten. Sie sollten zum Beispiel die Anzahl ihrer korrekten Lösungen angeben (wofür sie Geld erhielten), ohne die Lösung selbst vorlegen zu müssen. Die Ergebnisse:

Die Gruppe derjenigen, die Geld-Wörter präsentiert bekamen und also wie zufällig darüber nachdachten, täuschte tendenziell häufiger falsche Lösungen vor.

Die Teilnehmer dagegen, die Zeit-Wörter sahen, gaben häufiger die korrekten Lösungen an, obwohl sie leicht hätten betrügen können.

Wenn die Übung im Vorhinein als leistungsbezogener Intelligenztest ausgegeben wurde, täuschten die Teilnehmer bei Geld-Wörtern erst recht. Wenn die Aufgaben als menschlicher Persönlichkeitstest deklariert wurden, täuschten sie weniger.

Wenn die Teilnehmer aber zuvor ermahnt wurden, über sich selbst nachzudenken, verschwanden die Effekte der Geld- und Zeit-Wörter. Die Forscherinnen halten es daher für naheliegend, dass bei Geld-Wörtern mehr betrogen wurde, weil diese die Selbstreflexion herabsetzten, und bei Zeit-Wörtern weniger gelogen wurde, weil diese die Selbstreflexion verstärkten. "Bloß über Geld nachzudenken kann dazu führen, dass sich Menschen unehrlich verhalten. Glücklicherweise zeigt eine ähnlich allgegenwärtige Ressource, die Zeit, den umgekehrten Effekt", schreiben die Forscherinnen in ihrer Zusammenfassung.

(Quelle: Wirtschaftswoche)

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