Ernst & Young und Randstad

Wie Absolventen Karriere machen wollen

25. September 2013
Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
Absolventen verstehen heute unter Karriere ganz was anderes als in den Achtziger- und Neunzigerjahren. Randstad und Ernst & Young zeigen, was junge Leute wollen und wie Firmen darauf reagieren.

Traditionelle Werte sind Absolventen wichtiger als sie dies noch vor wenigen Jahren waren. Wie die Ergebnisse einer Befragung der Unternehmensberatung Ernst & Young zeigen, legen 74 Prozent der Berufseinsteiger besonderen Wert auf Freunde und Familie. Im Jahr 2009 waren es nur 58 Prozent. Es folgen Erfolg und KarriereKarriere (52 Prozent), GesundheitGesundheit (44 Prozent), Reisen (34 Prozent) und Selbstverwirklichung (32 Prozent). Der Stellenwert von Materiellem ist gering: Genuss und Konsum finden fünf Prozent der Absolventen wichtig, Reichtum nur ein Prozent. Etwas mehr als ein Fünftel der Umfrageteilnehmer (22 Prozent) streben nach eigener Aussage keine Führungsposition im Beruf an. Alles zu Karriere auf CIO.de Top-Firmen der Branche Gesundheit

Unternehmensbeispiel Randstad

Dass den Berufseinsteigern mehr an ihrer Familie und ihren Freunden liegt als an Erfolg und Karriere bedeutet nicht, dass die Absolventen weniger karriereorientiert sind als früher. "Ich beobachte nicht, dass die Karriereorientierung nachgelassen hat. Darunter wird heute allerdings etwas ganz anderes verstanden als in den Achtziger- und Neunzigerjahren", so der Eindruck von Andreas Bolder, Director HR beim Personaldienstleister Randstad.

Damals ging es nur darum, die Leiter nach oben zu gehen und mit jedem Schritt mehr Geld zu verdienen. Die heutigen Karrierekonzepte seien vielfältiger, erläutert der Personalexperte. So beobachtet man auch bei Randstad, dass Mitarbeiter keine Führungsposition anstreben, aber trotzdem Karriere machen möchten.

Das Unternehmen hat darauf reagiert: "Bei Randstad haben wir zum Beispiel vor zwei Jahren die Fachkarriere eingeführt - eine Karriere ohne Führungsverantwortung. Auch das ist keine Karriere, die jeder macht", erläutert Bolder. Es werde genau geprüft, ob jemand dazu in der Lage sei, sich zum Spezialisten für ein Thema zu entwickeln. Das passiere allerdings selten schon im Absolventenalter, da die jüngeren Angestellten sich meist erst einmal in verschiedenen Themen ausprobieren möchten.

"Dass die Vergütung eine weniger wichtige Rolle spielt, kann ich nicht bestätigen", so Andreas Bolder von Randstad.
"Dass die Vergütung eine weniger wichtige Rolle spielt, kann ich nicht bestätigen", so Andreas Bolder von Randstad.
Foto: Randstad

Ob Arbeitgeber ihnen Entwicklungsmöglichkeiten bieten können, ist nach den Ergebnissen der Ernst & Young-Studie unter Absolventen das wichtigste Entscheidungskriterium für oder gegen einen Arbeitgeber (72 Prozent). Darauf folgen Work-Life-Balance (56 Prozent) und eine kollegiale Atmosphäre (55 Prozent). Seltener genannt wurde das Auswahlkriterium Vergütung (38 Prozent). Ein Jahr zuvor wurde Vergütung noch von gut der Hälfte der Befragten als entscheidendes Auswahlkriterium angeführt. "Dass die Vergütung eine weniger wichtige Rolle spielt, kann ich nicht bestätigen", so Andreas Bolder von Randstad.

Er beobachte aber, dass sich die Ansprüche verändert haben und vielfältiger geworden sind. Heute müsse man einem Absolventen mehr bieten als ein attraktives Einstiegsgehalt. Zu diesen Zusatzangeboten zählt zum Beispiel der Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit, den in der Ernst & Young-Studie 56 Prozent der Befragten als Kriterium bei der Arbeitgeberwahl berücksichtigen. "Work-Life-Balance spielt auch bei uns eine Rolle, denn wir möchten, dass unsere Mitarbeiter gern bei uns arbeiten", sagt Andreas Bolder von Randstad. Das Unternehmen hat interne Spielregeln definiert, die zum Beispiel beinhalten, dass Mitarbeiter abends nicht von ihrem Chef kontaktiert werden, der eine sofortige Reaktion einfordert. Und vom Empfang bis zum Topmanager gilt bei Randstad eine Vertrauensarbeitszeit.

Absolventen unterschätzen Führung

Das vielschichtige Thema FührungFührung wird nicht nur von einem Teil der Absolventen für den eigenen beruflichen Weg abgelehnt sondern von vielen verkannt. "Führungsaufgaben sind in den vergangenen Jahren komplexer geworden, für diese Jobs muss man gebaut sein. Viele Absolventen haben oft zu naive Vorstellungen von Führung und unterschätzen die Aufgaben", findet Andreas Bolder von Randstad. Alles zu Führung auf CIO.de

Die Ernst & Young-Studie enthält folgende Ergebnisse zum Thema Führung: Für 40 Prozent der Studierenden bedeutet Führung vor allem, Verantwortung für Mitarbeiter und ProjekteProjekte zu übernehmen. 28 Prozent finden, dass eine Führungskraft die Aufgabe hat, Mitarbeiter zu leiten, sie zu motivieren und ihnen passende Aufgaben zuzuordnen, um so ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Die Absolventen sollten darüber hinaus angeben, was ihrer Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften einer Führungskraft sind. An erster Stelle steht Fach- und Methodenkompetenz mit einem Wert von 2,45 auf einer Skala von 1 bis 5, wobei 1 die höchste Wichtigkeit ausdrückt. Darauf folgen Glaubwürdigkeit, Management- und Führungsvorbild (jeweils 2,75) und Begeisterungsfähigkeit (2,79). Alles zu Projekte auf CIO.de

Für die Absolventenstudie 2012/2013 der Unternehmensberatung Ernst & Young wurden 500 Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen aus Deutschland befragt. Die befragten Studierenden absolvieren derzeit überwiegend Masterstudiengänge (45 Prozent). 32 Prozent der Studierenden streben einen Bachelorabschluss an, 20 Prozent ein Diplom, drei Prozent einen Magister und ein Prozent einen Examensabschluss. Die meisten Umfrageteilnehmer studieren Wirtschaftswissenschaften (57 Prozent), dann folgen in der Reihenfolge Geistes- und Sozialwissenschaften (neun Prozent), Ingenieurwissenschaften (acht Prozent) und Naturwissenschaften (sieben Prozent).

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