Siemens

Wettkampf der Regionen

20. August 2007
Von Andreas Schmitz
Markus Danowski ist CIO bei der Siemens Regionalorganisation Deutschland. Doch seine knapp 100 Mitarbeiter haben nichts mit der Produktion von Software und IT zu tun. Seine Mission gilt Prozessen, die als Blaupausen nicht nur in seiner Regionalorganisation einsetzbar sein sollen.
"Es kann nicht sein, dass man dieselben Dinge zehn Mal neu entwickelt. Dass man Patches und Upgrades mehrmals machen musste, war pure Verschwendung." sagt Markus Danowski, CIO der Siemens-Regionalgesellschaft Deutschland.
"Es kann nicht sein, dass man dieselben Dinge zehn Mal neu entwickelt. Dass man Patches und Upgrades mehrmals machen musste, war pure Verschwendung." sagt Markus Danowski, CIO der Siemens-Regionalgesellschaft Deutschland.

Vor zwei Jahren kam Klaus Kleinfeld als neuer Siemens-Chef und Erneuerer. Doch schon vor drei Jahren gab es beim Münchener Konzern einen ersten Umbruch: Für Deutschland schuf der Münchener Konzern eine Regionalorganisation, die sich um den Vertrieb und den Service in Deutschland kümmern sollte. Der Grund: Die einzelnen Unternehmensbereiche von Siemens hatten nur für sich funktioniert (oder nicht) und nicht zusammengearbeitet. "Die Prozesse waren sehr stark bereichsoptimiert“, so der CIO der Regionalorganisation Deutschland, Markus Danowski, der die Dimension des Deutschland-Geschäfts mit über 16 Milliarden Euro Umsatz an 86 Standorten sehr gut kennt. Alle anderen Regionen hatten bis dahin ihre Vertriebs- und Service-Einheit, nur Deutschland nicht.

Danowski nutzt ähnliche Prozesse

Wenn im Bereich Power Generation ein Tool für die Technikersteuerung eingesetzt wurde, hat niemand danach geguckt, ob es der Bereich Medizintechnik auch gebrauchen könnte. "Dabei sind die Prozesse sehr ähnlich“, erläutert Danowski, der erster CIO der Regionalorganisation Deutschland wurde. Er sieht sich vor allem als Prozess-Manager: "Es kann nicht sein, dass man dieselben Dinge zehn Mal neu entwickelt. Dass man Patches und Upgrades für diverse Applikationen mehrmals machen musste, war pure Verschwendung.“ Da viele IT-Manager im Konzern damals oft nicht in Geschäftsprozessen gedacht haben und zudem weitere Synergieeffekte aufgespürt werden sollten, bediente sich der Manager externer Hilfe für das Design der künftigen CIO-Organisation. Accenture-Mann Bernhard Holtschke legte die maximale Größe der einzelnen Abteilungen fest und definierte das Zusammenspiel untereinander. Mit Danowski vollzog er eine kleine Revolution: Er schuf einen CIO quasi ohne IT-Aufgaben.

Zum einen war die IT in den Geschäftsbereichen bereits vorhanden, zum anderen war - und das ist der zweite Umbruch im 87 Milliarden Euro Umsatz starken Konzern - die Gründung der Siemens-Shared-Services-Gesellschaft schon in den Köpfen der Top-Manager. Im letzten Jahr löste dann der derzeitige Corporate CIO Volkhart Matthäus die globalen Shared Services aus seinem Bereich - und übergab mehrere tausend Mitarbeiter an eine eigenständige Einheit unter der Leitung der US-Amerikanerin Denice Kronau, die bereits beim Kraft-Konzern entsprechende Erfahrungen gesammelt hatte. Deren Bereiche IT-Betrieb und Application Management Center leitet Rudi Beinhauer, der Danowski jetzt ebenfalls IT-Aufgaben abnimmt. Die restlichen zwei Drittel der Aufgaben der globalen Shared Services sind Prozesse, die aus den Fachbereichen getrieben sind, aber ebenso die Arbeit von RDCIO Danowski betreffen. Denn Danowski ist weitaus mehr Prozess- als IT-Mann - und auch nicht-IT-getriebene Prozesse sind für den Manager relevant.

Shared Services übernehmen AMCs

Entsprechend leitet Danowski eine Abteilung von knapp hundert Mitarbeitern, von denen kaum jemand reine IT-Aufgaben erledigt. "Die meisten kommen aus den Fachbereichen und kennen die dortigen Prozesse sehr gut“, so Danowski, der vor allem die Frage beantworten muss, wie die IT die für das Geschäft nötigen Prozesse unterstützt. Die Umsetzung machen dann andere - zunächst die Application Management Center (AMC) Regionalgesellschaft Deutschland unter der Leitung des Corporate CIO-Office, ab Oktober 2008 dann die Global-Shared-Services-Sektion, die dann auch dieses AMC übernehmen.