Horst Wildemann

Wer übertreibt, ist gelähmt

05. Juli 2004
Riem Sarsam ist IDG-Redakteurin und leitet verantwortlich das CIO Leadership Excellence Program (LEP), eine exklusive Fortbildung für IT-Manager, gemeinsam veranstaltet von CIO und der WHU – Otto Beisheim School of Management .
Risiko-Management ist keine Frage der Technik, sondern vor allem eine Angelegenheit, die Disziplin fordert und Teil der Unternehmenskultur ist. Die Kunst, erfolgreich zu sein, besteht darin, Chancen und Risiken angemessen gegeneinander abzuwägen.
Im Interview: Horst Wildemann (61)
Im Interview: Horst Wildemann (61)

CIO: Warum sollten Unternehmen ein Risiko-Management-System etablieren?

Zunächst einmal sind sie per Gesetz dazu verpflichtet. Aber der eigentliche Beweggrund sollte sein, mit Hilfe eines Risiko-Management-Systems Gefahren zu vermeiden oder zumindest abzuschwächen. Risiko-Management trägt direkt zur Werterhaltung und Wertsteigerung von Unternehmen bei.

Online-Tool: Risiko-Check
Online-Tool: Risiko-Check

CIO: Welche Risiken werden typischerweise betrachtet?

Nach wie vor beherrschen finanzwirtschaftliche Themen die Diskussion. Dazu zählen Eigenkapitalquote, Liquidität oder Finanzstruktur. Hinzu kommen Kriterien zu Marktumfeld und Management, also Erfahrung oder Führungsqualität. Häufig vernachlässigt werden die leistungswirtschaftlichen Risiken wie die Ausrichtung des Forschungs- und Entwicklungsprogramms, die Effizienz der Produktion, die Struktur der Lieferanten oder die Höhe der Lagerbestände

CIO: Welche Rolle spielen diese Risiken?

Untersuchungen zeigen, dass gerade leistungswirtschaftliche Risiken typische Insolvenzursachen sind. Unternehmenskrisen beginnen klassischerweise mit einer strategischen Krise, die zu Ergebnis- oder Liquiditätskrisen führt. Hinterfragt man die Gründe, so stellt man fest, dass sie durch leistungswirtschaftliche Defizite wie beispielsweise unzulängliche Produktivitätssteigerungen oder Innovations- oder Qualitätsmängel ausgelöst werden.

CIO: Ist Risiko-Management, bezogen auf das gesamte Unternehmen, überhaupt ein Thema für den CIO?

Informationen sind die Basis unternehmerischer Entscheidungen und somit eine Komponente der ganzheitlichen Risikobetrachtung. Da die Informationstechnologie das informelle Rückgrat des Unternehmens bildet, kommt dem CIO eine besondere Rolle zu. Er muss die Kommunikation unter "Wissenden" leiten und die Informationsversorgung organisieren.

Horst Wildemann (61)
Horst Wildemann (61)

CIO: Was raten Sie einem CIO, der ein Risiko-Management-System etablieren will?

Risiko-Management ist auch eine Frage von Disziplin und Erfahrung und hängt mit der Unternehmenskultur zusammen. Um Risiken identifizieren, bewerten und bewältigen zu können, ist es zwingend, die Mitarbeiter in den Prozess zu integrieren. Es soll jedoch nicht dazu führen, Chancen zu verhindern. Wer übertreibt, ist gelähmt und verpasst Möglichkeiten.

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